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Churer Gewerbe soll sich stärker entfalten können

Ein Auftrag von SVP-Gemeinderat Mario Cortesi möchte den Gewerbetreibenden der Stadt Chur analog zum Gastwirtschaftsgewerbe mehr Platz im öffentlichen Raum zugestehen.

Patrick
Kuoni
Freitag, 22. Mai 2020, 04:30 Uhr Auftrag von SVP-Gemeinderat
Mehr Platz: Ein Auftrag von Mario Cortesi will, dass sich Gewerbetreibende im öffentlichen Raum ausbreiten dürfen.
OLIVIA AEBLI-ITEM

D er Churer Stadtrat gewährt den Gastronomiebetrieben aktuell aufgrund der Einschränkungen wegen des Coronavirus gewisse zusätzliche Rechte. So dürfen die Aussenbereiche der Gastronomie in der Altstadt neu eine Stunde länger offen bleiben – also bis 24 Uhr statt bis 23 Uhr. Dies bis Saisonende, sofern innerhalb von 30 Tagen gegen diesen Stadtratsentscheid keine Beschwerde beim Verwaltungsgericht eingeht. Ausserdem dürfen die Aus-senbereiche – wo möglich – vergrössert werden, um trotz der geltenden Abstandsregeln noch einige Gäste mehr begrüssen zu dürfen. Genutzt wird dabei der öffentliche Raum.

Auch Gewerbe soll profitieren

Ähnliches schwebt nun dem Churer Gemeinderat Mario Cortesi (SVP) auch für die anderen Gewerbetreibenden vor. Er hat an der letzten Gemeinderatssitzung einen entsprechenden Auftrag eingereicht. «Die gültigen Social-Distancing-Regeln erschweren nicht nur den Gastronomiebetrieben die Geschäftstätigkeit, sondern auch anderen Gewerbetreibenden mit direktem Kundenkontakt», begründet Cortesi sein Anliegen. Als Beispiele nennt Cortesi etwa Boutiquen, Gemüsehändler, Bäckereien, Metzgereien, Sportgeschäfte, Schuhläden und Coiffeursalons. «Wenn allen Gewerbetreibenden das Angebot auf Freiflächen offensteht, können diese bei Bedarf ihre Geschäftsflächen erweitern und trotzdem die Abstandsregeln einhalten.»

Cortesi möchte den Betrieben ermöglichen, dass sie ihre Waren auch draussen verkaufen und präsentieren können. «Damit können sie zusätzliches Geld verdienen, was in Folge der verordneten Zwangsschliessungen der letzten Wochen bei vielen willkommen sein dürfte.» Er wolle mit dieser Anschubhilfe Konkurse verhindern. Der Auftrag geniesst im Gemeinderat grossen Rückhalt. 16 von 21 Gemeinderäten von links bis rechts tragen den Auftrag mit.

«Die Stadt könnte weiter an Attraktivität gewinnen und quasi zu einem grossen Churer Markt werden.»

Cortesi sieht ausserdem noch einen weiteren Vorteil: «Die Stadt könnte weiter an Attraktivität gewinnen und quasi zu einem grossen Churer Markt werden.» Als Vergleich zieht der SVP-Ortspräsident die zahlreichen Flaniermeilen im Ausland herbei.

Marti mit Bedenken

Etwas anders beurteilt das Ganze der Churer Stadtpräsident Urs Marti. «Ich bin mir nicht sicher, ob dies der Ansatz ist, der funktioniert.» Er nennt als Beispiel die Kleiderläden. «Die Kleider sind äusseren Umständen wie beispielsweise Schmutz oder Wind ausgesetzt.»

Es stelle sich deshalb die Frage, ob diese Möglichkeit überhaupt von Geschäften in Anspruch genommen würde. «Was wir aber aktuell schon machen, ist, sehr unkompliziert Bewilligungen zu erteilen», so Marti. Dabei werde jeder Fall einzeln geprüft. Es gebe aber heute schon die Möglichkeit, Ständer oder dergleichen vor den Betrieb zu stellen. «Ein bunter Markt, wo man sich zwischen den Ständen durchschlängeln muss, ist meiner Meinung nach aber weder im Interesse der Betriebe noch der Konsumenten. «Die Waren gehen kaputt und werden nicht mehr verkauft», prognostiziert Marti. Zu beachten gebe es ausserdem ähnlich wie in der Gastronomie, dass die Zufahrt für Sanität und Feuerwehr nicht beeinträchtigt werden dürfe.

Umschwung noch möglich

Trotz der Tatsache, dass 16 Gemeinderäte den Auftrag mittragen, zeigt sich Marti noch nicht überzeugt, dass er dann auch tatsächlich überwiesen wird. «Häufig ist es ja so, dass Aufträge mitunterschrieben werden, wenn sich das Anliegen gut anhört, aber in der Diskussion und auch mit der Sicht des Stadtrates kommen neue Argumente hinzu.» Es sei deshalb regelmässig der Fall, dass das Stimmverhältnis nach der Diskussion im Gemeinderat anders aussehe. Sofern der Auftrag an der nächsten Gemeinderatssitzung am 25. Juni überwiesen wird, würde der Stadtrat damit beauftragt, ein Kon- zept auszuarbeiten und den Gewerbetreibenden die erwähnte Möglichkeit anzubieten.

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WARUM:
«Aussenbereiche der Gastronomie in der Altstadt neu eine Stunde länger offen bleiben – also bis 24 Uhr statt bis 23 Uhr», wo doch (zumindest an den meisten Tagen in Chur), gesetzlich gilt: Im Freien Radebrechen, Rufen, Gröhlen, Lachen, Kreischen, alles mit Echoeffekt im engen Gemäuer zumal Altstadt, ist Nachtruhestörung ab 22 Uhr, und von 20 bis 22 Uhr ist es Lärmbelästigung. Beides strafanzeigbar, und man fragt sich, was in den Protagonisten vorgeht, was die sich eigentlich empathischerweise dabei denken, ich fürchte: nichts.