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Nach dem blauen Auge die blauen Trauben

Nach den Frostnächten Ende April hat bei den Trauben in der Bündner Herrschaft der Farbumschlag eingesetzt. Die Vegetation hat sich erholt und inzwischen gar einen Vorsprung. Es dürfte früh gewimmelt werden.

Philipp
Wyss
09.08.17 - 05:00 Uhr
Leben & Freizeit
Erste verfärbte Beeren deuten die Reifephase der Trauben an.
Erste verfärbte Beeren deuten die Reifephase der Trauben an.

Blenden wir zurück: Ende April bescherte Frost den Winzern in der Bündner Herrschaft im wahrsten Sinne schlaflose Nächte. Unmittelbar danach sprach man von einem Ertragsausfall bei den Trauben und damit beim Weinjahrgang 2017 von 30 bis 40 Prozent.

«Inzwischen hat sich die Natur recht gut erholt, sagte Georg Fromm auf Anfrage. Teilwiese seien so genannte schlafende Augen oder Nebenaugen ausgetrieben, was so nicht zu erwarten war, so der Präsident der Bündner Weinbauervereinigung. Das sagt auch der Bündner Rebbaukommissär Hans Jüstrich: «In einzelnen Parzellen sieht man von den Frostschäden nichts mehr.»

«Schlafende oder Nebenaugen werden beim Erlesen normalerweise weggenommen, treiben also in der Regel gar nicht aus», so Fromm weiter. Deshalb fehlte bislang die Erkenntnis, ob und allenfalls wie stark sie austreiben und den Schaden eindämmen können.

Ertragsausfall 20 bis 30 Prozent

Auf jeden Fall ist die aktuelle Situation in den Bündner Rebbergen laut Fromm fruchtbarer, als zunächst angenommen. «Der heutige Stand ist auf jeden Fall besser als erwartet.» Dennoch sei es noch etwas früh für einen Ausblick auf den Ertrag des Weinjahrgangs 2017.

In Fläsch, Maienfeld, Jenins und Malans werde der Ertrag höher ausfallen, als im Frühjahr angenommen. Fromm betont aber, dass das Prognosen sind und die kommenden Wochen entscheidend seien. Einige Winzer mit Rebbergen in Extremlagen in Malans und auch Jenins bleiben hart getroffen. Jüstrich schätzt den Ertragsausfall wegen den kalten Nächten auf 20 bis 30 Prozent.

Frühes Wimmeln

Die Natur hat aber nicht nur ausgeglichen, sie hat inzwischen einen Zeitvorsprung. Denn seit Kurzem hat der Farbumschlag eingesetzt. Zudem sind die Trauben mehrheitlich sehr kompakt als Folge der guten Blühbedingungen, wie Jüstrich erklärt. Im Vergleichswingert Markstaller in Malans, in dem das landwirtschaftliche Bildungszentrum Plantahof Daten erhebt, wurde für den Farbumschlag der 7. August festgehalten, exakt wie vor zwei Jahren. Nur 2011 (1. August) und 2007 (2. August) setzte der Farbumschlag in den vergangenen zwölf Jahren früher ein. Damals begann das Wimmeln Anfang Oktober. Für heuer rechnet Jüstrich bereits Ende September mit der Hauptlese. Und in frühen Lagen wie beispielsweise der Fläscher Halde dürfte das Wimmeln noch früher beginnen.

Mit dem Verfärben und Weichwerden der Beeren wird die Reifephase optisch sichtbar und das Wachstum abgeschlossen. Bei Rotweinsorten wird die Beerenhaut rotblau, Weissbeeren werden gelblich.

Philipp Wyss ist Wirtschaftsredaktor der gemeinsamen Redaktion der Zeitung «Südostschweiz» und der Internetseite «suedostschweiz.ch». Mehr Infos

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