Gleicher Lohn für alle!
Die Debatte um Lohngleichheit in der Schweiz geht in die nächste Runde. Oder besser gesagt: noch einen Schritt weiter. Im St. Galler Start-up-Unternehmen Advertima verdient seit 18 Monaten jeder gleich viel. Wie das funktioniert, weiss Firmen-Mitbegründer Iman Nahvi.
Die Debatte um Lohngleichheit in der Schweiz geht in die nächste Runde. Oder besser gesagt: noch einen Schritt weiter. Im St. Galler Start-up-Unternehmen Advertima verdient seit 18 Monaten jeder gleich viel. Wie das funktioniert, weiss Firmen-Mitbegründer Iman Nahvi.
Das St. Galler Start-up Advertima hat keine Chefs. Also zumindest intern. Nach aussen müsse er nämlich mit altbekannten Titeln wie «CEO» operieren, damit die Zusammenarbeit mit externen Partnern funktioniere, sagt Iman Nahvi im Interview mit 20 Minuten. Intern aber nehme er als Mitgründer der Firma lediglich «festgelegte Rollen ein». So zum Beispiel «Vision & Strategy», «Investor & Relations» oder «Key Account Management». Die Rolle «Chef von Rolle XY» gebe es intern hingegen nicht.
Aber weshalb? «Die Welt ist sehr dynamisch», erklärt Nahvi. Man müsse sich schnell anpassen können, um als Firma bestehen zu können. Das Organisationssystem der Advertima, die sogenannte Holokratie, biete der Firma genau diese Gelegenheit. «Jede Person hat eine bestimmte Rolle und ist für einen definierten Bereich zuständig.»
Eine Konsequenz der Holokratie sei, dass die Firma ausschliesslich Spezialisten beschäftige, die Verantwortung zu übernehmen haben, so Nahvi. Es gebe nämlich des Hierarchievakuums wegen logischerweise keine Assistenten, an die man Arbeiten delegieren könne.
Aufgrund dieser Tatsache habe man sich irgendwann gefragt, ob das alte Lohnsystem für die Firma Advertima überhaupt noch Sinn ergebe, meint Nahvi im Interview weiter. «Seit 2016 verdienen nun alle Mitarbeiter gleich viel.» Und zwar zurzeit 8000 Franken im Monat. «Tendenz steigend», betont er.
Eine Einheit, nicht nur beim Lohn
Auf die Frage, wie denn ein solches Unternehmen reibungslos funktioniere, antwortet Nahvi: «Bereits in den ersten zehn Minuten des Vorstellungsgespräch wird erklärt, dass es relativ viele Regeln und einen Einheitslohn gibt. Falls das für den Bewerber ein Problem ist, passt er nicht zu unserem Unternehmen.» Er betont ausserdem, dass viele seiner Mitarbeiter anderswo mehr verdienen könnten. Doch dank positiver Nebeneffekte, welche die Organisationsform mit sich bringe, seien sie bereit auf einen Teil ihres Lohns zu verzichten.
Ein solcher Nebeneffekt ist laut Nahvi, dass wegen des einheitlichen Lohns das ganze Team zu einer Einheit wird. «Man ist füreinander da und die Leute sind mit mehr Freude bei der Arbeit.»
Zweifel von aussen
Viele seien überzeugt, dass das Organisations- und Lohnsystem der Advertima nicht funktionieren könne – oder höchstens für kurze Zeit. «Inzwischen sind es aber mehr als eineinhalb Jahre und der Einheitslohn hat sich bewährt», bekräftigt Nahvi. Er sei gar überzeugt davon, dass die Organisationsform für den bisherigen Firmenerfolg entscheidend gewesen sei. «Als wir damit begannen, dachten wir, dass das System bis zu einer Firmengrösse von 15 bis 20 Mitarbeitern praktibel ist.» Inzwischen bestehe das Advertima-Team aus 41 Mitarbeitern. An Grenzen sei man bisher nicht gestossen. Ob das Modell auch noch mit 100 Mitarbeitern funktionieren werde, wisse er nicht.
Er denke aber, dass das Organisationsmodell in jedem Unternehmen und in jeder Branche funktionieren könne. «Die Herausforderung ist allerdings, jene Personen, die in bestehenden hierarchischen Strukturen arbeiten, von den Vorteilen der Holokratie und des Einheitslohnes zu überzeugen.» In einer grossen und etablierten Firma habe man damit keine Chance, so Nahvi.
Jetzt seid Ihr gefragt! Wie steht Ihr dazu?
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Bereits Abonnent? Dann schnell einloggen.
Über die Aktienverhältnisse…
Über die Aktienverhältnisse lässt Herr Iman sich nicht aus. Für's übrige: lesen Sie mal Atlas Shrugged. Anyway, vielleicht wäre einen "Lohn" von CHF 4'000 pro Mitarbeiter richtig, somit blieben die "Sozial"abgaben im Rahmen des Tragbaren und ist nicht der Staat am Schluss der grösste Nutzniesser der produktiven Anstrengungen. Von wegen, Holokratie, und das in eine Staatsgelenkte Wirtschaft?