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Ammans Traum ist geplatzt

Ski Nordisch Simon Ammann begrub seine Hoffnungen auf den ersten Gesamtsieg an einer Vierschanzentournee im Neuschnee.

Südostschweiz
30.12.14 - 01:00 Uhr
Zeitung

si. Im ersten Umgang in Oberstdorf landete der Toggenburger bei 133 Metern und stürzte dann kopfüber. Stefan Kraft (Ö) siegte überlegen. «Hauptsache nichts passiert», sagt sich wohl jeder Skispringer nach einer Bruchlandung mit über 100 km/h im Schnee. Der Toggenburger hingegen verschwendete gestern Abend (noch) keine Gedanken an das Glück im Unglück. Er sah bloss den geplatzten Traum vom Gewinn der Tournee. Beim 17. Anlauf in einer derart guten Verfassung witterte er die Chance, die letzte Lücke in seinem herausragenden Palmarès zu schliessen – Einzel-Olympiasieger, Weltmeister, Skiflug-Weltmeister und Gesamtweltcup-Sieger ist er bereits. «Der eine oder andere Kraftausdruck ist mir durch den Kopf gegangen», sagte der Titelverteidiger von Oberstdorf niedergeschlagen aber gefasst.

Mit den 133 Metern im Duell gegen Peter Prevc – der Slowene setzte mit der Tagesbestweite von 139,5 m eine tolle Telemark-Landung – wäre Ammann über die Lucky-Loser-Regelung sicher in den zweiten Durchgang gelangt und hätte sich in der Gesamtwertung der Tournee zumindest im Gespräch gehalten. Der Sturz unmittelbar nach der Landung führte jedoch zu derart hohen Punktabzügen, dass der vierfache Olympiasieger ausschied. Die Regel, wonach ein Springer mit Sturz zum zweiten Umgang antreten darf, sofern er 95 Prozent der Bestweite erreicht hatte, griff nicht. Der Passus wird nicht rein mathematisch angewendet, sondern die Windwerte werden mit eingerechnet. Somit fehlten 60 cm.

«Man darf einfach nicht stürzen. Es ist so oder so schlecht, auch wenn ich über die Weitenregel noch den zweiten Durchgang erreicht hätte», betonte Ammann. Er habe einen guten Flug gehabt und auch die Landung schön angesetzt. «Der Neuschnee stockte ein bisschen. Ein Quäntchen hat mir gefehlt, um das Gleichgewicht zu halten. Ich hatte das ganze Gewicht auf dem linken Fuss und konnte die Vorwärtsbewegung nicht mehr stoppen.»

Es herrschten gute Verhältnisse

Die Analyse ergab, dass Ammann abgesehen vom Sturz ein solider, aber kein Supersprung gelungen war. Er fand sogar leichten Aufwind und die beinahe besten Verhältnisse aller fünfzig Konkurrenten vor. Die 133 m wären auch ohne Sturz zu wenig gewesen, um mit dem Sieger Kraft oder seinen ersten Verfolgern Michael Hayböck (Ö) und Prevc mitzuhalten. Ammann bliebt nichts anderes übrig, als den Blick nach vorne zu richten. «Ich habe schone einige Enttäuschungen erlebt. Ich brauche jetzt etwas Zeit. Aber wenn ich wieder am Start sehe, richtet sich der Fokus wieder auf die neuen Aufgaben.»

Austria-Adler wieder da

Die unter ihrem neuen Cheftrainer Heinz Kuttin desolat in die Saison gestarteten Österreicher meldeten sich zum Tournee-Auftakt mit eine Doppelsieg der jungen Stark und Hayböck zurück. Der 21-jährige Kraft feierte überlegen vor seinem Zimmerkollegen und Prevc seinen ersten Weltcup-Erfolg.

Die Österreicher waren überhaupt –sieht man von Kamil Stoch ab, der nach einer Knöchelverletzung sein erstes Weltcup-Springen der Saison bestritt – die grossen Sieger bei dem erneut im Schneetreiben stattfindenden Springen, das am Sonntag abgebrochen worden war. Auch Routinier Andreas Kofler kann als Fünfter hinter Doppel-Olympiasieger Stoch hoch zufrieden sein. Einzig Gregor Schlierenzauer verspielte bereits seine Chance auf den dritten Tournee-Erfolg. Der zweifache Oberstdorf-Triumphator verliess die Schattenbergschanze diesmal nur als 17., nach Durchgang eins hatte der Tiroler noch an der sechsten Stelle gelegen. Wie Ammann hatten sich auch die deutschen Skispringer den Auftakt ganz anders vorgestellt. Sie stürzten regelrecht ab und büssten alle Chancen auf den ersten Gesamtsieg seit dem Grand Slam von Sven Hannawald 2001/02 ein. Severin Freund oder Richard Freitag verpassten die Top Ten deutlich.

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