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Mayr-Melnhof schickt das grösste Sägewerk der Schweiz in Domat/Ems in Konkurs

Die grösste Sägerei der Schweiz in Domat/Ems geht nach dreieinhalb Jahren Betrieb in Konkurs. Die österreichischen Besitzer Mayr-Melnhof haben die Bilanz deponiert.

Südostschweiz
15.12.10 - 13:09 Uhr

Domat/Ems. – Der Verwaltungsrat der Mayr-Melnhof Swiss Timber AG hat heute die revidierte Bilanz deponiert und den Konkurs beantragt. Dies sagten die Verantwortlichen am Mittag vor den Medien in Chur.

Der negative Entscheid des Grossen Rates des Kantons Graubünden von voriger Woche hat zum Scheitern der Sanierungsbemühungen geführt, erklärte Mayr-Melnhof Holz Holding CEO und CFO Josef Dringel vor den Medien. Die 128 Mitarbeiter im Werk Domat/Ems wurden im Rahmen einer Betriebsversammlung über die Konkursanmeldung informiert.

Investorensuche brachte nichts

Das Bündner Parlament hatte am 7. Dezember den Kantonsbeitrag von 6,75 Millionen Franken an ein Pelletswerk zur Neuausrichtung der Sägerei mit 59:57 Stimmen verworfen. Durch diese Entscheidung war die Sanierungsvereinbarung mit dem Kanton nachträglich hinfällig. Mit diesem Entscheid wurde der Fortführung des Standorts Domat/Ems die Basis entzogen, so Dringel. Er bedaure es sehr, dass das von seiner Seite angepeilte Massnahmen- und Investitionsprogramm gescheitert ist und der Standort Domat/Ems keine Zukunft als Mayr-Melnhof Swiss Timber erfährt, so Dringel weiter.

Mayr-Melnhof teilte nach der Kreditablehnung im Parlament mit, dass der Konkursantrag für das Werk in Domat/Ems vorbereitet werde, prüfte nach eigenen Angaben aber noch Finanzierungsmöglichkeiten anstelle der verworfenen kantonalen Finanzspritze. Es war innerhalb der kurzen Frist nicht möglich, einen zusätzlichen Partner für die Finanzierung des Pelletswerks zu vergleichbaren Bedingungen zu gewinnen, erläuterte Dringel.

Das Bedauern und das Angebot der Regierung

Mayr-Melnhof mit Hauptsitz in Leoben in der Steiermark übernahm die Grosssägerei in Domat/Ems vor zwei Jahren von der österreichischen Stallinger/Kaufmann Gruppe. Das Unternehmen erzielte letztes Jahr in der Sparte Holz mit 1929 Angestellten einen Umsatz von 666 Millionen Franken. Die Mayr-Melnhof Holz Gruppe betreibt mehrere Sägewerke in Leoben, Frankenmarkt (beide Österreich), Domat/Ems, Paskov (Tschechien) und Efimovskij (Russland).

In einer Stellungnahme bedauert die Bündner Regierung den Entscheid von Mayr-Melnhof. Das Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit Graubünden stehe den Mitarbeitern ab sofort vor Ort beratend zur Verfügung, heisst es in einer Mitteilung. Und: Im Rahmen des Konkursverfahrens bietet der Kanton möglichen Interessenten seine Dienste an. (phw)

Zur Bildgalerie der Grosssägerei gehts hier. Mehr in der «Südostschweiz» von morgen.

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