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Auf den Spuren der einstigen Schmuggler in Maloja

Auf dem Schmugglerweg in Maloja erfährt man viel über Schmuggel und Natur. Dass der Weg in Maloja entstanden ist, hat mit der Geschichte des Ortes zu tun.

Südostschweiz
24.09.14 - 02:00 Uhr

Von Jürg Wirth

Maloja. – Schmuggler schmuggeln nicht bei schönem Wetter, sondern entweder in der Nacht oder bei Regen und Nebel. Und man soll immer dem Schmugglerhut folgen, erklärt die erste Tafel auf dem Weg. Das ist gar nicht so einfach: Der Hut ist klein und teilweise schwer zu finden. Dies war beim richtigen Schmuggel nicht anders. Dass der Pfad immer wieder einen Wanderweg kreuzt, macht die Orientierung nicht unbedingt einfacher. Doch weshalb gibt es einen Schmugglerpfad in Maloja?

Ware zwischen Felsen versteckt

«Tatsächlich war der Ort einst so etwas wie eine Schmugglerkapitale», erklärt Martin Sprecher, Chef Grenzwachtposten Graubünden. Begonnen habe das Schmuggeln bereits im Mittelalter. Gedauert habe der grosse Warentransport über den Murettopass bei Maloja bis 1834. Schliesslich zerstörte ein Unwetter grosse Teile des offiziellen Säumerpfads. Der Weg wurde danach nicht mehr instand gestellt. Hinzu kam, dass es bis dahin kein Zollgesetz gab. Ein Gesetz entstand erst 1848 mit der Gründung der modernen Eidgenossenschaft. Die Umsetzung erfolgte schrittweise.

Mit Friedrich Giovanoli setzte der Bund einen sogenannten Zollbezü-ger in Maloja ein. Dieser verzollte in seiner Stube gemeinsam mit einem Landjäger die transportierten Waren.

Ernster wurde es 1896, dem Gründungsjahr der Schweizer Grenzwache. Die Grenzer platzierten einen Posten in Maloja, der bis 1975 besetzt war. Bis dahin hatte der Murettopass den Status einer Zollstrasse, auf welcher der Warenverkehr offiziell gestattet war. Zu den ersten Aufgaben der Grenzwächter zählte das Verzollen von Waren – und die Bekämpfung des Schmuggels. Die Grenzwächter waren viel im Gelände, beim Muretto-pass, der quasi die Hauptstrasse des Schmuggels war. Dieser war schwierig zu begehen, weil er über 2500 Meter über Meer hoch war, wie Sprecher sagt. Apropos: Auch der Schmugglerweg ist nicht ganz einfach zu begehen, vor allem nicht bei Regen, wenn alles glitschig ist. Doch realer könnte es kaum sein. Die ins Gelände gestellten Grenzwächter sieht man jedenfalls kaum, umgekehrt ebenfalls. Gut al- so, wenn man das Schmugglergut zwischen Felsen und in Löchern ver- stecken will. Denn das taten die Schmuggler früher, wie Patrik Giovanoli weiss. «Vor und nach dem Zweiten Weltkrieg schmuggelten die Leute vor allem Kaffee», wie er aus zahl- reichen Gesprächen mit älteren Bergellern erfahren hat.

Wobei Schmuggeln nicht ganz richtig ist. Die Ausfuhr aus der Schweiz war erlaubt, die Einfuhr nach Ita- lien verboten. «Deshalb rösteten die Schweizer den Kaffee und versteckten die Ballen nachher im Wald, wo sie die Italiener dann abholten.» Damit sich die ganze Sache auch lohnte, seien von Villa di Chiavenna aus Züge mit zehn bis 15 Personen organisiert worden, so Giovanoli.

Auch Reis und Salz wurden geschmuggelt

Doch nicht nur Kaffee sei geschmuggelt worden, sagt Grenzwächter Sprecher. Nach 1945 sei die Reis-und-Salz-Zeit angebrochen. Weil die Salzgewinnung in Italien vor allem im Süden verortet war, war der Lieferweg in den Norden unterbrochen. Die Italiener hatten fast kein Salz, dafür viel Reis. Diesen tauschten sie mit den Schweizern gegen Salz. Später traten Tabak und Zigaretten in den Mittelpunkt. Allerdings wurde nicht mehr viel über den Murettopass transportiert. Der Weg war zu mühsam und aufwendig. Der einzige Vorteil bestand darin, dass die in Chiaréggio auf italienischer Seite stationierten, meist süditalienischen Grenzwächter wenig Lust verspürten, den Schmugglern ins Gebirge zu folgen.Die letzten amtlich er- und gefassten Schmuggler am Murettopass sind 1959 datiert. Allerdings hätten diese eher für «den Kick» geschmuggelt, vermutet Sprecher.

Auch der Schmugglerweg selber kann heute noch für einen Kick sorgen: Der Weg ist nicht ganz einfach, die Landschaft hingegen einmalig, und die am Schluss erstellten Schmugglerverstecke sind ziemlich schwierig zu finden.

Der Schmugglerweg Maloja umfasst insgesamt 17 Posten, die Laufdauer des Weges beträgt rund eineinhalb Stunden. Die Wanderung ist für Kinderwagen nicht geeignet. Weitere Auskünfte: Bregaglia Engadin Turismo, Telefon 081 822 15 55 oder unter www.bregaglia.ch.

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