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Eine Herausforderung nach 20 Jahren Showbiz

Bereits seit 20 Jahren steht er auf der Bühne. Bligg, der bürgerlich Marco Bliggensdorfer heisst, macht am Freitag mit seiner Tour «Kombination» auch Halt in der Bündner Hauptstadt. Vorher hat er uns im Medienhaus besucht und Radio Südostschweiz einiges über die Hintergründe seiner Tour erzählt.

Südostschweiz
Donnerstag, 17. Januar 2019, 04:30 Uhr Bligg über seine Tour

Bligg, Deine Tour läuft schon einige Zeit. Wie zufrieden bist Du bis jetzt?

Ich bin super zufrieden. Wir haben auf dieser Tour etwas Anderes gewagt als sonst. Wir spielen nicht nur Konzerte, sondern ein abendfüllendes Programm. Die Türe geht um 18 Uhr auf und es gibt Verpflegungsmöglichkeiten, Food-Stände und X Sachen neben der Bühne. So etwas habe ich in meinen 20 Jahren noch nie gemacht. Am Anfang waren wir uns nicht ganz sicher, ob es wirklich funktioniert und gut ankommt.

Das neue ist ja, dass es bei Deiner Tour einen Stammtisch und eine Stammbeiz gibt. Was genau muss man sich darunter vorstellen?

Man muss die beiden Sachen trennen. Die Stammbeiz ist eine Food-Ecke, wo man sich verpflegen kann. Es geht von Raclette über Burger und was man sonst noch alles so gerne hat. Der Stammtisch ist ein Element, das es schon seit April gibt – seit das Album «Kombination» rausgekommen ist. Wir haben ihn gemacht, weil ich einen Song auf dem Album habe, der Stammtisch heisst. Der Tisch kommt im Übrigen von einer Engadiner Lehrwerkstatt und ist aus Arvenholz. An der Plattentaufe kam der Tisch als Ehrengastplatz zum Einsatz. Sechs Leute hatten die Möglichkeit sitzend meine Show zu schauen. Ausserdem war er Protagonist im Videoclip zu meinem Song «Stammtisch».

Wir haben ihn auch jetzt als Ehrengastplatz oder VIP-Platz mit auf die Tour genommen. Die sechs Leute, die am Stammtisch sitzen dürfen, sind ein bunter Mix, da diese Tickets nur gewonnen werden können. Die Gewinner werden ausserdem mit Speis und Trank verpflegt und haben so ein Extra an der Show. Das Ziel ist eigentlich, dass wir den Tisch am Schluss der Tour für einen guten Zweck versteigern.

Du hast Dein Album und Deine Tour «Kombination» getauft. Was steckt hinter dem Titel?

Ich glaube ich bin bekannt dafür, dass ich ein sehr experimentierfreudiger Musiker bin. Ich bin sehr offen was Klänge, Instrumente, Texte und Sound angeht und ich wollte das in diesem Album ein wenig auf die Spitze treiben. Es ist zum einen meine Experimentierfreudigkeit oder meiner Kombinierfreudigkeit, zum anderen soll es ein musikalisches Abbild der Schweiz sein, wie sie 2018 dasteht. Ich finde wir sind auch eine «Kombination». Das beginnt bei den verschiedenen Landesprachen, und den vielen Dialekten auf sehr engem Raum.

Was war die Hauptherausforderung bei Deiner Tour für Dich als Künstler und die Planung der ganzen Show?

Das ganze Unterfangen ist eine sehr grosse Herausforderung. Es beginnt bei der Budgetkalkulation – wir produzieren so gut wie es geht alles selber. Ausser den Catering-Sachen, diese haben wir ausgelagert. Aber auch die Set-List – was für Songs gespielt werden – ist eine der grössten Herausforderungen. Was für Songs nimmt man als Künstler, der schon einen 20-jährigen Katalog mit dem einen oder anderen Hit hat? Man will die Leute und auch die älteren Fans nicht enttäuschen.

Rundum hat es natürlich auch viele technische Aspekte. Wir haben eine sensationelle Lichtshow dabei. Ausserdem will vieles auch logistiktechnisch geregelt werden und so weiter. Da müssen alle Zahnrädchen – und das sind nicht wenige – ineinander hineinlaufen, dass das im wahrsten Sinne des Wortes alles gut über die Bühne geht.

Wie schwierig fällt es Dir – je länger Du im Musik-Business tätig bist – Dich auf die Songs zu einigen? Irgendwann muss man sich doch sagen: Ich kann nicht eine vierstündige Show spielen.

Vielleicht sollte ich das einmal machen und tatsächlich eine vierstündige Show spielen. Mein Rekord liegt bei rund drei Stunden. Bei der «Service Publigg Tour» haben wir wirklich ein sehr langes Programm gehabt. Diesmal sind mir 90 Minuten lieber, dafür aber knackig. Ich habe mittlerweile vier Generationen in meinem Publikum drin: Es gibt Leute in meinem Alter, die meine Sachen gefeiert haben als ich begann und irgendwann abgesprungen sind, weil Bligg zu kommerziell geworden ist. Dann gibt es Neueinsteiger. Mittlerweile sind das Kinder von denen die damals «Rosalie» gehört haben. Es ist eine Kunst den Leuten gerecht zu werden.

Ich hätte zum Beispiel einmal Lust auf eine Show – es muss nicht gleich eine ganze Tour sein – wo ich nur meine älteren Klassiker bringe. Als Konzept eine Art Wunschkonzert, wo man den Leuten Songs bis zu einem gewissen Jahrgang zur Verfügung stellt und sie so die Track-List selber zusammenstellen können. Doch das ist Zukunftsmusik. Und wehe ein Musiker klaut mir diese Idee! Ich weiss genau wo die Wurzel liegt.

Geniesst Du eigentlich das Tour-Leben wenn Du unterwegs bist oder bist du auch froh, wenn es dann vorbei ist?

Nein, ich bin nicht froh wenn es vorbei ist. Ich stehe sehr gerne auf der Bühne – es ist eigentlich fast das, was ich im liebsten mache. Es ist aber nicht mehr so, dass ich in dem Alter bin, indem das ganze Leben nach der Tour ausgerichtet ist (im Hotel schlafen, Party machen und so weiter.). Ich bin 42-jähriger Familienvater, der wenn die Show fertig ist, noch mit seiner Band und allen anderen etwas trinkt. Aber ich versuche so oft wie möglich die Hotels zu umgehen, damit ich am nächsten Tag zuhause aufwache, wo mein Kleiner mich dann ab 8 Uhr braucht.

Tourdaten unter bligg.ch; Tickets unter ticketcorner.ch.

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