64. Weltcupsieg für Lindsey Vonn
Ski Alpin Traum und Albtraum liegen einander doch so nahe. Das mussten die drei Schwyzer Weltcup-Speedfahrerinnen Lara Gut, Fabienne Suter und Nadja Jnglin-Kamer am Wochenende in St. Moritz erfahren. Nach Topklassierungen am Samstag schieden im gestrigen Rennen alle drei aus.
Ski Alpin Traum und Albtraum liegen einander doch so nahe. Das mussten die drei Schwyzer Weltcup-Speedfahrerinnen Lara Gut, Fabienne Suter und Nadja Jnglin-Kamer am Wochenende in St. Moritz erfahren. Nach Topklassierungen am Samstag schieden im gestrigen Rennen alle drei aus.
Ski Alpin si. Lindsey Vonn hat den Super-G in St. Moritz mit 0,24 Sekunden Vorsprung vor der Österreicherin Anna Fenninger gewonnen. Die Teamleaderinnen Lara Gut und Fabienne Suter schieden aus, wodurch keine Schweizerin in den Top 20 klassiert war.
24 Stunden nach ihrem Abfahrtssieg konnte Lara Gut auf der WM-Piste von 2017 nicht nachdoppeln. Die 23-jährige Tessinerin mit Wohnsitz in Arth, die erneut gut unterwegs war, stürzte im oberen Teil. Gut lag bei der ersten Zwischenzeit nur um neun Hundertstel hinter Vonn zurück.
Fabienne Suter konnte für Gut nicht in die Bresche springen. Die Schwyzerin aus Sattel war bei der letzten Zwischenzeit zwar noch Fünfte, doch dann verpasste sie – wie so viele andere Fahrerinnen auch – das zweitletzte Tor.
Als beste Schweizerin figurierte deshalb Priska Nufer (21.) im Klassement. Die Obwaldnerin verlor fast drei Sekunden auf Vonn. Corinne Suter wurde 29.
Im Gegensatz zu Gut war Lindsey Vonn in der Abfahrt am Samstag fehlerhaft gefahren. Die erfolgsverwöhnte Speed-Queen hatte sich mit über zwei Sekunden Rückstand und dem 23. Platz begnügen müssen.
«Der Super-G heute lief mir einiges besser. Nun kann ich mit einem guten Gefühl an die Weltmeisterschaften nach Vail reisen», zeigte sich Vonn nach ihrem 64. Weltcupsieg zufrieden. Die Amerikanerin gewann in ihrem zehnten Saisonrennen zum fünften Mal.
si. Lara Gut hat die Weltcup-Abfahrt in St. Moritz gewonnen und damit die Gemüter wieder etwas beruhigt. Fabienne Suter als Fünfte und die verblüffende Nadja Jnglin-Kamer als Sechste runden das sehr gute Schweizer Team-Resultat ab.
Zumindest an diesem Samstag rückten die Diskussionen und Meinungen über die Leistungen der Schweizer Frauen-Equipe im bisherigen Saisonverlauf in den Hintergrund. Die «schnellen Damen» von Cheftrainer Hans Flatscher waren diesmal zu gut, um sich ein weiteres Mal kritischen Fragen stellen zu müssen. Sie nutzten unter blauem Himmel, bei Sonnenschein und angenehmer Temperatur den ersten von zwei Auftritten vor Heimpublikum im Engadin, um ein kräftiges Lebenszeichen auszusenden. An einem Traumtag sorgten Lara Gut und Co. für ein Traumergebnis. Der Zeitpunkt hätte nicht besser gewählt werden können. Die Fahrerinnen von Swiss-Ski können mit gestärktem Selbstvertrauen und ohne quälende Gedanken an eine neuerliche Enttäuschung die Reise an die Anfang Februar in Vail und Beaver Creek beginnenden Weltmeisterschaften antreten.
Den Hinweis auf den besonderen Bezug zu St. Moritz hatte Lara Gut in den vorangegangenen Tagen nicht mehr hören mögen. Zu weit weg war für sie der Tag, an dem sie im Februar 2008 bei ihrem Abfahrts-Debüt im Weltcup trotz eines Sturzes Dritte geworden war. Den schon damals möglichen Sieg, ihren ersten auf dieser Stufe, holte die Artherin gut zehn Monate später in einem Super-G nach. Seither war in St. Moritz im Weltcup keine Schweizerin mehr Erste geworden – bis zum letzten Samstag, als für Lara Gut endlich wieder alles wie am Schnürchen lief.
«Nutze diese Chance»
Die Piste, die sich im Vergleich zu den Trainings an den beiden Vortagen in härterem Zustand präsentierte, bot Lara Gut die bevorzugten Bedingungen. Und selbst der Wind, der im obersten Streckenteil unterschiedlich stark und aus verschiedenen Richtungen wehte, schlug sich auf ihre Seite. Ihr Rezept war ein einfaches. «‹Nutze diese Chance›, hatte ich zu mir gesagt. ‹Probiere, so frech als möglich zu fahren›», erzählte die 24-Jährige nach ihrem zwölften Sieg im Weltcup, dem zweiten in der aktuellen Saison nach jenem im Super-G Anfang Dezember in Lake Louise.
Die Umsetzung der Vorgabe gelang vorzüglich. Lara Gut fuhr vor allem in den technisch fordernden Abschnitten vorzüglich, so stark wie keine ihrer Konkurrentinnen. Auch Lindsey Vonn hielt nicht mit. Die Amerikanerin wurde nach einem groben Patzer auf Platz 23 durchgereicht und war mit der Liechtensteinerin Tina Weirather (9.) und der Slowenin Tina Maze (18.) die Verliererin des Tages.
Zu jenen Teilnehmerinnen, die in den obersten Passagen mit Gegenwind zu kämpfen hatten, gehörte Fabienne Suter. Die Schwyzerin passierte die erste Zwischenzeitmessung mit rund einer Sekunde Rückstand – einem Handicap, das sich trotz einer ebenfalls gelungenen Darbietung auf dem restlichen Terrain nicht mehr wettmachen liess. Am Ende betrug Fabienne Suters Rückstand auf Lara Gut neun Zehntel.
WM-Ticket aus dem Nichts
Nur einen Zehntel langsamer war Teamkollegin Nadja Jnglin-Kamer. Die Schwyzerin, die wegen eines im vergangenen Sommer diagnostizierten Knorpelschadens im rechten Knie erst vor einer guten Woche in Cortina d’Ampezzo in den Weltcup zurückgekehrt war, überraschte sich mit ihrer Vorstellung gleich selber. «Nach dem zweiten Training hatte ich mir schon etwas erhofft. Dass ich in die ersten 30 fahre, oder, wenns gut läuft, in die ersten 20. Aber Sechste? Nein, daran hätte ich im Traum nicht gedacht.»
Dem weiteren Aufbau nach der langen Zwangspause hätte der Einsatz in St. Moritz dienen sollen. Weitere Rennpraxis wollte sie sammeln, sich langsam wieder herantasten und dabei die nötige Vorsicht walten lassen. Doch Nadja Jnglin-Kamer konnte sich bereits wieder überwinden. Das Vertrauen war schneller zurück als erwartet. Praktisch aus dem Nichts erfüllte die Innerschweizerin die Kriterien für die Teilnahme an den Weltmeisterschaften in den USA. Statt Frust setzt der saisonale Höhepunkt in Colorado nun Glücksgefühle frei. «Als ich die WM-Ausrüstung der anderen sah, musste ich wegschauen. Es machte mich traurig. Doch jetzt kommen für mich wieder die guten Zeiten.»
Ungarische Premiere
Noch mehr Erstaunen als Nadja Jnglin-Kamer löste Edit Miklos aus. Die Ungarin klassierte sich hinter der Österreicherin Anna Fenninger als Dritte und schaffte den allerersten Podestplatz in einem alpinen Weltcup-Rennen für ihr Land. Die in der Nähe von Budapest in Mogyorod einen Steinwurf von der Formel-1-Rennstrecke entfernt wohnende 26-Jährige, die bis 2011 für ihr Geburtsland Rumänien gestartet ist, erlernte das Skifahren auf einem kleinen Hügel unweit von Ungarns Hauptstadt. Im Weltcup ist sie als Ein-Frau-Team unterwegs, als Trainer steht ihr seit vergangenem Winter der ehemalige österreichische Weltcup-Fahrer Dietmar Thöni zur Seite. Zur Entourage gehören zudem ein Servicemann und ein Physiotherapeut.
Finanzielle Unterstützung erhält Edit Miklos von Ungarns Skiverband, der Stadt Budapest und einem Sponsor. Der Geldgeber ist im vergangenen Frühjahr eingestiegen. Aufmerksam geworden auf die schnelle Ungarin war er nach deren 7. Rang in der Olympia-Abfahrt in Sotschi, den sie zwei Wochen später als Fünfte in der Weltcup-Abfahrt in Crans-Montana bestätigte.
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