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Umweltverbände wehren sich erneut gegen Elmer Beschneiung

Auch das überarbeitete Projekt findet bei WWF, Pro Natura und beim Vogelschutz keine Gnade.

Daniel
Fischli
Samstag, 14. Dezember 2019, 04:30 Uhr WWF, Pro Natura und Vogelschutz
Für die Umweltverbände nicht zukunftsträchtig: Ein Helikopter fliegt eine Schneekanone ins Skigebiet von Elm.
CLAUDIA KOCK MARTI

In den Augen der Sportbahnen Elm geht es um nichts weniger als ihre Zukunft: Sie haben ihr Projekt für den Ausbau der Beschneiung kurzerhand «Futuro» getauft. Nun werden wohl einmal Gerichte darüber entscheiden. Die drei Umweltverbände WWF, Pro Natura und Birdlife haben gegen das Projekt Einsprache erhoben. Erste Instanz ist der Gemeinderat.

So weit war man schon im Sommer einmal. Bereits im Juni haben die Umweltverbände Einsprache gegen den Ausbau erhoben. Damals wollten es die Sportbahnen Elm offensichtlich nicht auf eine juristische Auseinandersetzung ankommen lassen. Sie zogen ihr Baugesuch zurück und präsentierten im September eine neue Version, die umweltverträglicher sei.

Die Umweltverbände konnten die Sportbahnen damit aber nicht umstimmen: «Für die Natur bringen die neuen Pläne keine Verbesserung, im Gegenteil», heisst es in einer Medienmitteilung des WWF von gestern. Das Projekt verstosse nach wie vor gegen rund 20 wichtige Gesetzesartikel aus dem Umweltrecht. Deshalb hätten die Umweltverbände nun wieder Einsprache erhoben.

Das falsche Wasser

Corina Geiger, die Geschäftsführerin des WWF Glarus, sagt: «Das Projekt hat gegenüber der ersten Version nicht gewonnen.» Als wichtigste Veränderung hatten die Sportbahnen den Verzicht auf den Wasserbezug im Steinibach und den Bau eines Speicherbeckens im Pleus präsentiert. Das sei zwar positiv für den Steinibach, sagt Geiger. Dafür werde nun einfach mehr Wasser aus dem Sernf bezogen und ins Skigebiet hinauf gepumpt. Damit werde das Problem verlagert.

Der Wasserbezug aus dem Sernf sei nämlich aus zwei Gründen problematisch, so Geiger. Einerseits werde die vorgeschriebene Restwassermenge im Sernf nicht eingehalten, was die Laichplätze der Bachforelle gefährde. Und andererseits enthalte das Wasser aus dem Sernf mehr Mineralien als das Wasser aus dem Steinibach. «Der höhere Mineralienanteil wird das Artenspektrum im beschneiten Gebiet verändern», sagt die WWF-Geschäftsführerin. Es seien Trockenwiesen und Moore betroffen. Aus ihnen könnten Pflanzen verschwinden, die einen mineralienarmen Boden bevorzugen.

«Krass» redimensionieren

Neben den Vorschriften zu den Restwassermengen verletzt laut dem WWF auch das neue Projekt verschiedene andere Vorschriften. Namentlich zum Moorschutz, zum Schutz der Trockenwiesen und zum Schutz des Jagdbanngebietes Kärpf. «Das Jagdbanngebiet soll die Lebensräume von seltenen und bedrohten Säugetieren und Vögeln schützen. Das Projekt Futuro untergräbt dieses Schutzziel», so der WWF.

Geiger sagt, grundsätzlich sei eine Beschneiung umweltverträglich möglich. Das Elmer Projekt müsste dafür aber «krass» redimensioniert werden. Zum Beispiel, indem auf die Beschneiung der Talabfahrt verzichtet werde, wodurch viel Wasser gespart und die Restwassermenge im Sernf erhöht werden könnte. Und umgekehrt müssten mehr ökologische Ausgleichsmassnahmen vorgesehen werden. Der Bericht der Sportbahnen zur Umweltverträglichkeit komme nur deshalb zu einer positiven Bilanz, weil nicht alle Schäden in die Rechnung einbezogen würden, so Geiger. Etwa die Beschneiung selber, die auf einer Pistenlänge von 6200 Metern die Natur massiv beeinträchtigen werde.

Noch keine Stellungnahme

Die Sportbahnen Elm wollten gestern noch nicht Stellung zur erneuten Einsprache der Umweltverbände nehmen. Man habe sie noch nicht einsehen können, so Direktor Bruno Landolt.

Mit den neuen 17 Millionen Franken teuren Beschneiungsanlagen wollen die Sportbahnen Elm sicherstellen, dass von Ende November bis Anfang April durchgehend Ski gefahren und geschlittelt werden kann. Bei der Präsentation im September zeigte sich der Verwaltungsrat noch überzeugt, dass sich das angepasste Projekt umweltverträglich und gesetzeskonform umsetzen lasse. Den Anliegen der Umweltverbände sei weitestgehend Rechnung getragen. Der Verwaltungsrat hoffte damals, das Projekt «einvernehmlich» umsetzen zu können.

Im September war geplant, mit den Bauarbeiten im nächsten Frühling zu starten, die Anlagen wären dann im Winter 2020/21 einsetzbar gewesen. Daraus dürfte nun eher nichts mehr werden.

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Was wollen die eigentlich: In 5 Jahren gibt es dort sowieso keinen Naturschnee mehr und im Winter reichen die Temperaturen nicht für eine Beschneiung. Leute, stellt um auf Ganzjahrestourismus für Wanderer bevor es zu spät ist.

Bin nicht Umweltfanatiker +denke trotzdem ist das daneben mit diesem künstlichen Beschneien der Pisten.Dasselbe mit dem Eishockey :Ab August wird Eishockey gespielt mit Temperaturen um die 30 Grad Plus bis Mai.früher hatte man Eishockey gespielt nur an den kalten Wintermonaten.

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