×

Alle sind bald an einem Tisch

Kanton Die Schwyzer Denkmalpflege wird auf neue Füsse gestellt. Die Tage des alten Gesetzes sind gezählt.

Südostschweiz
07.01.15 - 01:00 Uhr
Zeitung

Denkmalschutz adm. Ganz aktuell ist der Fall Ingenbohl. Hier hat sich das Verwaltungsgericht hinter die Denkmalpflege gestellt und sich damit gegen ein Bauvorhaben an der Alten Gasse entschieden, das zuvor von den Gemeindebehörden bewilligt wurde. Der Gemeinderat Ingenbohl will gemäss «Boten» von gestern das Urteil zwar akzeptieren. Gleichzeitig verlangt Ingenbohl aber, dass das Denkmalpflegegesetz aus dem Jahre 1927 ersetzt wird.

Dialog vereinbart

Wichtig nach dem nun bekannt gewordenen Urteil sei, dass es akzeptiert werde, betont Stählin. «Die Gemeinde Ingenbohl und der Kanton interpretieren hier das bestehende Gesetz anders.» Die beiden Seiten setzten aber auf Dialog und haben schon weiterführende Gespräche vereinbart: «Wir werden bald mit dem Denkmalschutz und der Gemeinde zusammensitzen und schauen, wie es weitergehen soll», betont der SVP-Regierungsrat.

Der Vorwurf, die Denkmalpflege habe ihre Strategie mit der Pensionierung des früheren Denkmalpflegers geändert, «stimmt jedenfalls nicht», sagt Stählin. Er bleibe dabei: In Ingenbohl sei die Denkmalpflege einfach zu spät in die Beratung einbezogen worden.

«Es heisst nicht zwingend, dass ein altes Gesetz ?schlecht ist.»

Walter Stählin,?Bildungsdirektor

Jürg Auf der Maur

Die Denkmalpflege sorgt seit jeher für Widerspruch. Je nachdem, ob man selber ein Bauvorhaben hat oder die Schutzwürdigkeit in den Vordergrund stellt, gehen die Ansichten dazu weit auseinander.

Jetzt fordert die Gemeinde Ingenbohl, dass das bestehende Denkmalpflegegesetz aus dem Jahre 1927 ersetzt werde (siehe Box). Der Kanton soll sich endlich ein zeitgemässes Denkmalpflegegesetz geben. «Ohne diesen Schritt lassen sich die heute weiterhin bestehenden Rechtsunsicherheiten nicht beheben», hält Gemeindepräsident Albert Auf der Maur fest.

Regierungsrat Walter Stählin (SVP) stimmt der Forderung nur zum Teil zu. «Es heisst nicht zwingend, dass ein altes Gesetz ein schlechtes ist.» Dass das bestehende Denkmalpflegegesetz nun schon 90 Jahre Bestand habe, spreche doch dafür, dass dieses bisher gut gewesen sei, erklärt Stählin dem «Boten». Als Bildungsdirektor ist er als oberster Schirmherr auch für die Kultur und damit für die Schwyzer Denkmalpflege zuständig.

Trotzdem ist derzeit vieles rund um die Schwyzer Denkmalpflege im Tun; unabhängig vom «Fall Alte Gasse, Ingenbohl».

Eine Studie, welche die Schwyzer Regierung 2013 in Auftrag gab, kam nämlich zum Schluss, dass bei der Denkmalpflege in der Tat Handlungsbedarf besteht. Darauf wies der Regierungsrat auch in seiner Antwort auf eine Interpellation von CVP-Kantonsrat Peter Steinegger hin, die im vergangenen Dezember im Rat zur Debatte stand.

Hintergrund ist, dass durch neue Anforderungen und Bedürfnisse im Bauwesen – Stichworte dabei sind Verdichtung, energetische Ertüchtigung, Solartechnik, Erdbebensicherheit – die Denkmalpflege personell und inhaltlich heute mit ganz anderen Herausforderungen konfrontiert ist. Oder anders gesagt: Wer verdichtet bauen will, kommt zwangsläufig mit dem Denkmalschutz in der Kernzone der Dörfer in Konflikt.

Arbeiten bereits gestartet

Bereits vor den Forderungen aus Brunnen hat die Regierung deshalb eine Projektgruppe eingesetzt, die das heutige Denkmalschutzgesetz unter die Lupe nimmt. Stählin: «Wir wollen bis 2015 wissen, wie die Denkmalpflege organisiert oder angepasst werden soll.»

Neues Gesetz wahrscheinlich

Dass am Schluss aus diesen Arbeiten ein neues Gesetz entsteht, liegt für Stählin durchaus im Bereich des Möglichen. «Ich vermute, dass wir ein neues Denkmalpflegegesetz brauchen werden», sagt Stählin. Damit soll aber der Arbeitsgruppe unter der Leitung von Valentin Kessler, Leiter des Schwyzer Amtes für Kultur, nicht vorgegriffen werden, betont Stählin.

Kommentieren
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Könnte euch auch interessieren
Mehr zu Zeitung MEHR