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Porta Miseria: Wie war das nochmal mit dem Superdome?

Was haben der Churer Superdome, die Schiffsverbindung von Genua nach Basel mit einem Kanal über die Alpen und die Vision «Alp Train» gemeinsam? Möglicherweise, dass Euch diese Grossprojekte nicht mehr präsent sind. Wir erweisen den Totgeweihten die letzte Ehre.

Mario
Engi
Dienstag, 16. April 2019, 04:30 Uhr Gescheiterte Grossprojekte
Superdome in Chur: Ein Bild, das Ihr so niemals sehen werden.
BILDMONTAGE SUEDOSTSCHWEIZ.CH

«Wer eine Vision hat, der soll zum Arzt gehen», sagte der ehemalige deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt. Nun, geht es nach Schmidt, müsste Graubünden für einen angehenden Arzt das perfekte Pflaster sein, um ordentlich Kasse zu machen. Willkommen bei einer Aufzählung ausgesprochener Träume, die (wohl) immer Utopie bleiben werden.

Der Superdome

Die Meldung der «Südostschweiz» im Mai 2001 hört sich wie ein 1.-April-Scherz an - ist aber keiner. Eine Investorengruppe plant auf dem Churer Rossboden den Bau einer über 100 Millionen Franken teuren multifunktionalen Arena. Vorbild soll der Louisiana Superdome in New Orleans (USA) sein.

Im Modell im Internet zu bestaunen: Querschnitt der geplanten «Khur Arena» mit 9000 Sitzplätzen.

Ein halbes Jahr später tritt erstmals ein Churer Rechtsanwalt als Drahtzieher in die Öffentlichkeit. Der Superdome ist bereits Geschichte. Jetzt ist die Rede von der «Khur Arena». Kostenpunkt: 150 Millionen Franken. Bei der Ringstrasse steht jetzt das perfekte Areal. Die Sport- und Kulturstätte soll nicht vieles bieten. Und das ist durchaus ironisch gemeint. Denn die «Khur Arena» ist die eierlegende Wollmilchsau unter den Stadien. Sie soll eine multifunktionelle Sport- und Kulturstätte sein, in der Eishockeyspiele, Musikkonzerte, Opern und Kongresse stattfinden können. Und: Sie soll virtuelle Welten, neuste Unterhaltungselektronik sowie ein Multiplexxkino, Bars, Cafés und Restaurants und ein 5-Sterne-Hotel mit Wellnesscenter enthalten. 

Der Churer Stadtrat um Präsident Christian Boner stellt sich dem Projekt «grundsätzlich positiv» gegenüber. Die Vorgaben sind aber immens. Der zeitliche Ablauf wird zum Problem. Laut dem Churer Rechtsanwalt ist fraglich, ob die aus der Versicherungsbranche stammenden Investoren mitmachen, wenn der Bau möglicherweise erst 2008 fertig ist. 

Er wird es nicht. Auch nicht 2019. Und wohl auch nicht 2109.

Untertagelegung Arosabahn

Wir bleiben in Chur. Knapp vorbei ist auch vorbei. 1988 stimmen die Churer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger dem Projekt eines dreigleisigen unterirdischen Bahnhofs für die Arosabahn sowie eines 2836 Meter langen Mittenberg-Tunnels zwischen dem Churer Bahnhof und Sassal zu. Infolge späterer Streichung von zugesicherten Bundesbeiträgen muss das Vorhaben im Herbst 1996 jedoch aufgegeben werden. Die verantwortlichen Politiker einigen sich auf die «Option Untertagelegung frühestens im Jahre 2020» und definieren die Zielsetzungen neu. Es bleiben also noch acht Monate Zeit für die Untertagelegung.

Vision «Alp-Train»

Der Bündner Ingenieur Andrea Tuffli präsentiert 2010 die Vision «Alp-Train». Sie beinhaltet eine schnelle Bahnverbindung von Zürich über Chur nach Davos, wobei Letztere mit einem Tunnel zu verbinden wären. Eine Option ist es allenfalls, auch Arosa und Lenzerheide mit unterirdischen Haltestellen und Standseilbahnen zu erschliessen. In einer Stunde wäre Davos so von Zürich aus zu erreichen.

Für das Viereck Chur - Arosa - Lenzerheide - Davos geistern weitere (Tunnel-)Ideen in den Köpfen herum, manche unterstützt durch die Regierung. Im Vordergrund stehen dabei ein Tunnel zwischen Klosters und Davos sowie die Erschliessung der Lenzerheide. Für alle jene, welche die Vision «Alp-Train» unterstützen, wird die Warterei wohl eher zum «Alp-Traum».

Handelsschiffe auf dem Splügenpass

Wir gehen in der Zeit über 100 Jahre zurück. Pietro Caminada, seines Zeichens Bündner Ingenieur, will eine Schiffsverbindung von Genua nach Basel realisieren. Herzstück: ein Kanal über die Alpen. Mit einem ausgeklügelten System von Schleusen und Kanälen wollte Caminada Handelsschiffe über den Splügenpass befördern. 

Die Pläne wurden nie realisiert. Wohl aber ein Buch von Anita Siegfried. Sie lässt den Alpenkanal Wirklichkeit werden - inspiriert von Caminadas Idee.

Erinnerungen an Porta Alpina

All die oben aufgeführten Beispiele wecken auch die Erinnerungen an die Porta Alpina. Wäre sie gebaut worden, hätte Sedrun einen unterirdischen Bahnhof bekommen, mitten im Gotthard-Basistunnel. Sedrun und die Surselva wären ans europäische Hochgeschwindigkeitsnetz angeschlossen worden. Und über einen Lift wären die Besucher nach Sedrun gelangt. Über zehn Jahre weibelte Graubünden für die Porta Alpina und warb im Parlament und beim Bund dafür. Der Bundesrat erteilte dem Projekt 2012 aber eine Abfuhr: Er wolle «vorläufig verzichten», liess er verlauten. 

Porta Miseria statt Porta Alpina also. Doch es gibt Hoffnung. So manche Idee erlebte später eine Renaissance ...

Welches Projekt würdet Ihr allen anderen vorziehen?

Superdome Chur
22%
Untertagelegung Arosabahn
20%
Vision «Alp-Train»
14%
Kanal über den Splügenpass
9%
Porta Alpina
35%
Total votes: 239

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