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Privates Gymnasium will das Kanti-Vakuum in Region füllen

Privates Gymnasium will das Kanti-Vakuum in Region füllen

Ab nächstem Sommer gibt es in Rapperswil-Jona ein Gymnasium. Für den Besuch braucht es jedoch das nötige Kleingeld. Dafür versprechen die Betreiber eine personalisierte Förderung.

Pascal
Büsser
vor 3 Wochen in
Wirtschaft
Neuer Fokus: Aus dem Mädcheninternat beim Kloster Wurmsbach in Rapperswil-Jona wird neu ein privates Gymnasium.
PRESSEBILD

Die politischen Diskussionen um eine Kantonsschule für die Region See-Gaster ist auch privaten Bildungsakteuren nicht verborgen geblieben. Dass ein privater Anbieter in das Kanti-Vakuum in der Region stossen könnte, ist unter Politikern der Region schon länger Gesprächsthema. Nun ist dies Tatsache: «Die bisher grösste Schweizer Stadt ohne eigenes Gymnasium, wird ab Sommer auf ‘sein eigenes’ verweisen können.» Dies schreibt die Bildungsgruppe SBW Haus des Lernens AG in einer Medienmitteilung vom Dienstag. Sie will ab Sommer 2022 ein privates Gymnasium in Rapperswil-Jona betreiben. Konkret beim Kloster Wurmsbach, wo diesen Sommer das Mädcheninternat nach 178 Jahren seine Türen schloss.

Gruppe mit breitem Angebot

Und die Ambitionen sind offensichtlich hoch. «Die Linthregion wird nicht einfach eine weitere Schule bekommen. Der Talent-Campus Zürichsee soll Teil einer Bildungsvision werden, die lokal verwurzelt ist und international Beachtung findet», lässt sich Reto Ammann zitieren, der Gesamtverantwortliche der SBW Haus des Lernens Bildungsgruppe.

Die SBW-Gruppe ist keine Unbekannte im Kanton. Das 1980 gegründete Unternehmen betreibt an neun Standorten in der Schweiz und in Süddeutschland 15 sogenannte Lernhäuser. Der Schwerpunkt in der Schweiz bildet die Region St. Gallen-Bodensee – mit dem Fokus auf individuelle Talentförderung. So führt SBW in Kreuzlingen eine der vier nationalen Swiss-Olympic-Sportschulen sowie je einen Campus für Kunst- und Sporttalente in Winterthur und in St. Gallen. Aus den Sportförderschulen gingen bekannte Namen hervor wie etwa die beiden Eishockeynational- und NHL-Spieler Kevin Fiala und Timo Meier. Neben den Talentschulen führt SBW eine Primarschule nach Montessori-Pädagogik in St. Gallen sowie eine Sekundarschule in Häggenschwil – Letztere im Auftrag der Gemeinde.

«Wir starten mit dem Gymnasium auf jeden Fall im nächsten Sommer.»

Jonas Buol Projektleiter SBW AG

Auch im Mittelschulbereich verfügt die Firma bereits über langjährige Erfahrungen. So führt sie in Romanshorn seit 1998 ein Gymnasium. Knapp 300 Schülerinnen und Schüler haben sich seither dort auf die eidgenössische Maturitätsprüfung vorbereitet. Das abschliessende Examen findet extern statt. Laut SBW beträgt die Erfolgsquote der Abgänger 98 Prozent.

Bis zu 130 Schüler als Ziel

Während in Romanshorn so im Schnitt bisher gut ein Dutzend Schülerinnen und Schüler pro Jahr zur Maturität geführt wurden, sind die Ambitionen in Rapperswil-Jona höher. Ziel sei es, mittelfristig sicher 80 bis maximal 130 Schülerinnen und Schüler in Wurmsbach zu betreuen, sagt Projektleiter Jonas Buol. Wobei diese Zahl auch Absolventen des ebenfalls angebotenen 10. Schuljahrs umfasst. Zum Start habe man allerdings keine zahlenmässige Untergrenze. «Wir starten auf jeden Fall im nächsten Sommer», erklärt Buol. «Wir sind optimistisch, was den Standort betrifft.»

SBW hat nichts weniger als «die Ambition und Erfahrung, Schule neu zu denken und zu gestalten», wie es in der Mitteilung heisst. Der Fokus liegt stark auf individuellem Lernen mit sogenannten Lerncoaches. Neben dem eigentlichen Schulstoff legt die Bildungsgruppe hohen Wert auf die «Entwicklung und Stärkung der Persönlichkeit», wie es heisst. Leidenschaft, Widerstandskraft, Weltoffenheit, Nachhaltigkeit, Kreativität und Unternehmertum sollen mit speziellen Programmen gefördert werden. 

Klar ist: Im Gegensatz zur öffentlichen Kanti ist das private Gymnasium nicht gratis. Wie hoch das Schulgeld ist, will Buol aktuell noch nicht kommunizieren. Man orientiere sich an vergleichbaren Schulen. «Als Privatschule sind wir darauf angewiesen, dass Eltern das Schulgeld im Sinne einer Investition für ihre Kinder bezahlen wollen und können.» Man definiere sich jedoch nicht als «klassische Eliteschule» und finde oft individuelle Lösungen für weniger betuchte Familien, wenn die Einstellung der Jugendlichen stimme, so Buol.

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