Aufwind für sistierte Projekte?
Auch die Wasserkraft soll künftig durch den Bund finanziell unterstützt werden. Die Bündner Kraftwerksbetreiber hoffen nun, dass sie ihre sistierten Neubauprojekte dadurch doch noch realisieren können.
Auch die Wasserkraft soll künftig durch den Bund finanziell unterstützt werden. Die Bündner Kraftwerksbetreiber hoffen nun, dass sie ihre sistierten Neubauprojekte dadurch doch noch realisieren können.
Entscheid des Nationalrats zugunsten der Wasserkraft sorgt bei Kraftwerksfirmen für Zuversicht
Von Dario Morandi
Der Nationalrat will auch die von herben Wettbewerbsnachteilen gebeutelte Wasserkraft in die Energiewende einbinden. Deshalb hat das Parlament in der Dezembersession beschlossen, künftig den Bau von Grosswasserkraftwerken zu fördern. Ausgenommen davon sind kleine Wasserkraftwerke. Neue Werke auf genutzten Gewässerstrecken können hingegen von Investitionsbeiträgen profitieren.
Und was heisst das für die wegen des Preiszerfalls auf dem Strommarkt auf Eis gelegten Wasserkraft-Projekte des Bündner Energiekonzerns Repower? Konkret geht es um den Bau des Pumpspeicherwerks Lagobianco im oberen Puschlav und eines Flusswasserkraftwerks in der Chlus zwischen Landquart und Grüsch.
<strong>In der Firmenzentrale</strong> von Repower hat man das nationalrätliche Bekenntnis zur Wasserkraft mit einer gewissen Erleichterung zur Kenntnis genommen. «Es herrscht wieder etwas Zuversicht», sagt Konzernsprecher Werner Steinmann mit Blick auf eine mögliche Realisierung der beiden Projekte. «Auf politischer Ebene hat man erkannt, dass die Rahmenbedingungen für die Wasserkraft verbessert werden müssen.» Trotzdem sei eine Subventionierung der Wasserkraft «nicht die erste Wahl». Besser wäre nach Steinmanns Meinung, wenn die Marktwirtschaft besser spielen würde und es keinerlei staatliche Eingriffe bräuchte.
<strong>Dass nach dem Entscheid</strong> in Bern nun gleich in der Chlus und beim Lagobianco auf dem Berninapass die Baumaschinen auffahren werden, ist unwahrscheinlich. Die Konzessionen für beide Werke seien zwar erteilt, am Projektgenehmigungsgesuch für das Kraftwerk in der Chlus werde gearbeitet und auch Lagobianco werde weiterverfolgt, versichert Steinmann. «Es gibt aber nach wie vor keinen konkreten Termin für einen Baubeginn.» Trotzdem geht Steinmann davon aus, dass die Werke in naher Zukunft doch noch realisiert werden können. Denn gemäss den Worten des Unternehmenssprechers könnten mit dem Chlus-Kraftwerk bis 2035 rund zwölf Prozent an die Ausbauziele des Bundes beigesteuert werden. «Ausserdem wäre das Projekt Lagobiancho in der Lage, für die Energiezukunft notwendige Speicherkapazitäten bereitzustellen.»
<strong>Bei der Realisierung </strong>des 2,5 Milliarden Franken teuren Pumpspeicherwerks Lagobianco hat aber auch der Stromkonzern Axpo als Repower-Hauptaktionär ein gewichtiges Wort mitzureden. Und dieser dürfte nach Ansicht von Fachleuten in den nächsten zehn Jahren kaum Hand zum Bau von Lagobiancho bieten. Denn der Speichersee von Repower im oberen Puschlav würde das 2,1 Milliarden Franken teure Prestigeprojekt der Axpo, das Pumpspeicherwerk der Kraftwerke Linth-Limmern, konkurrenzieren, das momentan im Kanton Glarus entsteht.
Bei Repower sieht man es nicht so drastisch. «Zieht man den Zeithorizont in Betracht, wird es dannzumal im Schweizer Kraftwerkpark Platz für das Pumpspeicherwerk Lagobianco haben», glaubt Steinmann. Repower rechnet für das Lagobianco-Projekt mit einer Bauzeit von acht Jahren, beim Kraftwerk Chlus wären es etwa fünf Jahre.
Dass sich der Entscheid des Nationalrates positiv auf die Pläne in der Bündner Energiewirtschaft auswirken könnte, schliesst Schmid nicht aus. «Das Projekt Chlus dürfte wohl das erste Kraftwerkprojekt in der Schweiz sein, das von der neuen Subventionspraxis profitieren könnte», glaubt er. Nicht so Lagobianco, weil der Bau von Speicherseen nicht unterstützt wird. Hier könnte sich Schmid vorstellen, dass die Schweizer Netzgesellschaft Swissgrid in die Hosen steigt. Schmid weiss auch warum: Swissgrid müsse als Betreiberin des Stromnetzes dessen Stabilität sicherstellen. Sie sei deshalb auf den Bau von Pumpspeicherwerken angewiesen, um Verbrauchsspitzen abfedern zu können.
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