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In Engi wirds bayrisch

Bevor in einer Woche Millionen Menschen nach München strömen, wird im Glarner Kleintal um ein zehntausendfach kleineres Oktoberfest gefeiert. Dem Original soll es aber in Nichts nachstehen. Mit einem Unterschied: Auf der Engi-Wiesn haben drei Frauen die (Leder-)Hosen an.

Marco
Lüthi
Mittwoch, 12. September 2018, 04:30 Uhr Oktoberfest
Elisabeth Sefidnam (von links), Verena Berchtold und Alexandra Tiefel stossen schon mal an auf die erste Ausgabe der Engi-Wiesn.
MARCO LÜTHI

Dass Biertrinken nicht nur Männersache ist, beweisen drei Frauen aus dem Sernftal. Alexandra Tiefel, Verena Berchtold und Elisabeth Sefidnam organisieren gemeinsam ein Oktoberfest – die 1. Engi-Wiesn.

Am Samstag soll die Mehrzweckhalle beim Schulhaus Engi zum Festzelt werden, in dem getrunken und gegessen, zugeprostet, geschunkelt und getanzt wird. Wie in einer der grossen Festhallen auf der Theresienwiese in München. Das grösste Volksfest der Welt, mit über sechs Millionen Besuchern im vergangenen Jahr, beginnt am Samstag in einer Woche. Und es wieder heisst: «O’zapft is!»

Eintauchen in eine andere Welt

Zum ersten Mal im Sernftal ein Oktoberfest zu organisieren, kommt wohl am ehesten einer Bieridee gleich: «Wir redeten über Oktoberfeste, worauf wir kurzerhand gesagt haben: ‘Komm, wir machen eines in Engi!’», erzählt Verena Berchtold und lacht. Denn alle drei trinken gerne Bier, was bekanntlich an einem Oktoberfest nicht zu kurz kommt. Vor allem Alexandra Tiefel hat als Deutsche eine starke persönliche Bindung nach Bayern. «Die Bierfeste dort sind immer besonders gesellig und fröhlich. Für eine kurze Zeit taucht man in eine andere Welt ein.» Auch in der Schweiz besuche sie gerne solche Feste. «Die Bevölkerung in Glarus Süd sollte auch die Möglichkeit haben, an einem kleinen, aber feinen Oktoberfest teilzunehmen», so Tiefel.

«Maibaum und Bayern, des g’hört einfach z’samm.»
Alexandra Tiefel, Organisatorin Engi Wiesn

Seit rund einem Jahr sind die drei Frauen am Planen. Unterstützt werden die Organisationsneulinge von Röbi Kundert, der mit seinen Turnerkollegen im Dorf regelmässig Anlässe auf die Beine stellt.

Die Organisatorinnen rechnen mit über 150 Wiesnbesuchern in Engi. Bereits hätten sich über 60 Personen angemeldet.

Maibaum und Brezel-Duft

Wie es sich für ein Oktoberfest gehört, wird die Festhalle traditionell in blau-weiss dekoriert. Und über den Köpfen der Besucher in Engi wird ebenfalls ein Kranz hängen, von dem Bänder die Halle überspannen. Vor dem Eingang wird ausserdem ein echter Maibaum aus Bayern aufgestellt. «Maibaum und Bayern, des g’hört einfach z’samm», erklärt Alexandra Tiefel. Anstatt den üblichen 30 Metern wird jener in Engi nur drei Meter hoch sein. «Er ist bei uns in erster Linie symbolisch», so Tiefel. Der «Glarner Maibaum» hat wie seine grossen Brüder in Bayern einen Kranz und ist blau-weiss geschnürt, in den Farben des Himmels.

Nicht nur die Dekoration soll möglichst authentisch sein, auch der typische Oktoberfest-Duft nach Schweins-Haxen, Semmelknödeln, Sauerkraut und Weisswürsten darf nicht fehlen. «Um den Appetit so richtig anzuregen, werden die Brezel vor Ort gebacken», so Tiefel. Die weiteren Oktoberfest-Gerichte werden vom Metzger zubereitet und geliefert.

Essen macht bekanntlich auch durstig. Die Kübelgläser und Masskrüge werden mit Glarner Bier oder mit Weissbier aus Bayern gefüllt.

Stimmung mit den Mariazellern

Apropos volle Masskrüge: Wer glaubt, genug «Muckis» zu haben, kann beim Masskrug-Stemmen mitmachen. Bei diesem Wettbewerb müssen die Teilnehmer zwei gefüllte Krüge, einer in jeder Hand, mit ausgestreckten Armen halten. Dies waagrecht und so lange wie möglich. Ein gefülltes Mass wiegt übrigens um die zwei Kilogramm.

«Um den Appetit so richtig anzuregen, werden die Brezel vor Ort gebacken.»
Alexandra Tiefel, Organisatorin Engi Wiesn

Und was wäre ein Oktoberfest ohne passende Stimmungsmusik. Im Vorfeld haben Alexandra Tiefel, Verena Berchtold und Elisabeth Sefidnam dafür eigens das Niederdörfli in Zürich besucht, wo die Mariazeller aus Österreich spielten. Vom Konzertabend in der «Bierhalle Wolf» ist Berchtold heute noch hell begeistert: «Eine supergeniale Band, die für zünftig Stimmung sorgt!»

Samstag, 15. September, 17 bis 23.30 Uhr, Mehrzweckhalle beim Schulhaus Engi. www.engi-wiesn.ch

Zum Vergleich: Das Original in München
Am Samstag, 22. September, um Punkt 12 Uhr wird das Oktoberfest in München mit dem offiziellen Anstich durch den Oberbürgermeister eröffnet. Mit dem Ausruf «O’zapft is» verkünden Böllerschüsse den Wiesn-Beginn. Während 16 Tagen wird in München gefeiert.
Im Jahr 2017 haben sich 6,2 Millionen Besucher auf dem 32,5 Hektar grossen Oktoberfestgelände vergnügt. Dabei wurden 7,7 Millionen Mass Bier (entspricht einem Liter) ausgeschenkt und das Fleisch von 146 Ochsen sowie von 59 Kälbern verzehrt.

Das Oktoberfest im Glarner Unterland
«O’zapft is!» heisst es an diesem Wochenende wiederum in Näfels. In der Lintharena findet am Freitag und Samstag, 14. und 15. September, die fünfte Ausgabe des Glarner Oktoberfests statt. Organisiert wird dieses wiederum von Mitgliedern des FC Linth 04. In diesem Jahr sorgen die Gratzer Spitzbuam an beiden Festtagen musikalisch für Wiesn-Stimmung. Am Freitagabend tritt zudem Schlagerstar Frank Heller auf. (ml)
glarneroktoberfest.ch

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