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Bar-Einzahlung an der Haustür

Die Post reagiert auf die Kritik an den Poststellenschliessungen. Zwar sind weitere Schliessungen im Glarnerland nicht ausgeschlossen. Immerhin kündigt der «gelbe Riese» einen neuen Service für Bargeldeinzahlungen an.

Rolf
Hösli
Dienstag, 22. August 2017, 17:58 Uhr Poststellenschliessungen
SYMBOLBILD MAYA RHYNER

Jeden Tag fährt die Schweizerische Post mit ihrem Poststellennetz mehr als eine halbe Million Franken Defizit ein. 190 Millionen sind es pro Jahr. Die Post ist bereit, sich den Service Public etwas kosten zu lassen. Aber das Defizit soll nicht noch grösser werden. Daher garantiert sie die noch verbliebenen fünf Glarner Poststellen Glarus, Schwanden, Netstal, Niederurnen und Näfels nicht über das Jahr 2020 hinaus.

Was danach kommt, ist offen. Daran kann auch der Kanton nichts ändern, wie dieser gestern mitgeteilt hat. In einer Antwort auf eine Interpellation der BDP schreibt der Regierungsrat, dass er zwar weiterhin mit der Post im Gespräch bleibe und dabei auch die Glarner Anliegen vertrete, doch allzu grosse Hoffnungen macht er sich dabei nicht. Die Post müsse schliesslich auf Veränderungen «wirksam und zeitgerecht» reagieren können.

Das heisst: Wenn immer mehr Leute und Firmen Mails statt Briefe schicken, ihre Zahlungen mit E-Banking erledigen und kaum noch an den Postschalter gehen, dann braucht es davon auch weniger. Ganz auf ein eigenes Poststellennetz verzichten will die Post im Gegensatz etwa zu Deutschland aber nicht.

Um den Abbau aufzufangen, haben sich Postagenturen in Läden sowie in Glarus Süd und in Mühlehorn der Hausservice etabliert. Das Problem dabei: Bareinzahlungen sind in Agenturen bisher nicht möglich – aus Sicherheitsgründen und wegen der Geldwäscherei-Vorgaben.

Pöstler kommt an die Haustür

Diese Lücke will die Post nun schliessen. «Privatkunden können ihre Bareinzahlungen künftig an der Haustür tätigen», schreibt der Regierungsrat in seinem aktuellen Bulletin. Der Service werde an allen Ortschaften mit Postagenturen eingeführt. Gemäss der obersten Post-Chefin Susanne Rouff kostet das ihre Firma schweizweit rund 20 Millionen.

Im Glarnerland will die Post zudem einen bis drei Post-Automaten aufstellen, an denen rund um die Uhr Pakete abgeholt und aufgegeben werden können. Für die neuen Angebote sei Anfang September eine Informationskampagne geplant.

Die Post hat im Mai ihre Strategie für die nächsten drei Jahre bekannt gegeben. Die Gewerkschaft Syndicom wehrt sich vehement gegen die «rasante Schliessung» von Poststellen und hat deswegen in Linthal und Braunwald Unterschriften im grossen Stil gesammelt und diese der Gemeinde Glarus Süd übergeben. Süd-Präsident Mathias Vögeli hat versprochen, sich für den Service public einzusetzen.

Die Gemeinden sind wie der Kanton in regelmässigem Dialog mit der Post, haben aber keine Weisungsbefugnis. Der Entscheid liegt bei der Post – oder letztlich bei den Kundinnen und Kunden, die mit ihrem Verhalten den Weg für die Schliessungen vorgeben.

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