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Weidmann streicht weniger Stellen als erwartet

Weidmann wird bis 2022 maximal 120 Stellen streichen. Trotzdem rechnet die Technologiegruppe mit weit weniger Kündigungen.

Fabio
Wyss
Montag, 25. November 2019, 19:13 Uhr Kein Kahlschlag
Weidmann
Die Weidmann Electrical Technology schliesst den standort Ennenda.
ARCHIV/SASI SUBRAMANIAM

Ende September kündigte die Weidmann Holding AG an, rund 100 Stellen in Rapperswil-Jona auszulagern und den Betrieb in Ennenda zu schliessen. Von einem Kahlschlag sprach die Gewerkschaft Unia. Seither stand seitens der Weidmann und der Arbeitnehmerschaft das Konsultationsverfahren an.

Eine exakte Zahl könne nach diesem Verfahren nicht genannt werden, sagt Franziska Tschudi. Die Weidmann-CEO nimmt aber an, «dass im Bereich Electrical-Technology weniger Stellen abgebaut und vor allem weit weniger Kündigungen ausgesprochen werden müssen.» Dies, weil sich der Abbau der insgesamt 120 Stellen über den Zeitraum von 2020 und 2022 erstrecke. In dieser Zeit erwartet die Unternehmensleiterin natürliche Abgänge, interne Versetzungen und Pensionierungen.

Über 50-Jährige werden im Auge behalten

Etwas über die Hälfte der betroffenen Stellen hätten derzeit über 50-jährige Arbeitnehmer inne, sagt Korab Macula von der Gewerkschaft Angestellte Schweiz. Er habe mit Nachdruck auf die erhöhte Fürsorgepflicht sowie die Prüfung von Alternativmassnahmen für ältere Mitarbeiter plädiert. Das Ziel der Gewerkschaft: «Für jede betroffene Stelle soll Weidmann eine vernünftige Anschlusslösung finden.»

Die Technologiegruppe mit weltweit über 3000 Angestellten habe der Gewerkschaft zugesichert, die Arbeitsgruppe der über 50-Jährigen besonderes im Auge zu behalten – wegen der schlechten Vermittelbarkeit auf dem Markt. Statistiken belegten, dass ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie solche mit tieferem Bildungsstand eine erschwerte Vermittelbarkeit aufwiesen, sagt Macula.

Interne Kurse machen Betroffene attraktiver

Die Eingliederungschancen dieser Mitarbeitenden hingen zudem mit den Unterstützungsmassnahmen der Weidmann zusammen, führt der Gewerkschafter aus. Weidmann erarbeitet diese mit der Arbeitnehmervertretung. «Zentral sind dabei unseres Erachtens jeweils die Bedürfnisse und Eigenschaften der betroffenen Mitarbeiter», sagt Macula.

Ein Drittel soll vorzeitig in Rente gehen

«Weidmann lässt ihre Angestellten nicht einfach im Stich», versichert Tschudi. Sie spüre bei den Direktbetroffenen und der Arbeitnehmervertretung, dass sie ihr vertrauten. Die Angestellten würden so betreut, dass durch Informatik-, Sprach- und Bewerbungskurse ihre Chancen auf dem Markt erhöht würden. Zudem könnten Betroffene ein sogenanntes «Outplacement» in Anspruch nehmen, eine professionelle Hilfe zur beruflichen Neuorientierung.

Trotzdem sind erstaunlich viele ältere Angestellte vom Abbau betroffen. Das gehe nicht anders, weil ganze Produktions- und Administrationsbereiche vom Hauptsitz ins europäische Ausland verlagert würden, sagt Tschudi und bekräftigt: «Wir wollen wenn immer möglich ältere und erfahrene Mitarbeitende gegenüber jüngeren vorziehen und bei uns weiterbeschäftigen.» Von den betroffenen Stellen, die von über 50-Jährigen besetzt werden, sollten rund ein Drittel vorzeitig pensioniert werden. Gemäss Angestellte Schweiz werde demnächst der bestehende Sozialplan mit der Weidmann überarbeitet. Tschudi erinnert daran, dass ihre Unternehmung in den Bereichen Medical- und Fiber-Technology wachse und in den nächsten drei Jahren nicht nur Stellen abbaue, sondern auch welche schaffen werde.

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