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Rothaarige treffen sich im Jura erstmals zu Festival

Über 200 Personen haben am Wochenende in Les Breuleux JU am ersten Rotschopf-Treffen in der Schweiz teilgenommen. Initiant François Vorpe wollte den Rothaarigen damit eine Stimme geben und die Öffentlichkeit für deren nicht immer einfaches Leben sensibilisieren.

Agentur
sda
Sonntag, 01. Dezember 2019, 12:38 Uhr Bern

Das «Festival des roux» fand am Freitag und Samstag statt und wurde von 200 bis 250 Personen besucht. Eine Bilanz, die zahlenmässig etwas unter den Erwartungen liegt, wie Vorpe eingestand. Qualitativ zeigte er sich aber zufrieden. An der Veranstaltung waren auch Nichtrothaarige willkommen - und in der Mehrzahl.

«Es gibt da noch viele Hemmungen, gerade bei den Männern», stellte Vorpe fest, der ein Bestattungsunternehmen führt, und auch schon ein Buch («La vie en Roux») zum Thema geschrieben hat. Viele Männer versteckten ihre Haare unter Kapuzen oder Mützen. Viele hätten ihm mitgeteilt, sie kämen nicht, weil sie sich genierten oder nicht ausstellen lassen wollten wie «Tiere auf einem Viehmarkt». Echte rothaarige Teilnehmende waren in Les Breuleux fast nur Frauen.

Vorurteile und Stigmatisierung abbauen

Medial stiess der Anlass indes auf ein beträchtliches Echo. «Das ist denn wohl auch der grösste Erfolg», meinte Vorpe. Damit sei eine Debatte angestossen. Denn es brauche in diesem Zusammenhang eine Mentalitätsänderung. Es gehe darum, Vorurteile und Stigmatisierungen abzubauen, unter denen viele Rothaarige leiden würden, vor allem Kinder und Jugendliche.

Er habe seine roten Haare wie eine Behinderung erlebt, sagte Vorpe im Interview mit Keystone-SDA-Video. «Man sieht es oft in den Blicken der Menschen, dass man irgendwie nicht dazu gehört. Am schlimmsten ist das, wenn man aufwächst. Das war oft deprimierend.»

«Einige Sorgen gemacht»

Die rothaarige Festivalbesucherin Stéphanie Reynaud bestätigte: «Was ich in der Schule erlebt habe, war doch sehr schwierig.» Als sie und ihr Partner sich für Kinder entschieden hätten, habe sie sich doch «einige Sorgen gemacht». Ihre Kinder hätten sich zwar auch das eine oder andere anhören müssen. Es sei aber um einiges harmloser gewesen als in ihrer eigenen Kindheit.

Teilnehmerin Mélanie Capelli wiederum nimmt es lockerer: «Ich habe wegen meiner roten Haare keine Komplexe, im Gegenteil, es ist ein Merkmal, das mich einzigartig macht.» Viele würden sich heute ihre Haare sogar rot färben. «Rot ist eine schöne, leuchtende Farbe.» Es sei ihr aber bewusst, dass andere Rothaarige grössere Probleme damit haben.

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