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Mit alten Motiven und neuen Ideen zum Erfolg

Sgrafits Engiadinais heisst das Start-up aus Sent von zwei Frauen mit viel Herzblut und Innovationsgeist. Sie haben sich mit Keramik und Tischwäsche im Sgraffito-Design für den Jungunternehmerpreis qualifiziert.

Fadrina
Hofmann
Dienstag, 16. Oktober 2018, 04:30 Uhr Blühendes Kleinunternehmen
Die Macherinnen: Hinter Sgrafits Engiadianais stehen Heidi Laurent-Domenig (links) und Lidia Domenig-Etter.
DOMINIK TÄUBER

Butia Schlerin steht vor dem alten Engadinerhaus in der Nähe der Kirche von Sent. «Kellerchen-Laden» wäre die deutsche Übersetzung. Und tatsächlich tritt der Besucher in ein Kellergewölbe ein, das gleichzeitig Café, Keramikmalstudio und Ausstellungsraum ist. Hier entstehen die Produkte von Sgrafits Engiadinais: Tassen, Teller, Schalen, Karaffen, Figuren oder Lichtkugeln. «Hier ist alles von Hand gemacht, und jedes einzelne Stück ist ein Unikat», sagt Heidi Laurent-Domenig. Gemeinsam mit ihrer Mutter Lidia Domenig-Etter hat sie im Jahr 2007 im ehemaligen Stall des Familienhauses angefangen, Esel aus Keramik herzustellen. Der Esel ist das Wahrzeichen von Sent. Heute ist das Kellergewölbe die Produktionsstätte eines blühenden Kleinunternehmens.

Alte Motive neu aufbereitet

«Die Sgrafitti an den Engadinerhäusern haben mich schon immer fasziniert, vor allem die Geschichte und ihre Bedeutung», erzählt Laurent bei einem Kaffee, getrunken aus einer Sgrafits-Engiadinais-Tasse. Nach einigen Jahren Erfahrung mit den Keramikeseln kam daher die Idee, Sgrafitto-Symbole mit Keramik zu verbinden. «Ich wusste, dass ich die alten Motive im Original auf meinen Rohlingen haben will», sagt Laurent. Und so ist die Jungunternehmerin mit Fotoapparat durchs Engadin gereist, um die gewünschten Motive zu fotografieren: den Drachen, die Nymphe, den Lebensbaum, den Venusstern, die Nelke und andere mehr. All diese Symbole haben eine Bedeutung – jeder Käufer bei Sgrafits Engiadinais erfährt mehr darüber beim Kauf eines Produkts mit dem entsprechenden Motiv.

Fast zwei Jahre experimentierten Mutter und Tochter, um die ideale Technik für ihre Keramikserie zu entwickeln. Ein Stempelverfahren überzeugte schliesslich. Sgrafits Engiadinais wurde lanciert und erhielt bereits im November 2016 Zuwachs. Die Firma Tisca Tiara im appenzellischen Bühler stieg bei Sgrafits Engiadinais ein. Tisca Tiara ist ein marktführendes Unternehmen im Bereich Stoff und Weben, und so gibt es heute auch hochwertige Tischwäsche, Kissenbezüge und seit Kurzem sogar Vorhänge mit Sgrafits-Engiadinais-Motiven. Die dafür verwendeten Satinstoffe bestehen aus 100 Prozent Baumwolle und werden in der Jacquard-Technik hergestellt.

Kunden von nah und fern

Der Kundenstamm von Sgrafits Engiadinais reicht vom privaten Käufer über den Detailhandel bis zur Gastronomie und Hotellerie. Die Plattform Mia Engiadina ist ebenso ein Kunde wie Gourmet Engiadina. «Wir haben auch viel Laufkundschaft», sagt Domenig. Über den Online-Shop erreicht Sgrafits Engiadinais zudem den Rest der Schweiz und das Ausland. Zweimal im Jahr nehmen Laurent und Domenig mit einem aufwendig gestalteten Stand an Messen teil. Erst kürzlich waren sie an der Züspa in Zürich. «Wir haben nur positive Rückmeldungen erhalten und sind mit sehr vielen Reservationen nach Hause gekommen», erzählt Laurent.

Originell und nachhaltig

Für das Start-up-Duell des Bündner Jungunternehmerforums haben sich die zwei Geschäftsführerinnen beworben, weil sie ihr Unternehmen besser vermarkten möchten. «Wir wollen so bekannt werden wie die Engadiner Nusstorte», meint Laurent. Das Jungunternehmerforum sei eine tolle Werbeplattform und auch eine gute Möglichkeit, um auf ihre Botschaft aufmerksam zu machen. «Wir möchten die Wertschätzung für die Handarbeit, für das Unikat fördern», erklärt Laurent. Wer ein Produkt von Sgrafits Engiadinais kaufe, wisse nicht nur, woher dieses komme und wo es hergestellt werde, sondern erhalte erst noch ein originelles Souvenir oder Geschenk.

Auch wenn die zwei Engadinerinnen schon jetzt alle Hände voll zu tun haben, auch wenn demnächst ein grösserer Brennofen angeschafft werden muss und auch wenn sie bereits eine weitere Mitarbeiterin einstellen konnten – Laurent und Domenig haben noch viele Ideen für Sgrafits Engiadinais. Ein neues Geschäftsfeld, das sich erst kürzlich aufgetan hat, sind Firmenlogos. «Da wir völlig nach individuellen Wünschen und auch in kleinen Mengen produzieren können, sehe ich hier noch viel Potenzial», sagt Laurent. Auf eine gesunde Art und Weise zu wachsen, um in Zukunft auch ein Arbeitgeber für die Region zu werden, das wäre das Ziel der Unternehmerinnen.

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