Alternativen zu Stromfressern finden
Küssnacht Der Regierungsrat hat den Teilrichtplan Wärme genehmigt. Positiv ist: «2015 gibt es wieder Förderbeiträge des Bezirks für Solaranlagen», sagt Bezirksrätin Carole Mayor.
Küssnacht Der Regierungsrat hat den Teilrichtplan Wärme genehmigt. Positiv ist: «2015 gibt es wieder Förderbeiträge des Bezirks für Solaranlagen», sagt Bezirksrätin Carole Mayor.
«Ich bin für kurze Strecken mit dem Elektrovelo unterwegs.»
Mit Carole Mayor sprach Edith Meyer
Der Regierungsrat hat den Teilrichtplan Wärme des Bezirks Küssnacht genehmigt. Dieses raumplanerische Instrument zeigt auf, in welchen Gebieten des Bezirks welche erneuerbaren Energien zur Verfügung stehen. An erster Stelle steht für Küssnacht die Sonnenenergie, gefolgt von Abwärme und Umgebungsenergie. Damit will der Bezirksrat die Versorgungssicherheit langfristig gewährleisten und die Nutzung erneuerbarer Energien fördern.
Wie sparen Sie Energie?
Zu Hause befolgen wir die Empfehlungen zum Lüften der Räume, also kurzes Lüften statt ständig offene oder gekippte Fenster. Wir heizen die Aufenthaltsräume auf maximal 20–21 Grad mit einer Erdsonden-Wärmepumpe und das Wasser mit Sonnenkollektoren. Auch erledigen wir unsere Einkäufe grossmehrheitlich im Bezirk, was einfach ist, weil man in Küssnacht praktisch alles für den täglichen Gebrauch findet. Unsere Kinder laufen zur Schule, und ich erledige gleich verschiedene Sachen, wenn ich mit dem Auto unterwegs bin. Weil ich mein Büro zu Hause habe, entfallen auch die Fahrten ins Geschäft. Und wenn das Wetter es erlaubt, bin ich für kurze Strecken mit dem Elektrovelo unterwegs.
Zurzeit laufen verschiedene Grossprojekte von Energieversorgern. Trotzdem wird immer wieder kritisiert, dass die Behörden mit dem Teilrichtplan Wärme in den freien Wettbewerb eingreifen können. Stimmt das?
Nein, das stimmt natürlich nicht. Hauptziel des Teilrichtplans Wärme ist es, die Grundlagen für einen vermehrten Einsatz von erneuerbaren Energien bei der Wärmeerzeugung und -versorgung zu schaffen. Er versteht sich als Instrument zur Unterstützung der Hauseigentümer und Firmen bei der Wahl der richtigen Energieträger. Und den Wärmeanbietern stellt der Teilrichtplan Wärme Schätzungen zur Entwicklung des Wärmebedarfs und zum Effizienzpotenzial der Bauten zur Verfügung, damit sie ihr Angebot auf die zukünftige Nachfrage abstimmen können.
Können Hausbesitzer nach wie vor den Wärmeanbieter wählen?
Ja, grundsätzlich haben Hausbesitzer im Rahmen der heute gültigen übergeordneten Gesetzgebung nach wie vor die freie Wahl des bevorzugten Energieträgers. Dem Teilrichtplan Wärme können sie entnehmen, welcher Energieträger an ihrem Standort zur Verfügung steht und welche Energieformen aus Umweltsicht besonders empfohlen werden. Im Rahmen von Gestaltungsplänen kann der Bezirk entsprechend der räumlichen Verfügbarkeit und der Prioritätenreihenfolge Vorgaben in Bezug auf die Nutzung von erneuerbaren Energien machen.
Die Sonnenenergie steht beim Bezirk hoch im Kurs. Warum?
Solarenergie ist quasi unendlich verfügbar, umweltfreundlich und – abgesehen von der Investition – kostenlos. Solarzellen und Sonnenkollektoren produzieren Strom und Wärme, ohne dabei Lärm oder Abgase zu verursachen. Der Wartungsaufwand der Solar- und Photovoltaikanlagen ist zudem sehr gering. Mit der Nutzung der Solarenergie wird die Abhängigkeit von den fossilen Energien und deren ausländischen Lieferanten reduziert. Zudem kommt ein grosser Teil der Wertschöpfung der eigenen Wirtschaft zugute. Die Energiegewinnung vor der eigenen Haustüre verringert zudem die Energieverluste, die sonst beim Transport entstehen. Natürlich hat die Gewinnung und Speicherung der Sonnenenergie nicht nur Vorteile. Aber dies ist bei jeder Energiequelle der Fall.
Was sind die grössten Stromfresser im Bezirk?
In unserem Haushalt sind es höchstwahrscheinlich der Computer und die übrige Büroinfrastruktur, die im Dauerbetrieb stehen. Allgemein werden immer wieder veraltete Stromheizungen als grösste Stromfresser genannt. Aber auch ältere Haushaltsgeräte stehen ganz oben auf der schwarzen Liste. Bei der Beleuchtung geht es nicht nur darum, das Licht nur bei Bedarf einzuschalten. Denn ein Umrüsten auf Energiesparlampen lässt den Verbrauch um ein Vielfaches sinken. Aber auch die elektrischen Geräte, die sich dauernd im Stand-by-Modus befinden, verbrauchen unnötig Strom. Wer also bei der Heizung erneuerbare Energiequellen berücksichtigt, Energiespargeräte und -lampen verwendet, die Elektrogeräte bei Nichtgebrauch ausschaltet, beim Kochen die richtige Kochplatte sowie Deckel benutzt und die Restwärme nutzt, leistet einen wichtigen Beitrag an einen optimierten Stromverbrauch.
Elektroheizungen sind besonders ineffizient. Was empfiehlt der Bezirk?
Elektroheizungen sind nicht mehr zeitgemäss und in vielen Kantonen verboten. Der Bezirk empfiehlt, bei der Wahl des Heizsystems den Einsatz von erneuerbaren Energien auf der Grundlage der Prioritätenliste des Teilrichtplans Wärme zu prüfen. Bei älteren, schlecht isolierten Gebäuden ist aber vor allem eine verbesserte Wärmedämmung der Gebäudehülle notwendig, um energieeffizient zu heizen.
Im Bezirk werden 70 Prozent der Wärme mit Heizöl erzeugt. Der Kanton Schwyz ist der einzige Kanton der Schweiz, der für den Ersatz der fossilen Brennstoffe kein Förderprogramm hat. Lohnt sich da eine Energieberatung des Bezirks?
Eine Energieberatung lohnt sich auf jeden Fall. Denn unter dem Strich profitiert jeder Hauseigentümer über kurz oder lang von einem reduzierten Energieverbrauch, ob es dafür Fördergelder gibt oder nicht.
Wie arbeitet der Bezirk mit der Energieberatung zusammen?
Sehr gut. Der Energieberaterverein Küssnacht dient als Energieberatungsstelle für den Bezirk. Er berät Privatpersonen, Gewerbebetriebe und öffentliche Institutionen in Bezug auf einen sparsamen, umweltschonenden und wirtschaftlichen Einsatz von Energie. Der Bezirk unterstützt den Energieberaterverein mit einem Jahresbeitrag, und unser Umweltbeauftragter Michael Lutz pflegt einen regelmässigen Kontakt mit dem Energieberater Iso Wyrsch.
Was versprechen Sie sich vom Teilrichtplan Wärme für die Zukunft?
Ich verspreche mir den vermehrten Einsatz von erneuerbaren Energien bei der Wärmeerzeugung und -versorgung im ganzen Bezirk, und zwar sowohl bei bezirkseigenen Gebäuden als auch bei privaten Wohn- und Industriebauten.
Wie steht es um die Bauvorhaben von Cofely und Agro Energie Rigi?
Beim Seewasser-Wärmeverbund der Firma Cofely in Immensee wird das Baugesuch Anfang 2015 ausgeschrieben. Beim Fernwärmenetz Haltikon sind die Baubewilligungsverfahren für die Heizzentrale und das Leitungsnetz noch am Laufen.
Hat sich das Programm zur Förderung der Solaranlagen im Bezirk bewährt?
Ja. Die Aktion «50 Solardächer für Küssnacht» wird seit fünf Jahren von den Hauseigentümern rege genutzt und von diesen geschätzt. Mit dieser Massnahme aus dem energiepolitischen Programm der «Energiestadt Küssnacht» fördert der Bezirk die Installation von Sonnenkollektoren zur Warmwasseraufbereitung mit finanziellen Beiträgen.
Wie viele wurden seit 2010 gebaut?
Das Ziel von 50 Solaranlagen, das sich der Bezirk 2010 gesetzt hatte, wurde bis Ende 2014 praktisch erreicht. Aufgrund der erfolgreichen Umsetzung und des anhaltenden Interesses wird es auch 2015 wieder ein Energieförderprogramm geben.
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