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«Kanton zeigt sich auch für Ü50-Bewerbungen offen»

Beim Kanton Glarus heisst es, man kenne keine Schranke beim Alter 50. Doch die Bewerber müssen sich selber bewähren.

Fridolin
Rast
Mittwoch, 05. Dezember 2018, 04:30 Uhr Arbeitsmarkt
Eva Schielly achtet bei einer Anstellung nicht aufs Alter.
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Eva Schielly Saccomanno ist Personalchefin beim Kanton, und sie war vorher in gleicher Funktion bei Beratungsfirmen und Banken tätig. Sie bestätigt den Vorwurf, viele Firmen in diesen Branchen seien ganz grundsätzlich nicht interessiert, Personal im Alter 50 plus anzustellen. Aber auf keinen Fall handle der Kanton Glarus so, betont Schielly: «Wir stellen sehr wohl auch über 50-Jährige an, wir schliessen sie auf keinen Fall aus.» Und auch die künftigen Vorgesetzten würden auf keinen Fall Ü50er ablehnen. Im Gegenteil: «Das Alter ist kein Thema, wir haben beispielsweise eine Frau mit 60 angestellt, die einen super Job macht.»

Seltene Bewerbungen von Ü50ern

Schielly spielt den Ball gewissermassen zurück: «Je nach Anforderungen bekommen wir markant weniger oder keine Bewerbungen von älteren Bewerbern.» Etwa hätten sich für einen technischen Sachbearbeiter 17 Leute gemeldet, wovon keiner über 50, ebenso keiner von 34 für eine qualifizierte Teilzeitstelle.

Einzelfälle, die der Regierungsrat mit Zahlen aus den letzten Jahren untermauert: Von den Bewerberinnen und Bewerbern, die das geforderte Stellenprofil erfüllten, waren 2018 nur zehn Prozent über 50 Jahre alt.

«Für die Stellensuche bleibt in erster Linie der Arbeitslose verantwortlich.»
Heinz Martinelli, Leiter Wirtschaft und Arbeit

Wenn sich jemand von ihnen bei ihr bewirbt, dann sei die grössere Erfahrung keine Frage des Gefühls, erklärt Schielly: «Es geht darum, was die Person im Lebenslauf hat.» Da könne neben eventuellen Zweitausbildungen auch Führungserfahrung in einem Verein oder ein Hobby in die Waagschale kommen. Gewisse Erfahrungen liessen sich anrechnen bei der Lohneinstufung, doch gewisse Kompromisse müssten Ü50er machen: Das Modell von mit dem Alter stetig steigenden Löhnen sei «schon aus der Vergangenheit». Und wichtig ist für Schielly die Bereitschaft, weiter dazuzulernen und auch Weiterbildungen zu machen.

Arbeitswelt ändert sich rasant

Laut Heinz Martinelli, Leiter Wirtschaft und Arbeit, stellt gerade das RAV bewusst auch ältere Berater an: «Diese Arbeit braucht Lebenserfahrung.» Doch ihre Zeit für die einzelnen Stellensuchenden ist knapp. «Normal ist pro Monat ein Gespräch von maximal einer halben Stunde.» Denn jeder Berater hat 80 bis 120 offene Dossiers.

In dieser Zeit müssen drei Säulen platz haben: Beratung, Betreuung und Marktkunde. So, dass Stellensuchende sich richtig einschätzen und extern die nötigen Schulungen bekommen. Die angesprochene Möglichkeit eines Jobcoaches gebe es, gerade für Ältere, sagt Martinelli, aber sie bleibe eine Ausnahme. Denn für die Stellensuche bleibe primär der Arbeitslose verantwortlich. Genauso wie es nicht Aufgabe des RAV sei, den Firmen Ü50-Dossiers aktiv anzubieten: «Auch wenn das RAV durch die neue Meldepflicht viel näher am Arbeitgeber dran ist.» Und der mögliche Arbeitgeber drei Dossiers von möglichen Kandidaten bekommt.

Anders als Schielly verneint Martinelli, dass es bei den Firmen eine Ü50-Schranke gebe. Betroffene müssten sich die Frage stellen, ob sie fit sind für den Arbeitsmarkt.

Dennoch, so Martinelli: Stellen seien knapper geworden, Stellensuchende zahlreicher. «Heute ist das schon für jemanden ab 50 schwierig.» Kommt dazu, dass sich der Arbeitsmarkt gerade massiv verändert. Die Arbeitswelt wird immer digitaler, und die Stellen, die damit entstehen, werden laut Martinelli dann doch eher an Junge, an die digitale Generation, vergeben.

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