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Die Markthalle Glarus sucht die Unterstützung der Kunden

Die Markthalle in der alten Post in Glarus ist eine Erfolgsgeschichte. Damit sie weitergehen kann, soll jetzt eine neue und breitere Trägerschaft gebildet werden.

Südostschweiz
04.12.17 - 04:30 Uhr
Wirtschaft
«Fast täglich Rückmeldungen»: Markthalle-Initiant Fritz Pechal freut sich über das Interesse an der neuen Trägerschaft. Bild Sasi Subramaniam
«Fast täglich Rückmeldungen»: Markthalle-Initiant Fritz Pechal freut sich über das Interesse an der neuen Trägerschaft. Bild Sasi Subramaniam

Seit ihrer Eröffnung im Januar dieses Jahres schwebt über der Markthalle in Glarus ein Damoklesschwert: Sie ist nur am Mittwoch und am Samstag offen und muss daraus den Mietzins erwirtschaften. «Es besteht das Risiko, das irgendwann ein anderer Interessent für das Lokal auftaucht, der mehr bezahlen kann», sagt der Initiant der Markthalle, Fritz Pechal. «Zum Glück haben wir den Goodwill der Eigentümerin der alten Post.» Das Gebäude gehört einer Immobiliengesellschaft aus dem Kanton St. Gallen. Nach dem Auszug des vorangehenden Mieters stand die alte Post lange leer, bis die Markthalle ihre Türen geöffnet hat. Zuerst nur als vorübergehendes Winterquartier des Wochenmarktes vom Rathausplatz.

Pechal und die IG Markthalle müssen jetzt mit der Eigentümerin über eine Verlängerung des Mietvertrages verhandeln, der im April 2018 ausläuft. Am liebsten gleich über einen mehrjährigen Vertrag, damit es sich auch lohnt zu investieren. «Wir wollen von der Test- in die Festigungsphase kommen», sagt Pechal. Denn der Markt sei ein Erfolg. Vor allem am Samstag habe er Hunderte von Kunden. «Auch die umliegenden Geschäfte in der Stadt merken es, dass ein neuer Kundenmagnet entstanden ist.» Die Markthalle soll zu einer festen Institution in Glarus werden, zu einem Ort, «an dem man sich trifft und frische und spezielle Produkte einkaufen und konsumieren kann», wie sie sich selber darstellt.

Umbau für 50 000 Franken

Für den Start in die Festigungsphase braucht es aber Geld. Es muss investiert und es sollen Reserven angelegt werden, damit nicht mehr von der Hand in den Mund gelebt werden muss. Eine «Gourmet-Ecke» mit bis zu 40 Sitzplätzen soll entstehen und das Office Kühlschrank und Geschirrspüler erhalten.

Der kleine Umbau kostet rund 50 000 Franken. Damit soll es dann möglich werden, in der Markthalle Anlässe auch an andern Wochentagen und mit einem Apéro durchzuführen. «Wir wollen aber nicht die Gastrobetriebe in der Stadt konkurrenzieren», sagt Pechal. «Sie sollen von uns profitieren: Man geht zum Beispiel in die Markthalle an eine Lesung, dann zum Abendessen in ein Restaurant und für einen ‘Absacker’ noch in eine Bar.» In der Halle zu kochen, bleibt denn auch vorderhand nicht möglich. Dafür bräuchte es auch noch eine Lüftung. «Das kostet aber gut und gerne einmal 300 000 Franken», sagt Pechal.

Als neue Trägerschaft sieht die IG eine Aktiengesellschaft oder eine Genossenschaft vor. Zurzeit wird mit Flyern, die in der Markthalle aufliegen, das Interesse des Publikums an einer finanziellen Beteiligung ausgelotet. «Jeder Beitrag zählt», heisst es im Flugblatt. «Wir haben bereits von mehreren Dutzend Leuten positive Feedbacks bekommen und es kommen fast täglich neue Rückmeldungen herein», berichtet Pechal. Am ersten Januar 2019 soll die neue Betriebsgesellschaft starten können.

Man kann Bilder ersteigern

Geld soll auch durch eine spezielle Kunstauktion hereinkommen. Frederick Rossmann hat sein drei mal sechs Meter grosses Bild, das er zusammen mit den Besuchern am Sound of Glarus gemalt hat, in viele kleinere Bilder zerschnitten und in der Markthalle aufgehängt. Bis am 20. Dezember kann man schriftlich Gebote für diese Bilder abgeben und sie so ersteigern.

Für die weitere Zukunft der Markthalle nach der Festigungsphase hat Pechal auch bereits Ideen. Er hätte gerne einen Bäcker oder den Metzger mit Offenfleisch in der Halle. Dafür müsste man allerdings in Kühlanlagen und Verkaufstheken investieren. Die Öffnungszeiten könnten ausgedehnt, der Mietvertrag vielleicht über zehn Jahre abgeschlossen oder die Halle gleich im Stockwerkeigentum übernommen werden. Was aber nicht mit der Markthalle passieren darf: «Sie soll kein gewöhnlicher Laden werden», sagt Pechal, «das Marktfeeling hier ist einmalig.»

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