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In St. Moritz herrscht wieder Pioniergeist

Beim Bergbahnunternehmen Engadin St. Moritz Mountains kann der Gast in einigen Tagen auch mit Kryptowährung bezahlen. Damit nehmen die Engadiner eine Pionierrolle ein.

Fadrina
Hofmann
Donnerstag, 21. Dezember 2017, 05:49 Uhr Kryptowährung
Hoch hinaus: Mit der Einführung der Bitcoin-Bezahlung übernimmt die Engadin St. Moritz Mountains AG eine Vorreiterrolle.
PRESSEBILD

Es tut sich was in der Welt der digitalen Bezahlung. Wie sich Kryptowährungen entwickeln werden und ob der aktuelle Boom auch nachhaltig sein wird, muss sich zwar noch zeigen. Tatsache ist: Bitcoins und Co. sind da. «Das Engadin St. Moritz steht für Pioniertaten. Es ist mehr als gerechtfertigt, wenn wir versuchen, die digitale Währung zu integrieren», sagt Markus Meili, Geschäftsführer Engadin St. Moritz Mountains.

Wenn alles nach Plan läuft, kann man schon in wenigen Tagen im Online-Shop das Ticketing mit Kryptowährungen bezahlen. «Sie können bei uns mit Euro bezahlen, mit Dollar, wieso nicht auch mit Bitcoin», lautet die rhetorische Frage von Meili. Neu können also Skikarten digital zum aktuellen Kurs bezahlt werden.

Innovation hat Tradition

Vor rund 140 Jahren hat in St. Moritz die erste Glühbirne der Schweiz gebrannt. St. Moritz gilt auch als Wiege des Wintertourismus’. Nun nimmt St. Moritz erneut eine Pionierrolle ein. «Die Digitalisierung schreitet voran und wir müssen mit der Zeit gehen», meint Meili. Ob Engadin St. Moritz Mountains die ersten Bergbahnen in der Schweiz sind, welche diesen Schritt wagen, kann Meili nicht sagen. «Aber wir übernehmen sicher eine Vorreiterrolle», betont er.

Weit verbreitet ist die Bezahlungsmöglichkeit mit Bitcoins und Co. jedenfalls noch nicht. Nicht einmal die Weisse Arena Gruppe, die sonst als innovativ gilt, bietet digitale Bezahlung an, und laut Mediensprecherin Christina Ragettli sind auch keine Bestrebungen in diese Richtung geplant. Laut Marcus Gschwend, Geschäftsleiter Bergbahnen Graubünden, sind ihm momentan keine anderen Bündner Bergbahnen bekannt, welche Kryptowährung annehmen. «Die Vorreiterrolle würde zur Positionierung von St. Moritz passen», meint Gschwend.

Gemäss «Bit Consult», das aus einem Team von Bitcoin-Spezialisten besteht, kann man aktuell lediglich in 225 Schweizer Unternehmen mit Bitcoin bezahlen. Auch der Standort St. Moritz ist seit dem 14. Dezember auf der Liste zu finden, und zwar mit zwei Unternehmen aus der Immobilienbranche. Ein Blick auf das Schweizer Bitcoin-Shop-Verzeichnis zeigt, dass die digitale Bezahlung vor allem in urbanen Gebieten Anwendung findet. Ein Bergbahnunternehmen ist im Bitcoin-Branchenverzeichnis nicht zu finden. Im Transportwesen akzeptieren laut den Online-Verzeichnissen nur die SBB und der Velokurier Bern auch digitale Bezahlung.

Keine Gefahr im Alltag

Dass die Nachhaltigkeit der Kryptowährungen umstritten ist, kann man nicht von der Hand weisen. «Wenn etwas Neues kommt, das die Leute nicht verstehen, oder wenn bestehende Geschäftsmodelle infrage gestellt werden, wird es zuerst einmal als gefährlich eingestuft», sagt Andrea-Franco Stöhr. Der Engadiner Anwalt arbeitet bereits mit Kryptowährung und ist auch Mitbegründer der Crypto Conference (siehe Artikel unten). Gemäss seinen Ausführungen besteht bei der Kryptowährung nur dann eine Gefahr, wenn damit spekuliert wird. «Aber beim Kauf von Aktien besteht ja auch ein Risiko», meint der Experte.

Spekulation oder auch das Thema Bitcoinblase, vor welcher die Banker stets warnen, tangiert die Engadin St. Moritz Mountains laut Meili nicht. Er vertritt in Sachen Kryptowährung eine pragmatische Haltung: Eine Währung, die vorhanden sei, müsse man auch einsetzen dürfen. «Den Euro müssen wir auch akzeptieren, egal wie der Kurs ist», sagt Meili.

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