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Algarve – das schönste Ende der Welt

Die Westalgarve wird als der «Wilde Westen» Europas bezeichnet. Tatsächlich ist dieser Teil Portugals touristisch kaum erschlossen. Sogar wildes Campieren ist hier noch erlaubt, und 22 traumhafte Strände warten auf ihre Entdecker.

Südostschweiz
29.06.13 - 02:00 Uhr

Von Andrea Hilber Thelen

Das «Ende der Welt», so wurde früher dieser südwestlichste Teil Europas genannt. Ganz aussen auf dem Kap Sao Vicente gibt es nur den einen Blick auf diesen endlos scheinenden Atlantik, der mit lang gezogenen, ruhigen Wellen von Welten jenseits des Horizonts zu erzählen scheint.

Von hier aus stachen um 1500 wagemutige Seeleute wie der Portugiese Vasco da Gama in See, um neue Kontinente zu erobern. Von diesen Entdeckerzeiten erzählt die Festung Fortaleza de Sagres, das auf einer 1000 Meter langen und 300 Meter breiten Landzunge vor Sagres liegt und zu den historisch bedeutendsten Orten Portugals gehört. Hier gründete Heinrich der Seefahrer seine Seefahrtschule und verhalf Portugal so zur Weltmacht. Die Geschichte hat sich gedreht, und heute wartet die einst so berühmte Westalgarve darauf, neu entdeckt zu werden.

Die introvertierten Latinos

Und es gibt einiges, wie die Westalgarve-Kennerin Daniela Beren-donk weiss. Die Deutsche kam mit ihrem Mann vor über zehn Jahren an die Westalgarve, des Wetters wegen: «Hier haben wir 350 Sonnentage im Jahr, die meisten in ganz Europa. Im Winter ist es selten kälter als 15 Grad, und im Sommer wird es nie heisser als 28 Grad», schwärmt sie. Aber nicht nur das Mikroklima hat es der Deutschen angetan, auch die Mentalität sei erwähnenswert: «Die Portugiesen sind die introvertierten Latinos. Sie sind sehr stolz und zurückhaltend, aber wenn man sie aus der Reserve lockt, zeigen sie sich sehr gastfreundlich und herzlich.» Portugal gilt als sehr sicheres Reiseland: «Die Portugiesen haben ein pazifistisches Gemüt. Einbrüche und Gewalt gibt es hier ganz selten», sagt Daniela.

«El Gharb – Land im Westen», so haben die Araber diesen südlichsten Teil Portugals genannt, und noch heute trägt die fast 5000 Quadratkilometer grosse Region diesen Namen: Algarve. Während die Ostalgarve, die sich von der spanischen Grenze bis nach Portimau hinzieht und mittlerweile zu den bekanntesten Feriendestinationen der Welt gehört, ist die Westalgarve touristisch noch weitgehend unbekannt und dadurch sowohl landschaftlich wie auch kulturell noch sehr ursprünglich.

So ursprünglich, dass sie gerne der «Wilde Westen» Europas genannt wird. Oder wo in der westlichen Welt ist es noch erlaubt, wild zu campieren? Es gibt zwar offizielle Campingplätze, die mit allen erforderlichen Annehmlichkeiten ausgestattet sind, «aber hier sucht man sich den schönsten Strand, packt seinen Campingtisch aus und pausiert», wie Berendonk erklärt. Sie empfiehlt den Touristen ein Mietauto: «Die Westalgarve ist so vielseitig, dass es schade wäre, nur in einem Resort oder Hotel zu verbleiben und das umliegende Land und die vielen Strände zu verpassen.»

Es waren die Surfer in den Achtzigerjahren, die diesen Küstenstreifen entdeckten. Mittlerweile hat sich Sagres mit den 22 nach Süden und Westen ausgerichteten Stränden zum fixen «Hotspot» der internationalen Surfgemeinde etabliert.

Frühling im Winter

Goldfarbene Sandstrände sind denn auch die Hauptattraktion der Westalgarve. Aber auch für Segler und Taucher ist die Gegend ideal. Sogar Wale und Delfine lassen sich hier beobachten. Die hier noch vorhandenen intakten Fischbestände garantieren den Küstenbewohnern ein Einkommen: «Am Morgen bringen die Fischer ihren Fang in die Häfen, und am Abend ist er auf dem Teller. Frischer gehts nicht mehr», weiss Berendonk. Aber auch Muscheln, Calamares und alle Arten von Krustentieren werden zu erstaunlichen moderaten Preisen in den kleinen Strandres- staurants angeboten. Oder Oktopus: «Der wird hier ohne Tauchgeräte nur mit der Harpune gefangen. Das ist für die Einheimischen eine Frage der Ehre», sagt die Deutsche. Auch in Sachen Wein erwacht die Algarve aus ihrem Dornröschenschlaf: «Es gibt unterdessen junge, verrückte Winzer, die mit ihren neuen Weinkreationen erstaunliche Ergebnisse erzielen und sicherlich noch viel Aufsehen erregen werden.»

Während im Februar in Mittel- und Nordeuropa noch kein Blatt an den Bäumen hängt, blühen an der Westalgarve die Mandel-, Oliven- und Feigenbäume. Die perfekte Zeit für eine Tour mit dem Velo durch den 75 000 Hektar umfassenden Naturpark, den Parque Natural do Sudoeste, der

Flüge: Verschiedene Airlines bieten Verbindungen ab Zürich nach Lissabon und im Sommer zusätzlich nach Faro an. Günstige Mietautos gibt es direkt an den Flughäfen. Autobahngebühren (Mautstellen) sind extra zu bezahlen.

Fahrtzeit: Lissabon–Sagres: 2½ Stunden. Faro–Lissabon 1½ Stunden.

Wochenmarkt in Lagos nicht verpassen. Hier gibt es frisches Gemüse und Fisch direkt vom Boot.

Im Restaurant «Mar a Vista» in Sagres werden fangfrische Austern, Muscheln und Hummer serviert.

Die beste Bar mit dem schönsten Ausblick auf den Atlantik ist die «Pau de Pita» in Sagres.

Zu den allerschönsten Stränden zählt Praia da Cordoama, etwa

9 Kilometer von Sagres entfernt. Nicht nur für Surfer ein «Must».

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