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Der Mentor, der die jungen Roboterbauer voranbringt

Jakob Marti war jahrelang Konstruktionschef bei Marti Engineering in Mitlödi. Heute ist er pensioniert und setzt sich für das 6417-Fridolins-Robotik-Projekt ein. Mit seinem Wissen unterstützt er die Jugendlichen beim Roboter bauen.

Südostschweiz
Sonntag, 10. Februar 2019, 04:30 Uhr Unterstützung für Jugendliche
Der erfahrene Mentor: Jakob Marti (links) unterstützt mit seinem Fachwissen die Jugendlichen beim Planen und Bauen des Wettkampf-Roboters.
SEMIRA KELLER

von Nina Schmidt*

Aufs Projekt gestossen ist Jakob Marti vor zwei Jahren dank Rolf Hürlimann, der ihn einmal diesbezüglich angesprochen hatte. Zu Beginn musste Marti vom Projekt überzeugt werden, da er sich nicht wirklich vorstellen konnte, dass Gymnasiasten von alleine einen Roboter in sechs Wochen bauen könnten. Er empfand die Idee, diese Aufgabe Jugendlichen zu überlassen, die vielleicht noch nie ein Loch gebohrt haben, ein bisschen verrückt. Dennoch vertrat er die Ansicht, man solle im Leben Sachen ausprobieren und schauen, was dabei herauskommt. Erst dann könne man urteilen.

Auch in der dritten Saison ist er als Mentor tätig. Seine Aufgabe ist es, den Schülern und Lehrlingen beim Bau des Roboters zu helfen. Er spornt die Jungen an, indem er schon früh eine Variante vorschlägt, die funktionieren könnte. Daraus resultiert eine lebhafte Diskussion, die noch weitere Lösungsvorschläge hervorbringt. Es gibt nie nur einen Lösungsweg. Kein Roboter wurde so gebaut, wie er gemäss dem ersten Vorschlag hätte sein sollen. «Das ist auch gut so, denn alle bringen ihre Meinungen ein.»

Gegenseitigen Respekt schaffen

Die Zusammenarbeit zwischen den Lehrlingen und den Gymnasiasten empfindet der Mentor als sehr wichtig. «Die Zusammenarbeit bewirkt, dass ich manchmal nicht weiss, wer was ist», sagt Marti. Beide Parteien würden sich wundervoll ergänzen. Während die Schüler die Theorie, beispielsweise für das Programmieren, im Griff haben, können die Lehrlinge zeigen, wie man Teile richtig zeichnet und wie man Maschinen fachgerecht bedient. Dies schaffe auch gegenseitigen Respekt: «Der vermeintlich allwissende Kantischüler merkt, dass der Lehrling doch schon viel arbeiten muss und auch schon vieles kann. Die Lehrlinge merken, dass die Kantischüler nicht nur die Schulbank drücken, sondern auch anpacken können.»

Vor zwei Jahren, als Marti vom Projekt noch überzeugt werden musste, meinte er, es sei unmöglich einen Roboter in sechs Wochen zu bauen. Schmunzelnd steht er auch heute noch zu seiner Aussage: «Ich sage nach wie vor, es ist eigentlich nicht möglich. Es geht nur mit ausserordentlichem Einsatz, und das schafft man nur, wenn es Leute gibt, die alles geben in dieser kurzen Zeit.» Ohne auswärtige Hilfe wäre ein funktionstüchtiger Roboter in sechs Wochen nicht möglich, sagt Marti.

Immer das Ziel vor Augen

Glarner KMU, wie zum Beispiel Goethe AG oder die Sauter Bachmann AG, sind dazu bereit, von den Jugendlichen gezeichnete Teile innert wenigen Tagen, teilweise gratis anzufertigen. «Dies ist nicht selbstverständlich», betont der Mentor. Jede Firma habe Kunden, auf die sie angewiesen sei und schnell beliefern müsse.

Engagierte Jugendliche, die ein Ziel vor Augen haben und ihre gesamte Freizeit für den Roboter aufopfern, sind gern gesehen: «Wir (die Marti Engineering) unterstützen gerne Leute, die Gas geben. Sobald wir sie vorantreiben müssen, wirds mühsam. Wenn aber im Kanton solche Leute sind, die dieses Projekt wirklich realisieren wollen, ein Produkt erschaffen möchten, das die Welt noch nie gesehen hat, ist das irgendwie eine grosse Befriedigung. Dass der Roboter vergangenes Jahr bei der Regionalausscheidung den Preis für den innovativsten Roboter gewonnen hat, verdient Beachtung.»

Das Projekt findet Marti sehr sinnvoll: «Es zeigt einem Schüler auch die Welt der Technik. Er sieht, dass, wenn ein Sensor nicht funktioniert, der ganze Roboter nicht funktioniert. Hier gibt es keine Noten für die Arbeit, man bekommt nicht eine 4,75. Der Roboter läuft oder er läuft nicht, das ist die Bewertung. Das ist ein riesiger Unterschied, denn wenn auch nur eine Wettbewerbsbedingung, beispielsweise das Gewicht des Roboters, nicht eingehalten worden ist, geht es wieder zurück nach Hause. Jede Handlung zieht eine sofortige Konsequenz nach sich.»

* Nina Schmidt gehört zur Pressegruppe des 6417-Fridolins-Robotik-Teams.Der Wettbewerb und die Berichterstattung dazu

Die jungen Glarner Roboterbauer sind nicht nur technisch bewandert, sondern auch in der Öffentlichkeitsarbeit. In Zusammenarbeit mit der «Südostschweiz» beleuchten sie einmal pro Woche einen Aspekt des Projekts. Zusätzlich wird es zu jedem Bericht einen exklusiven Einblick in die aktuellen Arbeiten geben, der in Form von Instagram-Bildern präsentiert wird.

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