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Von der Idee zum marktreifen Produkt

Von der Idee zum marktreifen Produkt

Junge Unternehmerinnen und Unternehmer mit guten Ideen sollen gezielt gefördert werden, damit ihre innovativen und zukunftsträchtigen Produkte Marktreife erlangen.

Südostschweiz
vor 1 Monat in
Wirtschaft
Das KMU-Zentrum bietet Unterstützung für Start-ups.
ZVG KMU-ZENTRUM

In Graubünden gebe es sehr viele unternehmerisch denkende Menschen, die innovativ und tatenfreudig seien und auch fokussiert arbeiten könnten, bestätigt Nico Tschanz, der Leiter des KMU-Zentrums in Chur. Und er muss es wissen, berät er doch seit vielen Jahren neben gestandenen Unternehmen auch Start-ups und Jungunternehmer und kennt darum die Szene bestens. «Wir sind als Anlaufstelle sozusagen das Schwungrad oder der Katalysator für junge Unternehmerinnen und Unternehmer, die gute Geschäftsideen entwickeln und diese in der Region umsetzen wollen – zum Beispiel in den Bereichen IOT, Sensoren, Digitalisierung, Energie- oder Gebäudetechnik – und etwas Hilfe und gute Tipps gebrauchen können», so Tschanz. Er führt das unabhängig beratende KMU-Zentrum seit zwei Jahren. Dank langjähriger Kooperation mit dem Amt für Wirtschaft und Tourismus Graubünden und der Fachhochschule Graubünden FHGR sei man ein Bindeglied zwischen Hochschule, Kanton und der regionalen Wirtschaft und könne regionale Unternehmen auch bei allen klassischen unternehmerischen Fragestellungen, beispielsweise bei einer Nachfolgeregelung, unterstützen – und auch Jungunternehmern aus der Region den Einstieg ins Geschäftsleben ebnen.

Ein grosses Netzwerk im Angebot

Das KMU-Zentrum als Anlaufstelle für Jungunternehmer? «Die Szene ist leider zu wenig sichtbar, und das Gründen einer eigenen Firma bringt doch viele Fragen mit sich», führt der Leiter des KMU-Zentrums aus. Leider hätten er und sein Team nur ein beschränktes Zeitbudget zur Verfügung. Aber das reiche in der Regel für ein Minicoaching von wenigen Stunden und für neutrale Folgegespräche während zwei bis drei Monaten. «Bei den ersten kostenlosen Gesprächen geht es darum, herauszufinden, welche Pläne und Vorstellungen die Person hat.» Weitere Abklärungsphasen würden ohne Scheuklappen geschehen, man diskutiere Strategien, spreche Gründungsfragen und anstehende Herausforderungen an, schätze ab, ob für die Entwicklung ein Markt bestehe oder welche Zielgruppe anvisiert werden soll, so Tschanz. Wichtig auch, erste Feedbacks bei den Partnerorganisationen einzuholen oder dank vorhandenen Studien einen praxisnahen, konkreten und lösungsorientierten Wissenstransfer anzubieten.

Ein nicht zu unterschätzendes Problem sei oftmals die Erstfinanzierung einer Produkte-Idee, denn die Mittelbeschaffung präsentiere sich wie ein grosser Dschungel, weiss Tschanz, «wobei wir als KMU-Zentrum keine Probleme für den Jungunternehmer lösen und auch nicht als Investor auftreten, vielmehr sind wir ‘Verteiler’ und vermitteln Start-ups an Experten aus der Forschung oder  an weiterführende Netzwerke», betont er. Solche Netzwerke könnten sein: der Technopark in Landquart,  INOS, das Innovations Netzwerk Ostschweiz, die Plattform für Regionalentwicklung in der Schweiz (Regiosuisse), das SIFE, das Schweizerische Institut für Entrepreneurship. «Rund 60 Beratungen führen wir jedes Jahr durch», führt Tschanz aus und ergänzt: «Je mehr Kunden wir loswerden, desto besser.» Losgeworden ist das KMU-Zentrum beispielsweise die Mithras Technology AG aus Chur, die jetzt im Technopark Graubünden in Landquart weiterforscht (siehe Artikel nebenan).

Das Bewusstsein für die Branche schärfen

Dabei kommt Tschanz auf einen zweiten Auftrag des KMU-Zentrums zu sprechen; nämlich Gelegenheiten zu schaffen, um das Netzwerken unter Gleichgesinnten zu ermöglichen. Unter dem Namen topKMU besteht ein Programm für Unternehmer und Unternehmerinnen, Start-up- und KMU-Vertreter aus Graubünden und dem Alpenrheintal, das eine Erweiterung des Netzwerkes und des Horizonts fördert. Neben den schon erwähnten Partnern mit im Boot sind Organisationen wie das CSEM in Landquart, das Surselva Innovation LAB, das Pioniernest der Somedia oder auch Mia Engiadina u.a.

Trotz schwieriger Umstände werden die nächsten topKMU-Zmorga am 1. Juli und am 27. August durchgeführt. Themen werden sein:  «Motivierte und gesunde Mitarbeitende» sowie «IoT – Internet of Things» (siehe https://kmuzentrum.ch/events). «Es sind pro Jahr 4 bis 6 Events, die uns helfen, unsere Ziele zu erreichen», so Tschanz, nämlich die doch etwas leise Szene sichtbar zu machen, ihr ein Gesicht zu geben und sie im Bewusstsein der Bündner zu verankern.

Ergänzend zu allfälligen physischen Austragungen werden die Events auch als Videostream live angeboten. Bei Interesse können sich Teilnehmer und Teilnehmerinnen mit der Bemerkung «Videostream» registrieren oder sich auch für den KMU-Zentrum-Newsletter anmelden.

Innovatoren gesucht
Innovative junge Unternehmen im Kanton fördern – so lautet das erklärte Ziel des Jungunternehmerforums Graubünden. Es zeichnet deshalb seit 9 Jahren jeweils den Bündner Jungunternehmer oder die Bündner Jungunternehmerin des Jahres aus. Für die diesjährige Preisverleihung werden noch Bewerberinnen und Bewerber gesucht. Bis am 29. August 2021 können sich innovative Start-ups sowie KMU-Nachfolgerinnen und -Nachfolger auf der Website des Jungunternehmerforums bewerben. Voraussetzung ist, dass das Unternehmen seinen Sitz im Kanton Graubünden hat, bereits seit mindestens sechs Monaten auf dem Markt ist und mindestens eine Vollzeitstelle beschäftigt. Eine Fachjury bewertet die bisherigen Erfolge und die Innovationskraft des Unternehmens und wählt drei Finalistinnen und Finalisten aus. Ihr Unternehmen wird in einem professionellen Videoporträt vorgestellt und kommt in den Genuss der ungeteilten Aufmerksamkeit von Medien, Wirtschaftsvertretern, jungen Talenten und der Netzöffentlichkeit. Für den Gewinner oder die Gewinnerin winkt ausserdem ein Preisgeld von 3000 Franken. Der Jungunternehmerpreis Graubünden 2021 wird im Rahmen des Jungunternehmerforums am 27. Oktober 2021 verliehen. Der Event findet nach Möglichkeit physisch in Chur statt. Sollte dies wegen der Pandemie nicht möglich sein, wird er hybrid oder wie im Jahr 2020 als Fernsehsendung auf TV Südostschweiz stattfinden. Für Besucherinnen und Besucher ist es eine wertvolle Gelegenheit, von den Erfahrungen erfolgreicher Unternehmen zu lernen und sich in der Region zu vernetzen.
jungunternehmerforum.ch

Franco Membrini, Gründer und Geschäftsführer der Mithras Technology AG. ZVG

Jungunternehmertum als emotionale Achterbahnfahrt

Der menschliche Körper als Kraftwerk: Die Mithras Technology AG entwickelt Systeme, welche die menschliche Körperabwärme in nutzbare Elektrizität umwandeln und so Geräte und Apparate, welche am Körper getragen werden, versorgen können. Seit wenigen Monaten ist das Start-up im Technopark in Landquart zu Hause. Der Unternehmensgründer Franco Membrini erzählt von den Anfängen – und hat für andere Jungunternehmer einige Tipps auf Lager.

Schlüsselmomente, um sich intensiv unternehmerische Gedanken zu machen, habe er als Mitarbeiter einer bündnerischen
Online-Zeitung erlebt, sagt Franco Membrini, der Gründer und Geschäftsführer der Mithras Technology AG im noch jungen Technopark in Landquart. Dort an der Bahnhofstrasse 11 ist die Firma seit einigen Monaten «zu Hause». Das innovative Start-up hat sich das Ziel gesetzt, körpernahe elektronische Geräte zu entwickeln, welche von der Abwärme des menschlichen Körpers gespeist und so länger mit Energie versorgt werden können – so zum Beispiel Wearables wie Smartwatches oder auch medizinische Apparate wie Hörgeräte oder Insulinpumpen.

Von Gedankenspielen und ersten Ideen

Dabei hat alles ganz anders angefangen, und der waschechte Churer Membrini hat nach der Matura Betriebswirtschaft, Geschichte und Staatsrecht studiert. «Ich bin also ein Generalist», erzählt er mit einem Lächeln auf den Stockzähnen und führt weiter aus, dass er eben sehr neugierig und ehrgeizig sei und schon  immer sehr viel gelesen habe. Zum Beispiel Bücher von Unternehmern, welche ihn stark beeindruckt haben. Sein eigenes unternehmerisches «Wirken» bestand jedoch erstmal darin, zu «hirnen», was er denn mit seinem gut gefüllten Wissensrucksack alles anfangen könnte. «Die Frage war, was interessiert mich, was hat Potenzial und was ist umsetzbar», schaut der Jungunternehmer auf die Anfänge seiner Gedankenspiele zurück. Das Ergebnis seiner Recherchearbeit: die schon erwähnte Idee, die konstante Abwärme des Körpers für körpernahe Geräte zu nutzen. Dazu studierte der Mastermind diverse Dissertationen und befasste sich intensiv mit zielführender Fachliteratur. Erste Berechnungen liefen jedoch ins Leere, und die Achterbahn der Gefühle zwischen Euphorie und harter Realität nahm ihren Lauf. Seine Erkenntnis: «Alleine schaffe ich das nicht, und man kann nicht alles können.»

 

Manchmal braucht es einfach Glück

«Nach der Gründung von Mithras 2008 mit einem Startkapital meiner Eltern ging es sehr enthusiastisch und ohne grosse Risikoabwägungen weiter», erzählt Membrini. Gefragt waren ein Businessplan mit Strategien, Produktkonzepte und technologische Planungen. Das seien alles grosse Herausforderungen für einen Unternehmensgründer, denn ein solcher müsse sowohl Universalgenie, ein guter Entwickler, überzeugender Kommunikator und auch noch Fundraiser sein. «Das Fundraising ist denn auch ein grosses Problem, und ich habe die Geldbeschaffung massiv unterschätzt», so Membrini, «denn man kann potenziellen Investoren keine marktreifen Produkte und schon gar keine Kunden oder Umsätze präsentieren.»

Dann aber setzte er ein wegweisendes Mail auf, das bei Moritz Thielen von der ETH Zürich landete. Thielen war begeistert von der Idee, er wurde wissenschaftlicher Berater und leistete viel technologischen Support, um das Projekt weiterzubringen und die richtigen Lösungen zu finden. «Ohne den Partner ETH, die damit verbundenen nationalen Förderprogramme und den Zugang zur Hochtechnologie gäbe es Mithras nicht mehr», resümiert Membrini, «aber manchmal hat man eben Glück und ist im richtigen Moment am richtigen Ort und trifft die richtigen Leute.» Er könne sagen, auf seinem Weg sehr vielen hilfreichen Menschen begegnet zu sein, welche wichtige Kontakte herstellen oder Investoren vom Potenzial der Idee überzeugen konnten.

Hilfe aus Graubünden und einige Tipps

Ein solcher wichtiger Kontakt ergab sich auch zum KMU-Zentrum Graubünden und zu Geschäftsführer Nico Tschanz (siehe Artikel nebenan). «Nico hat von Beginn weg an uns geglaubt und uns mit all seinem Wissen und seinem Netzwerk unterstützt», zeigt sich Membrini dankbar, sieht aber noch viel Potenzial, um das Jungunternehmertum in Graubünden zu fördern.

Welche Tipps er denn allfälligen Nachahmern in der Region weitergeben möchte, um die nötige Unterstützung zu bekommen? «Es ist so, dass sich viele Menschen nicht gerne helfen lassen», macht Membrini die Erfahrung. Weil ein Einzelner jedoch nicht alles selber machen könne, soll man die verschiedenen Angebote wie Coaching, Mentoring oder Businessplan-Beurteilung auch annehmen.  Sein zweiter Tipp an Unternehmer: «Vergesst beim Fundraising die Rolle des Bittstellers und legt den Fokus darauf, einen Gegenwert zu bieten.» Weiter hält er es mit dem früheren amerikanischen Präsidenten Dwight D. Eisenhower. Dieser soll gesagt haben, Pläne seien wertlos, der Planungsprozess jedoch unschätzbar wertvoll. «Während Umsetzungsphasen erkennt man die Schwächen eines Produktes gnadenlos», das hat auch Membrini erfahren. Und dann sei es gelegentlich unerlässlich, Brücken hinter sich niederzubrennen, nicht zurückzuschauen und seinen Weg unbeirrt weiterzugehen. Ebenso weiss er, dass es Vertrauen und Nervenstärke braucht, um Erfolg zu haben. «Ein Jungunternehmer muss die emotionale Achterbahnfahrt, die jeder erlebt, aushalten können», sein letzter Ratschlag.

Die Mithras Technology AG nutzt das Kraftwerk Mensch
Täglich generiert der menschliche Körper 3 kWh an thermischer Energie. Diese reicht aus, um ein LCD-TV-Gerät während 30 Stunden am Laufen zu halten. Mittels thermoelektrischer Genera-toren kann diese Energie in Elektrizität um-gewandelt und für körpernahe Geräte wie Uhren, Smartwatches, Fitnesstracker und medizinische Anwendungen nutzbar gemacht werden.
https://mithras.tech/

Fünf Fragen an Eugen Arpagaus

Eugen Arpagaus ist der Geschäftsführer des Technoparks Graubünden in Landquart. ZVG

Herr Arpagaus, Sie sind seit dem 1. Januar 2021 Geschäftsführer des Technopark Graubünden in Landquart. Was hat sich in den ersten fünf Monaten Ihres Wirkens getan?

Wir sind gut gestartet und haben zurzeit mit den Firmen Alunos, Mithras, ONZACK und 3DBionics vier Start-ups mit neun Mitarbeitenden im Technopark. Weitere Jungunternehmen werden bis Anfang August einziehen. Es bestätigt sich, dass der Technopark Graubünden ein Bedürfnis darstellt. Neben der Betreuung der Start-ups war ich in den ersten Monaten stark mit baulichen Anpassungen beschäftigt. Wir wollen den Jungunternehmen ein attraktives Arbeitsumfeld bieten. Dieses soll inspirieren und die Menschen dazu einladen, sich untereinander auszutauschen. Viel Zeit beanspruchte auch die Vernetzung mit den Unternehmungen aus der Region. Wir sind überzeugt, dass der Austausch von etablierten Unternehmen und Jungunternehmern Früchte tragen wird. Und schliesslich schlug uns auch die Pandemie ein Schnippchen, waren wir doch mit diversen Liefer- und Ausbauverzögerungen konfrontiert.

Welche Ziele verfolgen Sie mit dem TP?

Der Kanton Graubünden erhält mit dem Technopark Graubünden in Landquart ein neues Instrument, das den Wirtschaftsstandort als Ganzes stärken soll. Ziel ist es, dass Graubünden mit dem Technopark auf der Start-up-Landkarte der Schweiz erscheint. Menschen mit einer guten Geschäftsidee sollen wissen, dass sie in Landquart sehr gute Voraussetzungen für ihr Start-up vorfinden. Wir möchten, dass kreative Bündner Jungunternehmer und -unternehmerinnen ihre Start-ups im Kanton aufbauen und auch ausserkantonale Jungunternehmer nach Graubünden ziehen. Angesprochen sind ebenso Bündnerinnen und Bündner, die ausserhalb des Kantons ihre Ausbildung abgeschlossen haben und für ihre Selbstständigkeit wieder in den Kanton zurückkehren. Durch den Aufbau eines Netzwerkes unter Start-ups, etablierten Firmen und Hochschulen soll in den nächsten Jahren eine entsprechende Community aufgebaut werden. Allerdings wird dies kein Selbstläufer, wir sind uns bewusst, der Aufbau des Technoparks Graubünden braucht Zeit.

Warum ist die Start-up-Förderung für den Kanton wichtig?

Die Förderung von technologischen Start-ups, als Fokus des Technoparks Graubünden, ist für den Kanton besonders wichtig. Erfolgreiche Beispiele aus der Vergangenheit sind die Unternehmungen Oblamatik, Cedes, Gritec, Integra Biosiences oder die DHP, um nur einige zu nehmen. Alle fingen klein an. Wenn die Geschäftsidee aber greift, werden etliche interessante Arbeitsstellen geschaffen. Wir beobachten zudem einen wich-tigen Trend: Private oder institutionelle Investoren wollen vermehrt in Start-ups investieren. So wurden im Jahr 2020, gemäss Angaben der Swiss Entrepreneurs Fondation, über 2 Mia. Franken in Schweizer Start-up investiert.  Hinzu kommt, dass die Ansiedlung von Start-ups und die Verknüpfung mit internationalen Unternehmungen deutlich an Bedeutung gewinnen wird. Zukünftig wird beim Standortwettbewerb die Ansiedlung von Unternehmungen eine wichtigere Rolle spielen. Der Technopark Graubünden ist demnach als ein regionalwirtschaft-liches Förderinstrument und als Teil der Innovationstrategie des Kantons zu verstehen.

Wie sieht die Zusammenarbeit mit anderen Initiativen, beispielsweise InnHub, Surselva impact lab oder InnoQube Swiss etc. aus?

Wir sind überzeugt, dass sich die Initiativen ergänzen und voneinander profitieren. Wie gesagt, Ziel muss es sein, Graubünden auf die Start-up-Landkarte zu bringen. Alle diese Angebote schaffen auch Nachfrage. Weil wir viele Gemeinsamkeiten haben, lohnt sich auch die Zusammenarbeit. Wir unterstützen den geplanten Aufbau eines Öko-Systems für Start-ups aus Überzeugung und sind im konstruktiven Austausch mit den Verantwortlichen der laufenden Initiativen.

Mit welchen Partnerorganisationen arbeiten Sie weiter zusammen?

Der Kanton Graubünden hat den Technopark Graubünden zusammen mit dem Technopark Liechtenstein gegründet. Damit profitieren wir von der überregionalen Ausstrahlung und der Zusammenarbeit mit der Technopark Allianz. In Zukunft sollen weitere Partnerschaften dazukommen. Deren Netzwerke werden den Start-ups einen Mehrwert bieten. Der Technopark Graubünden ist bereits mit folgenden Institutionen eine Partnerschaft eingegangen: Technopark Allianz, Fachhochschule Graubünden, InnHub in La Punt, KMU Zentrum, Stiftung Innozet, Institut für Jungunternehmerförderung sowie mit Unternehmungen vor Ort, welche die Start-ups mit ihrem Wissen unterstützen. Dies sind aktuell: Trumpf Schweiz, Hamilton Bonaduz, Integra Biosiences, Cedes, MCS Engineering, CSEM, vinavant und PionierNest.

Wie ist der TP Graubünden organisiert, wie setzt sich die Trägerschaft zusammen?

Der Technopark Graubünden ist als Verein organisiert, der von Rudolf Minsch als Präsident geführt wird. Weitere Mitglieder sind Vertreter der Firma Hamilton, Gianina Viglino-Caviezel, des Technoparks Liechtenstein und Othmar Oehri und Marcus Hassler als Vertreter des Kantons. Mitglieder sind primär Unternehmungen, die einen Beitrag zur Unterstützung von Start-ups leisten möchten.

Thomas Kundert, Vorsitzender der Unternehmensleitung und CEO Somedia, Medien der Südostschweiz, über Firmengründungen in Graubünden.

Start-up-Boom in Graubünden

von Thomas Kundert, Vorsitzender der Unternehmensleitung und CEO Somedia, Medien der Südostschweiz

Noch nie wurden in der Schweiz so viele Firmen neu gegründet wie im Corona-Jahr 2020. Fast 47 000 Unternehmen haben sich neu ins Handelsregister eintragen lassen. Über tausend Neugründungen waren es alleine in Graubünden.

Im Fernsehen ist die Gründershow «Die Höhle der Löwen» längst ein Garant für gute Einschaltquoten. Die Sendung hat es geschafft, das Thema Unternehmensgründung und Unternehmertum für das breite Publikum zugänglich zu machen. Die Start-up-Szene ist spätestens damit in der Öffentlichkeit angekommen.

Und die Welt der Start-ups wächst immer weiter. Tiefe Zinsen, die fortschreitende Digitalisierung und eine neue Generation von Berufsleuten sorgen für immer mehr Neugründungen. Die typischen Firmengründer heute sind weniger als 40 Jahre alt. Ganz offensichtlich hat die jüngere Generation weniger Berührungsängste mit dem Thema Selbstständigkeit. Ein Start-up zu gründen ist bei vielen jungen Erwachsenen heute fast so angesagt, wie vor 30 Jahren in einer Rockband zu spielen.

Aber aller Anfang ist schwer. Besonders, wenn es um den Aufbau einer neuen Firma geht. Nur eines von zehn Start-ups wird richtig erfolgreich. Untersuchungen zeigen, dass jedes zweite Start-up bereits in den ersten fünf Jahren nach der Gründung aufgeben muss. Es ist gut, dass es auch in Graubünden zahlreiche Programme gibt, die Gründern Starthilfe anbieten. Verschiedene Inkubatoren und Anlaufstellen im Kanton unterstützen Start-ups dabei, ihr Geschäftsmodell zu verfeinern und das Geschäft zu beschleunigen. Erfahrene Mentoren helfen Gründern, ihr Geschäftsmodell auszugestalten. Zum Teil wird Infrastruktur zur Verfügung gestellt und finanzielle Unterstützung geboten. Allerdings müssen Jungunternehmen dafür meist strenge Kriterien erfüllen.

Einen besonderen Weg hat vor einem Jahr das Medienhaus Somedia mit dem Förderprogramm PionierNest eingeschlagen: Dieses fördert innovative Jungunternehmen mithilfe von Werbevolumen. Über die Medienkanäle von Somedia wird jungen Unternehmen damit ermöglicht, sich schnell bei 9 von 10 Bündnerinnen und Bündnern bekannt zu machen.

Die Unterstützung für junge Unternehmerinnen und Unternehmer in Graubünden ist überaus vielfältig. Eine gute erste Anlaufstelle für Start-ups ist das KMU-Zentrum Graubünden. Aber auch die Stiftung Innozet, der Technopark Graubünden oder das Innovationszentrum InnHub in La Punt sind weitere mögliche Anlaufstellen je nach Bedarf und Ausrichtung der jeweiligen Jungunternehmen.

Noch nie haben sich Start-ups so viele Unterstützungsmöglichkeiten geboten wie heute. Und noch nie war die öffentliche Aufmerksamkeit für die Gründerszene grösser. Gleichzeitig wird damit aber auch die Erwartungshaltung suggeriert, dass es bei Start-ups um Lifestyle und schnelles Geld geht. Doch beides ist falsch. Ein Unternehmen zu gründen ist weitaus komplexer, als dass es in TV-Shows den Anschein macht. Wer ein Start-up gründet, der braucht nicht nur eine Idee und eine Vision, sondern vor allem viel Disziplin und noch mehr Durchhaltevermögen, um auch schwierige Phasen auszuhalten. Es ist wichtig, dass es in Graubünden eine Vielfalt von staatlichen und privaten Unterstützungsangeboten für Jungunternehmen gibt.

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