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Ein Bauer packt das Übel an der Wurzel

Was tun, wenn die Wiesenblacke wertvolles Gras auf der Alpweide verdrängt? Familie Schuler greift in Braunwald das Unkraut mit heissem Wasser an – auch dank Zustupf der Berghilfe.

Südostschweiz
Donnerstag, 19. September 2019, 04:30 Uhr Berghilfe
Heisse Methode: Balz Schuler zerstört die Wurzeln von Wiesenblacken mit Dampf.
ISABEL PLANA

von Isabel Plana*

Was für den Hobby-Gärtner ein Makel im Blumenbeet ist, kann für Bergbauern zu einem ernsthaften Problem werden: Unkraut. Pflanzen wie der Hahnenfuss oder die Wiesenblacke überwuchern vielerorts ganze Alpweiden, sodass immer weniger nahrhaftes Gras für die Kühe bleibt.

Dies ist zum Beispiel auch bei den Bio-Bauern Balz und Esther Schuler in Braunwald der Fall. Die Wiesenblacke macht ihnen das Leben schwer. Die Weiden, auf denen ihre Mutterkühe grasen, sind im Sommer übersät mit den bis zu zwei Meter tief wurzelnden Ampfergewächsen. So bleiben die Blacken von den gefrässigen Kühen verschont und verdrängen mehr und mehr die nahrhaften Gräser.

Eine heisse Öko-Methode

«Auf der Suche nach einer ökologischen Bekämpfungsmethode bin ich auf eine Maschine gestossen, die mit hohem Druck kochend heisses Wasser in die Wurzelballen der Blacken spritzt», erzählt Balz Schuler und demonstriert den Vorgang. Wie bei einem Hochdruckreiniger kommt das Wasser aus der Düse geschossen und dringt in den Boden ein. Es zischt und dampft, und der Erhitzer, der das Wasser beim Durchlauf auf Siedetemperatur bringt, macht ordentlich Lärm.

«Schau mal, diese Wurzel ist fast so gross wie ich.»

Nach einigen Sekunden ist der Spuk vorbei, und Balz Schuler geht ein paar Schritte weiter zum nächsten Wiesenblacken-Nest. «Das kochende Wasser tötet die Wurzeln der Blacken ab, sodass man sie danach einfacher aus dem Boden ziehen kann», erklärt Schuler. Beim Jäten helfen seine drei kleinen Söhne tatkräftig mit. «Schau mal, diese Wurzel ist fast so gross wie ich», meint der zehnjährige Corsin.

Mit Zustupf der Berghilfe

Auch wenn die Beseitigung der Wiesenblacken dank der Maschine einfacher und schneller geht, sieht der Bio-Bauer auch Nachteile. «Zum einen werden andere Pflanzenwurzeln und Bodenlebewesen durch diese Prozedur in Mitleidenschaft gezogen. Aber zumindest ist der Kollateralschaden lokal begrenzt und nicht flächendeckend wie bei einem Chemie-Einsatz.» Zum anderen ist die Maschine ziemlich teuer. Schulers haben für die Anschaffung einen Zustupf der Berghilfe bekommen.

«Wir stellen die Maschine auch den anderen Bauern in Braunwald zur Mitbenutzung zur Verfügung. Sie lässt sich nicht nur für die Unkrautbekämpfung einsetzen, sondern zum Beispiel auch zum Hochdruckreinigen des Stallbodens», sagt Schuler.

Dass sich die Wiesenblacken komplett vom Acker machen – die Illusion hat Familie Schuler nicht. Denn wie der Volksmund schon sagt: Unkraut vergeht nicht. Aber wenn es nur schon weniger davon hat, ist den Bergbauern geholfen.

*gekürzter Abdruck aus der «Berghilf-Zeitung», Herbst 2019

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