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† Marie Betschart-Gwerder

Muotathal Der Lebenslauf von Marie Betschart wird verlesen, wie er von den Kindern verfasst worden ist.

Südostschweiz
31.12.14 - 01:00 Uhr
Zeitung

Unsere Mutter, Marie Betschart-Gwerder, wurde am 8. Oktober 1915 in die harten Kriegsjahre als achtes von ihren elf Geschwistern is Lisis Antonis im hinteren Schachen hineingeboren. Sie erlebte eine harte, aber trotzdem schöne Jugend. Im gleichen Haus wohnte auch noch die Familie von Lisis-Meiris, wo meistens viel Betrieb herrschte und wo man die Küche miteinander teilte.

Von klein auf ging unsere Mutter jeden Sommer mit der ganzen Familie in die Schwelaui z Alp. Von dieser harten Zeit wusste sie immer einiges zu erzählen. Die Schule besuchte sie im Kloster St. Josef in Muotathal. Nach der Schulzeit musste sie an diversen Stellen für die Familie Geld verdienen. Einmal reiste sie mit z Meiris Elis nach Arosa für eine Saison-Winterstelle. Von dieser Zeit haben die zwei Frauen immer gerne berichtet und uns mit ihren lustigen Geschichten zum Schmunzeln gebracht.

Bald darauf lernte sie unseren Vater, Theodor Betschart, ab Kreuz, kennen. Am 24. April 1940 heirateten sie. Im Jahr 1941 kauften sie das Heimwesen untere Flüelen, das sie bis 1990 bewirtschafteten. 1947 übernahmen sie noch die Alp Klön auf dem Pragelpass, und damit war auch viel mehr Arbeit angesagt. Von 1941 bis 1956 kamen elf Kinder zur Welt. Somit war am Mittagstisch kein leerer Platz mehr, und die Teller wurden meistens schnell ausgegessen.

Am Abend, wenn wir Kinder schon lange im Bett waren, hatte Mutter noch lange nicht Feierabend, denn es gab noch jede Menge Arbeit zu flicken (Hemden, Hosen, Socken), damit wir am Morgen wieder etwas zum Anziehen hatten.

Eine grosse Erleichterung für sie war, als im Jahr 1963 das elektrische Licht installiert wurde und es in der Küche fliessendes Wasser gab.

Unsere Mutter wurde auch von mehreren Schicksalsschlägen nicht verschont. Im Januar 1954 riss eine Lawine den Stall weg, und sie verloren fast den gesamten Viehbestand. So mussten sie schweren Herzens und ohne Versicherung wieder von vorne beginnen und den Stall neu aufbauen. Im Weiteren musste sie auch von zwei Grosskindern Abschied nehmen, die bei einem Verkehrsunfall ums Leben kamen. Auch gingen ihr zehn Geschwister im Tode voraus.

Im Frühling 1991 zogen sie von der unteren Flüelen ins Thal zu ihrem Sohn Josef und Schwiegertochter Anni, die sie liebevoll umsorgten. So konnten sie noch ein paar schöne Jahre miteinander verbringen.

Im März 1999 musste unsere Mutter von ihrem Gatten Theodor für immer Abschied nehmen. Danach wurde es bei ihr immer ruhiger. Eine schöne Abwechslung gaben ihr immer die Jassnachmittage mit ihren Freun­dinnen, die sie immer sehr genossen hat.

Als ihre Beine immer schwächer wurden, kam der Entschluss mit fast 95 Jahren, ins Altersheim zu ziehen. Dort hatte sie ein sehr gutes Verhältnis zum Personal und besonders zu Mitbewohnerin Anni Schmidig, die sie alle immer liebevoll betreut haben. Sie freute sich auch immer über Besuch. Ihren 40 Grosskindern und 52 Urgrosskindern erzählte sie gerne über alte Zeiten.

Am 17. November 2014 erlitt sie einen Schlaganfall, von dem sie sich leider nicht mehr erholte, und am 24. November ist sie ganz ruhig eingeschlafen.

Liebe Mutter, wir danken dir für die vielen schönen Jahre, für deine Liebe und Fürsorge. In unseren Herzen wirst du ewig weiterleben.

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