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König der Scheinwelt

Mit kitschigen Lebensweisheiten sammelte Samedin Selimovic aus Amden «Likes» in den sozialen Medien. Nun meldet er sich nach einer längeren Pause zurück – mit einem Buch und mit Selbstkritik.

Ramona
Nock
Donnerstag, 14. Februar 2019, 14:17 Uhr Insta-Poet aus Amden
Blick in die Bergwelt: Samedin Selimovic schätzt an seinem Wohnort Amden die Ruhe.
Ramona Nock

Von seinem Zuhause in Amden, hoch über dem Nebelmeer, schickte er seine Gedichte hinaus in die Welt. Und eroberte so mit rührseligen Zeilen das Internet. «Wenn du nachdenken musst, ob du liebst, dann liebst du nicht», sinnierte er etwa.

So hat sie begonnen, die Geschichte von Samedin Selimovic, dem «König der Likes», wie sie ihn nannten in den Medien, den «Social-Media-Star», den «Dichter, dem die Frauen vertrauen». 400 000 Personen – mehrheitlich junge Frauen – folgten ihm auf der Plattform Instagram und kommentierten seine Sprüche über das Leben und die Liebe.

Heute, drei Jahre später, gibt es ihn noch immer, Samedin Selimovic, «der mit den Sprüchen auf Insta». So zumindest, erzählt er, werde er auf der Strasse angesprochen, wenn er in Zürich unterwegs sei. Nun will er ein Buch veröffentlichen mit gesammelten Sprüchen und Metaphern aus seiner Feder. «Aus dem Kopf, mitten ins Herz» heisst es und soll am 19. Februar erscheinen.

Er trinkt einen Schluck Kaffee im Restaurant «Sonne» in Amden, den Blick auf die verschneite Bergwelt. Auf «Insta» findet man den 24-Jährigen noch immer – oder eigentlich: wieder. Denn lange Zeit war es ruhig geworden um den jungen Sprücheklopfer. Von den ursprünglich 400 000 Fans folgt ihm heute nur noch ein Bruchteil. Was ist passiert?

Die Sache mit den «Likes»

«Es war ein Boom», sagt Selimovic rückblickend. Vom Erfolg, vom Hype um seine Person, sei er damals regelrecht überrollt worden. Dass seine Gedanken so gut ankamen im Netz, habe er nicht erwartet. Ein Stück weit war es ein Teufelskreis, sagt er heute: «Je bekannter du bist, desto grösser der Druck, ständig etwas zu posten, was den Fans gefällt.»

Für Selimovic kam irgendwann der Moment, in dem er eine Pause brauchte. Er trennte sich von seinem Management und zog sich ein Jahr lang zurück aus den Social Media – einer Scheinwelt, wie er heute sagt. «Ich verbrachte zu viel Zeit am Handy, war ständig online», sagt er selbstkritisch.

Ein neues Kapitel

Trotzdem ist er heute zurück in jener Welt, die ihn einst berühmt machte. «Ich bekam Mails und Briefe von Personen, die meine Sprüche vermissten», schildert er. Auch ihm habe der Austausch mit seinen «Fans» gefehlt. Also setzte er seinen Account neu auf und begann wieder bei null. «Ich wollte ein neues Kapitel aufschlagen», sagt er. Noch immer schreibt er Sprüche und Metaphern über die Liebe, noch immer sind es mehrheitlich Frauen, die ihm folgen. Doch heute geht Selimovic nur noch halb so häufig ins Netz wie früher. Seine Sprüche schreibe er meist am Wochenende, betont er.

Mit seinem Buch gehe nun ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. «Ich wollte damit ein Stück meines Erfolges greifbar machen», erklärt Selimovic. Rund 600 Weisheiten hat er im Buch zusammengetragen. Nebst seinen typischen Kurzzeilern gibt es auf den 208 Seiten auch längere Anekdoten zu lesen. Ein Jahr lang hat der gelernte Detailhandelskaufmann mit bosnischen Wurzeln daran gefeilt. Ein Geschenk an seine Fans, auch das sei es.

Samedin, der Schriftsteller

Aktuell lebt Selimovic von seinem Ersparten, er sei auf Jobsuche und möchte wieder im Detailhandel Fuss fassen. Nebenbei möchte er weiterschreiben – denn damit könne er Dinge verarbeiten und seine Gedanken sortieren. «Was machst du beruflich?» – Was antwortet er auf diese Frage? «Ich bin selbstständig», sagt er, «Schriftsteller, Autor.» Er muss selber lachen ob dieser Antwort. Vielleicht gebe es ja eines Tages sogar mal ein zweites Buch.

Das Taschenbuch «Aus dem Kopf, mitten ins Herz» von Samedin Selimovic ist ab 19. Februar auf Amazon erhältlich.

 

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