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Zweite Hitzewelle des Sommers geht langsam zu Ende

Die zweite Hitzewelle des Sommers bringt die Schweiz weiter mit rekordverdächtigen Temperaturen zum Schwitzen. Während Meteorologen historische Werte vermelden, nehmen die Naturgefahren stetig zu. In der Romandie kommen die Behörden den dürregeplagten Bauern entgegen.

Agentur
sda
Donnerstag, 25. Juli 2019, 18:14 Uhr Bern

Auch am Donnerstag purzelten die Wetterrekorde. Schon am Vormittag kommunizierte Meteo Schweiz «die wärmste Tropennacht seit 1935». Demnach sank in Locarno-Monti TI das Thermometer in der Nacht nicht unter 25,2 Grad.

Auf dem Basler Hausberg St. Chrischona war es gemäss SRF Meteo sogar 27,4 Grad warm. Dort wird aber nicht am Boden gemessen. An zahlreichen weiteren Orten sanken die Temperaturen nachts nicht unter 20 Grad. Die Meteorologen sprechen in diesem Fall von einer Tropennacht.

Im Norden am heissesten

Mitte Nachmittag stieg das Quecksilber in der Nordschweiz auf knapp oder über 37 Grad. Die Spitzenwerte verzeichneten Basel/Binningen mit 37,4 Grad, Würenlingen AG mit 37,3 Grad und Leibstadt mit 37,2 Grad. Damit war es wärmer als beispielsweise in vielen südlichen Ferienorten wie Kairo, Athen, Ibiza oder Lissabon.

Der Schweizer Jahreshöchstwert vom Vortag mit 38,0 Grad in Sitten blieb aber unerreicht. Das dürfte auch an Freitag so sein. Bevor ab Samstag laut Prognosen eine deutliche Abkühlung zu erwarten ist, wird es aber noch mal ähnlich heiss.

Schlechte Luftqualität

Verschiedene Kantone warnen in diesen Tagen erneut vor den aktuell hohen Ozonwerten. Wie während der letzten Hitzewelle von Ende Juni liegen die Ozonwerte vor allem im Südbünden und im Tessin deutlich über dem Grenzwert von 120 Mikrogramm pro Kubikmeter (μg/m3).

Zahlen der Konferenz der Umweltschutzämter (KVU) zeigen: Den Spitzenwert erreichte am Mittwoch Roveredo GR mit 234 μg/m3. Auch in Thônex-Foron GE und an verschiedenen Tessiner Messstellen wurden über 200 μg/m3 gemessen. Der europäische Alarmwert von 240 μg/m3 wurde aber noch nicht überschritten.

In Sitten, wo in diesem Jahr bisher die meisten Tages-Rekordwerte verzeichnet worden sind, haben die Stadtbehörden einen Hitzewellenplan verabschiedet. Dieser sieht beispielsweise vor, die Arbeitszeiten von Strassenarbeiten auf Autobahn jeden Tag um neunzig Minuten zu reduzieren. Die Gemeinde kommt für die Ausfälle auf.

Kein Wasser vergeuden

Neben der Hitze macht Pflanzen, Tieren und Menschen auch die Trockenheit zu schaffen. Ausser in der Nordostschweiz herrscht in allen Gebieten «erhebliche» Waldbrandgefahr, das ist die mittlere von fünf Stufen.

Zahlreiche Kantone mahnen die Bevölkerung denn auch zur Vorsicht mit Feuer im Freien und Rücksicht bei der Wasserentnahme. Gerade beim Feuern im Freien gelte es, entsprechende Vorsichtsmassnahmen einzuhalten und im Wald ausschliesslich die befestigten Feuerstellen zu nutzen. Zudem wird die Bevölkerung angehalten, bei Wasserentnahmen aus Flüssen und Bächen Zurückhaltung zu üben.

Gute Neuigkeiten gibt es für Feuerwerk-Liebhaber im Kanton Aargau: Dort rechnen die Behörden nicht mit einem absoluten Feuerverbot auf den 1. August. Der Kantonale Führungsstab will die Lage am Montag neu beurteilen.

Ballenpressen überhitzen

Bereits am Mittwoch hielt die anhaltende Trockenheit verschiedene Feuerwehren auf Trab. Ein Feuer in einem Getreidefeld im luzernischen Büron vernichtete rund sieben Hektaren Land. Der Brand dürfte in einer Ballenpresse ausgebrochen sein, in der sich Reststroh entzündete. Auch in den Luzerner Gemeinden Schüpfheim und Mauensee kam es zu Bränden.

Im zürcherischen Altikon setzte eine defekte Ballenpresse ein Stoppelfeld in Brand. Wegen der Trockenheit geriet über eine Hektare Ackerfläche in Flammen. Der Sachschaden beträgt rund 80'000 Franken.

Hilfe für Bauern

Hilfe erhalten seit Mittwoch von Dürre geplagte Bauern in der Westschweiz: Wegen der anhaltenden Trockenheit dürfen die Landwirte in den Kantonen Waadt, Freiburg und Neuenburg ihre Nutztiere auch auf sonst geschützten Wiesen weiden lassen. Am Donnerstag zog nun auch der Kanton Jura nach.

Dies verhindere, dass Landwirte die für den nächsten Winter geplanten Reserven verfüttern müssten, teilten die Behörden mit. Die Anordnung gilt für ganzjährige Betriebe und nicht für Sömmerungsweiden.

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