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GLKB startet mit Saron-Hypotheken

Die Tage der Libor-Hypotheken sind gezählt: Der Referenzzinssatz soll durch den Saron abgelöst werden. Mit der Glarner Kantonalbank bietet nun die erste Bank in der Schweiz eine Saron-Hypothek als Standardprodukt an. Noch in diesem Jahr wollen weitere Banken folgen.

Südostschweiz
Mittwoch, 05. Februar 2020, 04:30 Uhr Erste Bank in der Schweiz
Beim Wechsel der Libor-Hypotheken auf Saron-basierte nimmt die GLKB wie bei der Digitalisierung eine Pionierrolle ein.
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Die Glarner Kantonalbank (GLKB) bietet ab sofort Rollover-Hypotheken auf Basis des Saron an, wie sie mitteilt. Damit will sie verhindern, dass Kunden während der Laufzeit ihres Vertrags umstellen müssen. Der Libor stehe nur noch bis Ende 2021 als Referenzzinssatz für Finanzierungen zur Verfügung (siehe Box). Libor-Hypotheken hätten aber eine Laufzeit von mindestens zwei Jahren.

Die GLKB ist mit dem frühzeitigen Wechsel eine Vorreiterin: Einzig die UBS hat im Rahmen eines Pilotprojekts bereits erste Saron-Immobilienfinanzierungen im Wert von über 25 Millionen Franken aufgelegt. Die ersten Transaktionen seien reibungslos verlaufen, sagte eine Sprecherin auf Anfrage. Weitere Kunden zeigten sich interessiert, mit der UBS einen Saron-Deal abzuschliessen. Im Verlauf des Jahres soll dann ebenfalls ein Standardangebot folgen.

LUKB und Raiffeisen folgen

Die Luzerner Kantonalbank (LUKB) will das Nachfolgeprodukt für Libor-Hypotheken im 2. Quartal 2020 auf den Markt bringen. Auch Raiffeisen plant noch in der 1. Hälfte des Jahres 2020 eine Saron-Hypothek, die Credit Suisse ab der zweiten Jahreshälfte. Die Zürcher Kantonalbank will auch noch in diesem Jahr starten. Bei Clientis soll es im ersten Halbjahr 2021 so weit sein.

Noch keinen Zeitpunkt festgelegt hat Valiant: Man prüfe aktuell diverse Umsetzungsmöglichkeiten, sagte ein Sprecher. Die Einführung sei von der Umsetzung in der Kernbankensoftware Finnova abhängig. Valiant werde aber rechtzeitig vor Ende 2021 eine Lösung parat haben.

Bei den meisten Banken können die Kunden im Moment weiterhin Libor-Hypotheken abschliessen. Bei der UBS enthalten die Verträge dann eine Klausel, die das Vorgehen regelt, falls der Zinssatz noch während der Vertragslaufzeit nicht mehr zur Verfügung steht. Auch Clientis setzt auf Übergangsklauseln.

Bei Valiant und der LUKB können Libor-Hypotheken nur noch mit einer Laufzeit bis spätestens Ende 2021 abgeschlossen werden. Kunden, die derzeit eine Libor-Hypothek mit einer Laufzeit über 2021 haben, werde die Bank im kommenden Jahr kontaktieren, um eine Ablösung anzubieten, sagte der Valiant-Sprecher. Die ZKB hat das Laufzeitenspektrum der Libor-Hypotheken bereits bei Bekanntwerden des Libor-Wegfalls auf zwei Jahre begrenzt. Die grosse Mehrheit laufe deshalb vor Ende 2021 aus.

Die ZKB, LUKB und Raiffeisen wollen die Libor-Hypotheken zudem aus dem Sortiment nehmen, sobald die Saron-basierte Hypothek im Angebot ist. Kunden können dann auch bei ihren bestehenden Verträgen zur Saron-Hypothek wechseln.

Bis zu 20 Prozent Libor-Hypotheken

Schätzungen zufolge dürften Libor- Hypotheken schweizweit bis zu einem Fünftel des gesamten Hypothekarvolumens ausmachen. Das wäre ein Kreditvolumen von etwa 200 Milliarden Franken.

Bei der LUKB sind es zwischen 10 und 15 Prozent. Raiffeisen hat 10 000 Libor-Hypotheken ausstehend, Valiant rund 2500. Bei den Clientis-Banken sind es Hypotheken im Gesamtwert von knapp einer Milliarde, bei der ZKB zwischen 5 und 6 Milliarden Franken.

Bei einer Libor-Hypothek werden die Zinsen periodisch – beispielsweise alle drei, sechs oder zwölf Monate – an den entsprechenden Libor-Satz angepasst. Das Libor-System soll weltweit durch verschiedene neue Referenzzinssätze abgelöst werden.

In der Schweiz kümmert sich die «Nationale Arbeitsgruppe für Referenzzinssätze in Franken» unter Leitung der Nationalbank (SNB) um die Ablösung. Sie hat den Saron als Nachfolge auserkoren.

Die Ablösung führt dabei auch zu einem Paradigmenwechsel: Der Libor wird jeweils für eine Periode von drei oder sechs Monaten festgelegt, somit ist der Zinssatz zu Beginn der Periode bekannt. Der Saron dagegen ist ein Tageszins. Die Arbeitsgruppe empfiehlt, aus den Tagessätzen den Zins für eine längere Periode zu berechnen.

Auch die GLKB folgt nun dieser Empfehlung und berechnet die Zahlung am Ende der jeweiligen Zinsperiode. Der Nachteil einer solchen Methode besteht allerdings in einer mangelnden Vorhersehbarkeit der Zinszahlung: Denn diese steht erst zum Zeitpunkt der Fälligkeit definitiv fest. (sda)

Libor-Hypotheken liegen zwischen fester und variabler Hypothek

«Libor» steht für «London Interbank Offered Rate» und bezeichnet den durchschnittlichen Zinssatz, zu dem sich Banken international gegenseitig Geld ausleihen. Festgelegt wird er an jedem Banken-Arbeitstag um 11 Uhr Londoner Zeit, indem ausgewählte Banken angeben, zu welchen Sätzen sie sich untereinander für verschiedene Laufzeiten Geld verleihen. Das reicht von overnight (über Nacht) bis zwölf Monate. Zu diesen sogenannten Panel Banks gehören unter anderem die Schweizer Banken UBS AG und die Credit Suisse AG. Am Libor orientieren sich auch private Kredite und Hypotheken.
Im Libor-Skandal flog 2011 auf, dass einzelne Banken jahrelang frei erfundene Zinssätze angegeben hatten, die nicht auf tatsächlichen internen Werten beruhten. Die Aufsichtsbehörden beschlossen darauf, den Libor per Ende 2021 abzuschaffen. In der Schweiz soll er vom «Saron» abgelöst werden, der für «Swiss Average Rate Overnight» steht. Im Gegensatz zum Libor basiert er auf realen Geldmarkttransaktionen und Preisen und bietet keinen Spielraum mehr für Falschangaben. Im Gegensatz zu festen Hypotheken mit fixer Laufzeit zum fixen Zinssatz oder variablen Hypotheken ohne feste Laufzeit zu Zinsen, die sich am allgemeinen Zinsniveau orientieren, richtet sich der Zinssatz bei Libor-Hypotheken trotz fester Laufzeit nach dem Libor. Die Libor-Hypothek wird in der Schweiz auch als Geldmarkt- oder Rollover-Hypothek bezeichnet. (mar)

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