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Sommerurlaub in Zeiten von Corona: Wo Conte & Co eine Auszeit planen

Urlaub machen in Zeiten von Corona: Gerade für Spitzenpolitiker ist das eine heikle Angelegenheit. Nach dem mehr als 91 Stunden dauernden Sondergipfel in Brüssel dürften sich allerdings zumindest der eine oder andere Staats- und Regierungschef nach ein bisschen Erholung sehnen. Wer plant was in diesem sehr besonderen Sommer? Ein Überblick:

Agentur
sda
Montag, 27. Juli 2020, 12:33 Uhr Brüssel
Giuseppe Conte, Premierminister von Italien, beim EU-Gipfel Mitte Juli. Foto: Stephanie Lecocq/EPA Pool/AP/dpa
Giuseppe Conte, Premierminister von Italien, beim EU-Gipfel Mitte Juli. Foto: Stephanie Lecocq/EPA Pool/AP/dpa
Keystone/EPA Pool/AP/Stephanie Lecocq

ITALIEN: Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte hat zwar wegen der Corona-Pandemie harte Monate mit nächtlichen Krisensitzungen hinter sich - er wäre vermutlich absolut urlaubsreif. Trotzdem will sich der 55-jährige, parteilose Jurist wohl «nur ein paar Tage frei» gönnen, so beschrieb es ein Sprecher. Er werde wahrscheinlich in der Nähe Roms bleiben, vielleicht auch zu seinen Eltern fahren. Schliesslich hat auch die Hauptstadt einiges zu bieten: Unlängst hatte Conte sich beim Open-Air-Kino mit seiner Freundin amüsiert. Den 60 Millionen Italienern riet er im Frühjahr, sie sollten im eigenen Land Urlaub machen. Denn Italiens Tourismusbranche kommt wegen der Corona-Krise nicht in Schwung.

Contes politischen Gegner, Oppositionsführer Matteo Salvini von der rechten Lega, zieht es an die Riviera der Adria. Aber nur für «einige Tage», wie ein Sprecher betonte. Der 47-Jährige werde im Sommer in den Wahlkampf für Regionalwahlen ziehen, die im September geplant sind. «Ganz sicher wird er in Italien bleiben, wie immer!» Im Vorjahr hatte Salvini, damals noch Innenminister, Wahlkampf in Badehose am Sandstrand und im Gummiboot gemacht. Seine Gegner sahen darin einen Tiefpunkt in Sachen des guten Geschmacks. Salvini kippte in dieser Phase die Koalition - und kämpft nun um neue Aufmerksamkeit und ein Comeback.

SPANIEN: Das spanische Staatsoberhaupt, König Felipe VI., und seine Familie verbringen ihren Sommerurlaub traditionell auf Mallorca. Auf der Baleareninsel im Mittelmeer sind die Temperaturen erträglicher als in der Bruthitze der Hauptstadt Madrid, wo das Thermometer tagsüber im August oft fast 40 Grad anzeigt. Auf Mallorca stehen dem Staatsoberhaupt (52) sowie Königin Letizia (47) und ihren beiden Töchtern, Kronprinzessin Leonor (14) und Sofía (13), und dem emeritierten Königspaar Juan Carlos I. (82) und Sofía (81) ein kleiner Palast zur Verfügung. Er heisst Marivent, was so viel wie Meer und Wind bedeutet und liegt auf einem Felsen direkt am Wasser.

Marivent gilt vor allem als Lieblingsort der Mutter des Königs, der in Griechenland geborenen Sofía. Ausserhalb der Sichtweite der Öffentlichkeit können die Mitglieder der königlichen Familie dort auch mal barfuss gehen und entspannt sein, schrieben spanische Medien in früheren Jahren. Der Königsfamilie steht auch eine Yacht für Segelausflüge zur Verfügung.

An den öffentlichen Stränden oder gar am Ballermann sind die Royals während ihres Urlaubs noch nie gesehen worden. Und ob es in diesem Corona-Sommer, der anders als alle früheren ist, überhaupt etwas mit dem Urlaub am Mittelmeer wird, darüber hat die Königsresidenz Palacio de la Zarzuela in Madrid noch nichts mitgeteilt.

Andere in Deutschland bekannte Politiker wie Regierungschef Pedro Sánchez oder sein Vize Pablo Iglesias teilen nie vorher mit, ob, wie und wo sie Urlaub machen.

DÄNEMARK: Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen (42) hat den schönsten Tag des Sommers vermutlich schon hinter sich. Sie heiratete am 15. Juli nach mehrmaligem Aufschub wegen beruflicher Verpflichtungen endlich ihren Lebensgefährten Bo Tengberg. Die beiden liessen sich in einer kleinen Kirche auf der Ostsee-Insel Møn trauen, wo sie ein Sommerhaus haben. Eigentlich hatte die Hochzeit erst ein paar Tage später gefeiert werden sollen, für diesen Termin wurde dann aber der EU-Sondergipfel zum milliardenschweren Corona-Hilfspaket einberufen.

SCHWEDEN: Für den schwedischen Regierungschef Stefan Löfven (63) könnte der Brüsseler Gipfel die einzige Auslandsreise des Sommers bleiben: Viele Länder in Europa lassen die Schweden weiterhin wegen ihrer vergleichsweise hohen Infektionszahlen nicht ins Land - das gilt auch für Toppolitiker, sofern sie sich nicht auf Dienstreise befinden. Den Sommer verbringt Löfven nach Angaben seines Büros diesmal sowohl in Stockholm als auch in der nahe gelegenen Region Sörmland sowie in nördlicheren Gefilden, nämlich in der Kleinstadt Örnsköldsvik, in der er früher als Schweisser gearbeitet hatte. Ganz abschalten wird der Sozialdemokrat nicht können: Er und sein Kabinett haben keinen Urlaub im klassischen Sinne, sondern immer Bereitschaft - und zwar jeden Tag, das ganze Jahr über.

FRANKREICH: Wo Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (42) und seine Ehefrau Brigitte ihren Sommerurlaub verbringen werden, ist noch offen. Medien spekulieren aber, dass es sie wieder in die malerische Mittelmeerresidenz Fort Brégançon an der Riviera ziehen könnte. Die Macrons hatten dort bereits in den vergangenen Jahren ihre Ferien verbracht. Das der Küste vorgelagerte historische Gebäude aus dem 17. Jahrhundert mit einem grossen Garten dient seit rund 50 Jahren als gelegentliche Unterkunft der französischen Staatschefs. Macron hatte dort im vergangenen Sommer den Gipfel der grossen Industrieländer (G7) vorbereitet und Russlands Präsident Wladimir Putin empfangen. Wegen der Corona-Krise ist auf jeden Fall zu erwarten, dass die Macrons ihren Urlaub in Frankreich verbringen werden.

GROssBRITANNIEN: Der britische Premier Boris Johnson hat offiziell keine Urlaubspläne verkündet. Vielleicht stehen aber in den Ferien verstärkt Windelwechseln und Kuscheln an: Ein Regierungssprecher hatte nach der Geburt von Johnsons Sohn Wilfred nämlich angekündigt, dass der Premier später im Jahr eine kurze Auszeit für den Nachwuchs nehmen wolle. Bislang habe er noch keine Zeit gefunden, sich damit zu befassen, sagte Johnson (56) kürzlich dem Radiosender LBC. Er und seine 24 Jahre jüngere Verlobte Carrie Symonds waren Ende April Eltern geworden - erst kurz zuvor war Johnson nach einer Covid-19-Erkrankung in seinen Amtssitz zurückgekehrt.

EU: Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (61) würde im August gerne zwei Wochen zuhause auf dem Dorf bei Hannover mit Familie, Garten und Tieren verbringen. So verbringt sie seit Jahren ihre Ferien - wenn es denn ihr Job ermöglicht. Letztes Jahr gab es für sie beispielsweise keinen einzigen Tag richtigen Sommerurlaub.

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