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155 Ladendiebe angezeigt

Kanton Wie viel gestohlen wird, zeigen die Buchhaltungen der Geschäfte: Jährlich fehlt rund ein halbes Prozent des Umsatzes.

Südostschweiz
06.01.15 - 01:00 Uhr
Zeitung

Andreas Seeholzer

Einmal soll eine Frau in Brunnen ein gefrorenes Poulet unter ihrem Hut versteckt haben, um es zu stehlen. Noch vor der Kasse sei sie wegen Unterkühlung in Ohnmacht gefallen. Ob diese Geschichte wahr ist oder eher in die Thematik Wandersagen fällt, ist nicht klar. Klar ist aber, dass Stehlen zwar nicht einfacher wird, dennoch aber immer wieder vorkommt.

Im Jahr 2013 wurden der Polizei im Kanton Schwyz 155 Ladendiebstähle gemeldet – Dunkelziffer unbekannt. David Mynall von der Kantonspolizei Schwyz sagt, dass es den klassischen Ladendieb nicht gibt. «Diebe kommen aus allen Gesellschafts- und Altersschichten.» Gestohlen werde von allen Nationalitäten, also auch von Schweizern. Als Grund für Diebstähle zählt er nebst den finanziellen Gründen wie Armut die Kleptomanie auf. Auch werde immer wieder «für den Kick» gestohlen, oder um sich selbst etwas zu beweisen. Unterschiede gebe es zwischen dem inneren und äussern Kantonsteil. Im inneren Kantonsteil sei der Anteil der Ladendiebstähle durch Asylbewerber oder abgewiesene Asylbewerber höher, da hier auch mehr Flüchtlinge leben.

Fast 0,5 Prozent des Umsatzes

Für die Verkaufsgeschäfte sind Ladendiebe ein stetes Übel. In einigen Branchen schätzt man den Anteil an Diebstählen auf ein bis zwei Prozent des Umsatzes. Laut Sepp Waldvogel, Geschäftsleiter des Coops im seewen markt, kann diese Zahl zutreffen. Waldvogel verzeichnet im Coop in Seewen durchschnittlich jedoch nur ein Inventarmanko (festgestellter Fehlbetrag in der Kasse) von rund 0,45 Prozent. «2014 hatten wir ein Manko von 0,36 Prozent.» Umgerechnet auf den Umsatz, heisst dies, dass dem Coop in Seewen jährlich über 150 000 Franken in der Kasse fehlen. In dieser Zahl sind allerdings nicht nur Diebstähle, sondern auch Fehler wie falsche Buchungen enthalten. 2013 belief sich der Nettoverkaufsumsatz der Genossenschaft Migros Luzern (sechs Zentralschweizer Kantone) auf 1,392 Mrd. Franken. Auf Anfrage hiess es, dass der Anteil an Diebstählen deutlich unter einem Prozent liege. Geht man von Manko-Buchungen von 0,5 Prozent aus, wären dies dennoch rund sieben Millionen Franken im Jahr.

Alles Mögliche wird geklaut

Gegen Diebstahl hat Coop verschiedene Strategien: «Wir sind freundlich und aufmerksam», sagt Geschäftsleiter Waldvogel. Nebst externen Ladendetektiven betreibt Coop ein Video-Überwachungssystem. Mit Passabene (der Kunde scannt seine Ware selbst) mache man gute Erfahrungen, so Waldvogel, wenn jemand stehle, werde er früher oder später entdeckt. Ähnliche Aussagen macht Migros zu ihrem System Subito.

Geklaut wird in der Regel alles, was nicht niet- und nagelfest ist. So ist es im Mythen Center im vergangenen Jahr sogar vorgekommen, dass ein Mann einen Fernseher auf dem Rücken aus einem Geschäft tragen wollte – ohne zu bezahlen. Diese Person hatte es offensichtlich auf eine warme Suppe und ein Bett in einem Gefängnis abgesehen. Georg Reichmuth von der Detaillistenvereinigung Pro Schwyz kennt weitere Fälle von Diebstählen: Einmal habe jemand an der Herrengasse eine ganze Reihe Sonnenbrillen geklaut und sei damit davongerannt. Einen Dieb von Herrenhemden hat Reichmuth bis auf die Hofmatt verfolgt, wo dieser das Deliktsgut fallen liess und ohne Beute türmte.

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