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Wer bezahlt denn 100'000 Franken für eine Autonummer?

Mehr als 100'000 Franken ist einem Online-Bieter die Autonummer «ZG 10» wert. Der Bündner Nummernhändler Andrea Nussio erklärt die Faszination des möglichen neuen Besitzers. Und er sagt: Auch in Graubünden wird immer wieder viel für Autonummern bezahlt.

Philipp
Wyss
Montag, 12. Februar 2018, 04:30 Uhr Aktuelle Auktion

Noch bis am Donnerstag läuft die Auktion für das Autokontrollschild «ZG 10». Am Donnerstag wurde die 100‘000-Franken-Grenze dafür überschritten. Der schweizweite Rekord liegt seit vergangenem Jahr für «VS 1» bei 160‘100 Franken. Zuvor war «SG 1» vier Jahre lang Rekordhalter. Aber auch «GR»-Schilder wechseln immer wieder für viel Geld ihren Besitzer.

Vor gut drei Jahren ist «GR 17» für 93‘000 Franken verkauft worden. Und 2011 verkaufte das Kantonsspital Graubünden für den Kauf eines Baby-Notarztwagens drei tiefe Autonummern. Mit knapp 192‘000 eingenommenen Franken wurden damals alle Erwartungen übertroffen. Ersteigert hatte die Schilder damals Remo Stoffel.

Ein Bündner mischt mit

Seit 22 Jahren handelt der Bündner Andrea Nussio mit Kontrollschildern. Ihn erstaunt die Auktion und die Höhe der Angebote im Kanton Zug überhaupt nicht. «Es gehe nicht um den Wert der Nummer, sondern um den ideellen Wert, den die potenziellen Käufer damit verbinden», sagt Nussio auf Anfrage. «ZG 10» sei eine Hammernummer. Zudem habe Zug viele reiche Leute. Daher sei es nicht erstaunlich, dass für dieses Kontrollschild derart viel geboten wird, so Nussio weiter.

Noch bis am Mittwochabend kann man mitbieten. Und auch Nussio ist gespannt, wie es weitergeht. Bislang haben die User «Ordnas» und Redli» für «ZG 10» geboten. «Vielleicht hat einer oder beide die Munition bereits verschossen», sagt Nussio. Und: Ernsthafte Bieter können auch erst in den letzten Stunden oder Minuten einer Auktion einsteigen.

Begehrte «GR»-Schilder

Anders als in Zug oder Graubünden könne man beispielsweise in Zürich oder St. Gallen mit tiefen Nummern nicht handeln, weiss Nussio. Aber nicht nur darum seien Nummern aus Graubünden begehrt. «Heimwehbündner oder Graubünden-Fans möchten mittels einer Nummer zeigen, woher oder wer sie sind», sagt der Kenner.

Aktuell versteigert das Strassenverkehrsamt Graubünden lediglich fünfstellige Kontrollschilder. Wer eine vierstellige oder gar eine noch tiefere haben möchte, dem kann möglicherweise Nussio helfen. Er sagt: «Irgendwann versteigere ich vielleicht auch wieder einmal eine dreistellige Nummer».

Dass Autokennzeichen immer wieder für fünf- bis sechsstellige Summen versteigert werden, sieht Stefan Hotan, Vereinspräsident der «Interessengemeinschaft Schweizer Kontrollschilder» positiv. Gegenüber dem «Blick» sagte er: «Wenn jemand eine emotionale Bindung zu einer Zahl hat oder sie als Statussymbol ansieht, ist es okay so viel für die entsprechende Autonummer auszugeben.»

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