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«Wir sind nicht verärgert»

Der Verein Khur.ch macht sich rar. Am Montag gab er bekannt, dass er seine beiden Projekte zum Public-Viewing in der Vögele-Arena und zur «Alphütta» auf dem Churer Theaterplatz ab dem Jahr 2019 aufgeben wird. Ivo Frei, Präsident des Vereins, im Interview über den Entscheid, die immer lautere Kritik und die Fussball-Europameisterschaft 2020.

12.12.17 - 16:33 Uhr
Wirtschaft
Ivo Frei im Interview über die Gründe, weshalb er zwei seiner Projekte aufgibt.
Ivo Frei im Interview über die Gründe, weshalb er zwei seiner Projekte aufgibt.
SÜDOSTSCHWEIZ

Mit Ivo Frei sprach Gian Andrea Accola

Das Public-Viewing, die «Alphütta», eine Töffli-Tour nach Ascona und ihr Engagement bei der Bergbahnen Splügen-Tambo AG – Ivo Frei, haben Sie sich überladen?
Nein. Ich denke, wir haben immer so viel gemacht, wie wir stemmen konnten. Das ist auch der Grund, weshalb wir uns jetzt für ein oder mehrere Jahre eine Pause gönnen. Es ist aber so, wir haben sehr viel zu tun. Und das machen wir alles nebenbei. Der Job liegt anderswo. Diese Projekte laufen parallel dazu und in Fronarbeit. Das braucht sehr viel Zeit. Unser Vorsatz war es immer, etwas richtig zu machen, wenn wir es angehen. Jetzt ist es so, dass uns die Zeit dazu fehlt.

Weshalb werden gerade die Vögele-Arena und die «Alphütta» ab 2019 nicht mehr weiterbetrieben?
In erster Linie freuen wir uns, dass diese Ideen funktioniert haben. Nach fünf Jahren sind die Projekte aber immer aufwendiger geworden. Wir müssen beispielsweise für jedes Projekt Baugesuche einreichen und Bewilligungsverfahren durchlaufen. Jetzt haben wir uns für 2019 dazu entschlossen, zu pausieren. Auch, um anderen die Chance zu geben, in Chur etwas Neues zu entwickeln.

Es waren auch immer wieder kritische Stimmen aus der Gastro-Szene zu hören. Haben Sie dafür Verständnis?
Ja, klar. Man muss aber auch sagen, dass es wenige waren. Es heisst immer «die Churer Wirte». Am Ende sind es dann vielleicht zwei oder drei, die ein Problem haben. Auf der einen Seite haben wir sicher Verständnis, auf der anderen sagen wir aber auch, dass jeder das Risiko eingehen kann, das wir auf uns genommen haben. Dass unsere Projekte funktioniert haben, ist nicht zufällig passiert.

Sie wollen anderen die Chance geben, es besser zu machen. Das klingt etwas weinerlich...
Wir sind deswegen nicht verärgert und das ist auch nicht der Hauptgrund. Viele haben sich aber immer darüber beklagt, dass wir ihnen den Theaterplatz weggeschnappt hätten. Jetzt ist der Platz wieder frei und sie können da jetzt etwas umsetzen.

Sie haben sich aber nicht aufgrund kritischer Stimmen dazu verleiten lassen, aufzuhören?
Nein, natürlich nicht. Das ist nicht der Hauptgrund. Wir haben ganz bewusst gesagt, dass wir jetzt eine Pause machen wollen. Diese brauchen wir. Unser Entscheid ist sicher keine Trotzreaktion.

Die beiden Projekte waren sehr erfolgreich, haben viele Besucher angelockt. Kann nicht jeder, der jetzt nachrückt, eigentlich nur verlieren?
Das glaube ich nicht. Ich bin sicher, dass wir auch viele Wege geebnet haben. Gerade zu Beginn hatten wir grosse Aufwendungen – beispielsweise mit den Behörden, um eine Bewilligung für den Theaterplatz zu bekommen. Ich denke, dass unsererseits sehr viel Vorarbeit geleistet wurde. Man kann sich hier ein Stück weit in ein gemachtes Nest hineinsetzen. Andererseits werden es Projekte mit anderem Charakter sein. Diese haben aber genauso ihre Daseinsberechtigung.

Wie müsste ein anderes Projekt daherkommen?
Ich glaube, dass Projekte, die genau das Gleiche machen wollen, zum Scheitern verurteilt sind. Unsere Projekte hatten unsere Handschrift. Ich denke, dass jeder individuell die Projekte herauspicken muss, die für ihn passen. Dann stehen die Chancen durchaus gut.

Aber in zwei Jahren kommt Ivo Frei zurück, um es allen nochmals zu zeigen.
Wir haben ein paar Ideen im Kopf, allerdings ist nichts konkret geplant. Wir nehmen uns jetzt die Zeit, um diese Ideen reifen zu lassen. Es ist durchaus möglich, dass wir wieder mit neuen Projekten zurückkommen. Zurzeit ist aber nichts spruchreif, das wir für das Jahr 2020 ankündigen könnten.

Im Sommer 2020 findet die erste dezentrale Fussball-Europameisterschaft in insgesamt 13 europäischen Städten statt. Eigentlich perfekte Voraussetzungen für Public Viewings...
Da bin ich mir nicht sicher. Ich sehe das etwas anders. Die kommende WM in Russland hat ein klares Gesicht. Man kann sich darauf einstellen, das Motto aufnehmen. Und wenn die EM danach auf ganz Europa verteilt ist, muss das nicht zwingend ein Vorteil sein.

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