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Das Büsi kommt nur rein, wenn die Beute draussen bleibt

Mit einer innovativen Idee helfen die beiden Brüder Denis und Oliver Widler Katzenbesitzern, sprichwörtlich die Spreu vom Weizen zu trennen. Denn ihre Katzentür lässt nur hinein, was hinein darf.

Südostschweiz
29.04.23 - 04:30 Uhr
Wirtschaft
Jungunternehmer: Oliver (links) und Denis Widler möchten in erster Linie Katzenbesitzern helfen – mit Hightech.
Jungunternehmer: Oliver (links) und Denis Widler möchten in erster Linie Katzenbesitzern helfen – mit Hightech.
Pressebild

von Michel Wassner

Eine Idee für die Katz, die hatten Denis Widler und sein Bruder Oliver aus Freienbach. Sie mögen die flauschigen Büsis, nicht aber das Getier, das sie immer wieder ins Haus schleppen – Mäuse, Vögel, Schlangen. Deshalb fragten sich die zwei Höfner: Wäre es nicht optimal, wenn Frösche und Co. gar nicht erst hineinkämen? Sie entwickelten eine «intelligente» Katzenklappe, Flappie.

Die Zwillingsbrüder sind selbst mit Büsis aufgewachsen. An Prototypen bastelte Oliver schon während des Studiums. Nach dem Abschluss nahm er sich die Zeit, das Produkt fertig zu entwickeln. Dann beendete auch Denis sein Studium und beide entschieden, gemeinsam 100 Prozent in ihre Katzentür zu investieren. Oliver hat einen ETH-Abschluss in Maschinenbau, Denis einen HSG-Abschluss im Business-Bereich. Oliver sagt: «Wir ergänzen uns sehr gut.» Die ETH habe sie unterstützt mit Equipment und Know-how durch das Student Project House. «Auch hatten wir stets Austausch mit anderen Studenten und Start-ups an der ETH. Die Entwicklung stammt aber zu 100 Prozent von uns.»

Ausserdem sind sie noch bei Innosuisse, dem Start-up-Programm des Bundes. «Dort bekommt man kein Geld, aber verschiedene indirekte Hilfe.» Mittlerweile haben die Brüder eine GmbH gegründet und im Rahmen des Flappie-Innovator-Programms testen bereits zehn Haushalte ihre Katzentür.

Trefferquote: 90 Prozent

Die Technik ist kompliziert, das Prinzip simpel: Hat die Katze ein Tier im Maul, sperrt Flappie. Sorge, dass die Klappe das eigene Büsi nicht mehr ins Haus lässt, brauche man nicht zu haben, sagen die Entwickler. Die Trefferquote für die Beuteerkennung sei gut, liege aktuell bei 90 Prozent. «Durch die Testphase bekommen wir jetzt viel mehr Daten und können so den Algorithmus verfeinern. Unser Ziel ist, jede Beute zu erkennen.» Übrigens: Sind Katzen gechipt, kann man Flappie so einstellen, dass nur das eigene Tier hereingelassen wird. Zu Künstlicher Intelligenz (KI) sagt Oliver: «Der Computer lernt, was visuell um ihn herum passiert, er interpretiert und versteht. Und erkennt, wenn die Katze verschiedene Tiere im Maul hat. Die Detektion erfolgt innerhalb von Flappie, wodurch die Privatsphäre der Benutzer geschützt wird.»

Montiert wird Flappie wie andere Katzentüren auch. «Bei den Grössen haben wir uns an den gängigen Modellen orientiert. Für die Zukunft können wir uns entsprechende Partnerschaften, wie etwa Deals mit Handwerkern für die Montage, vorstellen.» Wobei die erste Version der Katzenklappe noch eine Steckdose benötigt. Doch das solle sich ändern, sagt Oliver. «Für die Zukunft schwebt uns ein Akku-Betrieb vor.»

Der Bedarf ist gross

Alleine 30 Millionen Vögel werden jährlich von Katzen in der Schweiz gefangen. Studien besagen, dass an die 84 Prozent katzenbesitzender Haushalte solche tierischen Geschenke erhalten. Angeschleppt werden Mäuse, Schlangen, Fische, Eidechsen, Frösche, Vögel. «Da wacht man morgens auf und hat die toten Tiere im Haus. Die muss man dann erst mal aufsammeln», berichtet Oliver aus Erfahrung. Das Produkt beziehungsweise die Idee entsprechen seinen ETH-Fächern. «Also suchte ich nach einer Lösung. Denn es gibt auch uns etwas, wenn wir anderen Katzenbesitzern helfen können.» Als die beiden anfingen, sich mit dem Thema zu befassen, waren sie überrascht von den Dimensionen. Denis: «In der Schweiz gibt es 1,2 Millionen Katzenhaushalte. Der Bedarf ist gross. Immerhin dürfen schätzungsweise 50 bis 70 Prozent dieser Tiere hinaus ins Freie.»

Süsse Fotos vom Büsi

Aktuell läuft die Testphase. Weiter gedacht, ist die Schweiz nur der Anfang. Flappie soll international werden. Nicht nur das Produkt. «Flappie soll der Überbegriff werden für Katzentüren mit Erkennung», sagt Denis. Über die Preisgestaltung wollen sie nicht zu viel sprechen. «Wenn der Vorverkauf Ende April auf unserer Website startet, kalkulieren wir 300 bis 350 Franken. Klar, es ist ein Hightech-Produkt, aber wir möchten nicht zu teuer werden.»

Weltweit gebe es noch nicht Vergleichbares. Das haben die Jungunternehmer recherchiert. Demnächst soll es auch eine App geben, mit der sich der Besitzer mit der Katzentür verbinden kann und Zugriff auf Videos und Bilder hat, welche die Flappie-­Kamera aufzeichnet. Da komme der emotio­nale Aspekt zum Tragen, sagt Oliver. «Die Menschen lieben ihre Büsis.»

Für eine Massenproduktion nach der Testphase brauche es noch einige Zertifizierungen und vor allem Geld. Dafür werden die Jungunternehmer ein Fundraising starten. «Im besten Fall können wir im Spätherbst mit der Produktion grösserer Stückzahlen beginnen.» Die Chancen stehen gut. Denn Denis und Oliver Widler widmen sich voll und ganz ihrem Projekt.

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