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Die Kantonalbank akzeptiert das Urteil des Obergerichtes

Einen Weiterzug nach Lausanne hat der Verwaltungsrat als wenig aussichtsreich angesehen. Laut Bankpräsident Martin Leutenegger ist man weiter offen für einen Vergleich mit den früheren Bankkadern.

Daniel
Fischli
Dienstag, 11. September 2018, 04:30 Uhr Offen für Vergleiche

Der Prozess um die ehemaligen Kaderleute der Glarner Kantonalbank geht definitiv zurück an das Kantonsgericht. Wie die Kantonalbank gestern mitgeteilt hat, akzeptiert sie diesen Entscheid des Glarner Obergerichtes und verzichtet auf einen Weiterzug ans Bundesgericht. Auch von der Seite der Beklagten sei gegen das Obergerichtsurteil offenbar nicht appelliert worden.

Das Obergericht hatte im Juni entschieden, das Kantonsgericht habe die Vorwürfe gegen die ehemaligen Bankkaderleute zu wenig genau abgeklärt. Wenn nötig, müsse es eine Expertise bei einem Experten in Auftrag geben. Während die Beklagten dieses Urteil mit Genugtuung aufgenommen haben, hat die Kantonalbank das Obergericht danach öffentlich stark kritisiert. Man habe aber die Erfolgsaussichten eines Weiterzuges nach Lausanne als gering eingeschätzt, erklärte gestern Verwaltungsratspräsident Martin Leutenegger.

Rückzug «kein Thema»

Ein Rückzug der Klage sei kein Thema gewesen, so Leutenegger weiter. «Der von den Beklagten verursachte Schaden für die Bank hat total rund 100 Millionen Franken betragen. Wir fühlen uns der Glarner Bevölkerung gegenüber verpflichtet, diesen Prozess weiterzuführen.» Darüber hinaus sei es ein Auftrag der Regierung, gegen die ehemalige Führungsriege vorzugehen. Und: «Wir rechnen uns aufgrund einer rechtlichen Beurteilung reelle Chancen aus, den Prozess zu gewinnen.»

Der Kanton hat seine Bank nach dem Abgang von Bankdirektor Bernt Arpagaus vor zehn Jahren retten müssen. In der Klage geht es konkret um sechs Kredite, die zwischen 2005 und 2007 ausserhalb des Stammeinzugsgebiets der Bank gewährt wurden. Laut der Bank gingen dabei rund 35 Millionen Franken verloren. Sie fordert dieses Geld von den ehemaligen Bankräten und Geschäftsleitungsmitgliedern sowie der Revisionsstelle zurück.

Das Kantonsgericht hiess die Klage vor drei Jahren teilweise gut. Die Beklagten sollten zusammen rund 16 Millionen bezahlen. Gegen dieses Urteil hatten die Beklagten und die Bank als Klägerin ans Obergericht appelliert.

Die Kritik der Kantonalbank an die Adresse des Obergerichtes richtete sich auch gegen einen «Exkurs» im Urteil. Darin hat das Obergericht festgehalten, die Kantonalbank habe nur unvollständig Akten eingereicht. Daran könnte der Prozess noch scheitern.

Leutenegger hielt gestern an seiner Kritik fest: Man habe die Akten genau nach den Anweisungen des Kantonsgerichtes eingereicht. Und weder das Kantonsgericht selber noch die Beklagten hätten dies je kritisiert.

Wieder auf Feld eins

Der bereits siebenjährige Prozess steht jetzt wieder auf Feld eins. Wenn er durch alle Instanzen geführt wird, dürfte er noch ein paar Jahre dauern. Ausser es kommt noch zu einem aussergerichtlichen Vergleich. Martin Leutenegger erklärte gestern, die Kantonalbank sei dafür nach wie vor offen. Voraussetzung dafür sei aber, dass sich alle Beteiligten an einen Tisch setzten. «Die Initiative dazu liegt nicht bei uns.»

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