Abbado und Algerich eröffnen musikalisches Gipfeltreffen
Am Samstag hat der bald 80-jährige italienische Dirigent Claudio Abbado in Luzern das Osterfestival eröffnet. Mit der Pianistin Martha Argerich tauchte er tief in die Musik von Mozart und Beethoven ein.
Am Samstag hat der bald 80-jährige italienische Dirigent Claudio Abbado in Luzern das Osterfestival eröffnet. Mit der Pianistin Martha Argerich tauchte er tief in die Musik von Mozart und Beethoven ein.
Von Reinmar Wagner
Luzern. – Abbado und Argerich, allein das schon ein Traumpaar, eine formidable Mischung von subtil austarierter Detailarbeit und fulminantem Musikantentum. Zum Triple A reichte es nicht, aber das lag allein an den Buchstaben: Das Orchestra Mozart aus Bologna, 2004 gegründet von Abbado und für dieses Konzert verstärkt mit einigen der Bläsersolisten vom Lucerne Festival Orchestra, erreichte dieses Top-Niveau ebenfalls ohne Einschränkungen. Technisch brillant, sauber und homogen in den Klangfarben spielten diese meist jungen Musiker, stilistisch informiert etwa im Einsatz des Vibratos (wenig bei Beethoven, noch weniger bis keines bei Mozart) und mit reaktionsschneller Wachheit.
Virtuosität ohne Attitüde
Letzteres ist bei Abbado auch in jedem Moment nötig, denn so liebevoll und subtil ausgeformt sind die motivisch-gestischen Details in einer der selten gespielten Sinfonien von Mozart (KV 319) kaum je zu hören, so zart und nachdrücklich gespannte Pianolinien fordert keiner in Beethovens «Leonore»-Ouvertüre Nr. 3, so agogisch beweglich modellieren nur wenige das wunderschön zwischen Streichern und Holzbläsern hin- und herfliessende Seitenthema von Beethovens «Coriolan»-Ouvertüre oder die Orchestertutti in Mozarts C-Dur-Klavierkonzert KV 503. Und wenn dann mit Martha Argerich eine Solistin am Flügel sitzt, die dieses Spiel mit den feinen Nuancen ebenso souverän beherrscht, dann entsteht bewegliches, lebendiges Interagieren, das jede plakative Geste vermeidet und sogar bei der fingerflinken Geläufigkeit im finalen Rondo jede Virtuosen-Attitüde abgelegt hat.
Erster Höhepunkt unter vielen
Damit hatte die Oster-Ausgabe des Lucerne Festival ihren ersten Höhepunkt. Bis am kommenden Sonntag versprechen hochkarätige Programme und Interpreten zahlreiche weitere. Zum Beispiel heute, wenn Argerich und Abbado in einem anderen Programm wieder zusammen auftreten, am Mittwoch, wenn die szenische Fassung des Oratoriums «The Gospel According to the Other Mary» von John Adams unmittelbar nach ihrer Uraufführung in Los Angeles auch im KKL zu sehen ist, oder am Freitag, wenn John Eliot Gardiner Bachs «Johannes-Passion» aufführt. Der Jungstar Gustavo Dudamel leitet am Donnerstag sein Orchester als LA auch in einem sinfonischen Programm mit Musik von Claude Vivier, Debussy und Strawinsky. Und den Abschluss machen traditionell die Sinfoniker des Bayerischen Rundfunks unter ihrem Chefdirigenten Mariss Jansons. Am Samstag führen sie das eindrückliche «War Requiem» von Benjamin Britten auf, und am Sonntag kombinieren sie Beethovens Fünfte mit der sechsten Sinfonie von Schostakowitsch.
Das Eröffnungskonzert wurde von Radio SRF2 mitgeschnitten und wird am Ostermontag um 20 Uhr gesendet.
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