Weniger Obst und weniger Bienen
Neben den Reben leiden auch der Obstbau und Tiere unter den zuletzt tiefen Temperaturen. Wir haben uns umgehört.
Neben den Reben leiden auch der Obstbau und Tiere unter den zuletzt tiefen Temperaturen. Wir haben uns umgehört.
Das kalte Wetter macht auch den regionalen Obst- und Gemüsebauern zu schaffen. So wurden auch am Plantahof in Landquart grosse Ausfälle bei den Tafeltrauben festgestellt. Nach Schätzung des Obst- und Beerenberaters Marco Frey sind rund 50 bis 80 Prozent der Traubenernte erfroren. Bei den Kiwis zeichne sich sogar ein Totalausfall ab, so Frey.
Und dies trotz anstrengender Nächte. Ab 23 Uhr war Frey diese Woche jeweils vor Ort und kontrollierte die Temperatur. Fiel diese unter den Gefrierpunkt, stellte er die Berieselungsanlagen an. Eine aus dem Wasser entstehende Eisschicht sollte die 4,5 Hektaren grosse Anbaufläche vor Frost schützen.
Weiter hat der Frost auch auf dem Spargel- und Steinobstbetrieb Gisler in Chur Schäden hinterlassen. «Alles, was aus dem Boden herausschaut, ist abgefroren», so Landwirt Hanspeter Gisler. Betroffen seien vor allem Grünspargeln und Zwetschgen. Aber auch Aprikosen und Pfirsiche hätten beträchtlichen Schaden genommen. Wie hoch die Ausfälle sind, konnte Gisler noch nicht beziffern. «Wir sprechen aber von mindestens 20 Prozent Ernteausfall.» Gisler ergriff keinerlei Schutzmassnahmen gegen die eisigen Temperaturen.
Auch in der Justiz Vollzugsanstalt Realta ist die Kälte ein Thema: Am 13. Mai eröffnet die neue Gärtnerei mit Hofladen. Die Bauarbeiten die laufen auf Hochtouren. Der anhaltende Frost macht aber auch den Verantwortlichen in der Gärtnerei zu schaffen. Sie frieren ihre Blüten ein, um so den Verlust zumindest ein wenig im Rahmen zu halten.
Auch Bienen und Vögel frieren
Und wie sieht es bei den Tieren aus? «Kälte ist für Bienen und andere Insekten ein Problem. Sie haben lieber warm als kalt», sagte Andreas Pfister vom Bündner Bienenzüchterverband auf Anfrage von Radio Südostschweiz. Eine kurze Kälteperiode halten Bienen jedoch aus, weil sie selbst heizen können, so Pfister weiter.
Bienen überwintern im Kern bei 20 Grad. Im Frühjahr steigern sie die Temperatur auf 35 Grad. Das benötigt laut Pfister viel Energie und Futter. Ist nun das benötige Futter nicht vorhanden oder können Bienen während einer Woche nicht ausfliegen, versiegt der Futterstrom.
Zudem rücken Bienen zum Wärmeerhalt zu einer Traube zusammen und können ihre Brut an der Peripherie nicht mehr wärmen können. Das kann laut Pfister zu Brutschäden führen. Und: «Bei der aktuellen Kälte legen Königinnen keine Eier», so Pfister
Und wie geht es den Vögeln, wenn es im April einen Kälteeinbruch gibt? «Jene Vögel, die im Moment bei uns sind, sind meist gut angepasst. Langstreckentiere, die mit der aktuellen Kälte Mühe bekunden, kommen erst Ende Monat/Anfang Mai in die Schweiz», so Livio Rey, Mediensprecher der Vogelwarte Sempach. «Vögel haben durch ihr Federkleid einen guten Schutz gegen die Kälte. Mehr Mühe bereitet die Nahrungssuche», so Rey weiter. Dadurch kehren Vögel in Tallagen oder Richtung Süden.
Philipp Wyss ist Wirtschaftsredaktor der gemeinsamen Redaktion der Zeitung «Südostschweiz» und der Internetseite «suedostschweiz.ch». Mehr Infos
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