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Chris Strauch: «Meistens sind die Manager die Bösen und die Künstler die Guten»

Es gehört zu TV Südostschweiz wie die Butter aufs Brot: Das Promi-Format «Talk mit Strauch». Nach 15 Jahren wird am Donnerstag die letzte Sendung ausgestrahlt. Wir ziehen mit Moderator Chris Strauch eine Bilanz.

Carmen
Hartmann
Donnerstag, 27. Dezember 2018, 04:30 Uhr Nach 15 Jahren «Talk mit Strauch» ist Schluss
Nein, er geht nicht ganz: Als Moderator bei Radio Südostschweiz bleibt uns Chris Strauch selbstverständlich erhalten.
SÜDOSTSCHWEIZ

15 Jahre lang begrüsste Chris Strauch wöchentlich Schauspieler, Musiker, Künstler, Missen und so weiter auf seinem Talk-Sofa. «Ich sehe diese Zahl und frage mich, wo diese Jahre nur hingegangen sind», meint der Talk-Master. Nun sei es aber an der Zeit für etwas Neues. Er freue sich auf die Zeit, in der er an neuen Ideen feilen kann.

Kannst Du Dich noch an Deinen ersten Talk erinnern?

Das war wirklich ein ganz spezielles Gefühl – vor allem war ich unheimlich nervös, daran kann ich mich noch gut erinnern. Auf der einen Seite hatte ich beinahe gar keine Talk-Erfahrung und auf der anderen Seite suchte ich mir auch nicht unbedingt das einfachste Thema aus. Mein Gast in der ersten Sendung war nämlich Anita Chaaban, Initiantin der Verwahrungsinitiative. Ein hochbrisantes politisches Thema also, das viel zu diskutieren gab. Ein heisses Eisen! Irgendwie habe ich es dann geschafft und soweit ich mich erinnern kann, waren die Reaktionen darauf sehr positiv.

Was mir vor allem geblieben ist, sind die Legenden, die heute nicht mehr unter uns sind.

Der «Talk mit Strauch» war eigentlich nicht als politisches Format gedacht, sondern sollte der Unterhaltung dienen. Du durftest in der Folge unzählige Stars und Sternchen bei Dir auf dem Sofa begrüssen. Sticht da jemand heraus?

Das ist eine Frage, mit der ich eigentlich hätte rechnen müssen. Ich kann sie fast nicht beantworten. Was mir vor allem geblieben ist, sind die Legenden, die heute nicht mehr unter uns sind. Es ist für mich eine grosse Ehre, diese Menschen getroffen und sogar mit ihnen geplaudert zu haben. Dazu gehören der Schauspieler Walter Roderer, Schauspielerin Stefanie Glaser, alt Bundesrat Leon Schlumpf, «Kasperli» Jörg Schneider und so weiter. Alle diese Menschen sassen bei mir auf dem Sofa – ein unglaublicher Fundus, wofür ich sehr dankbar bin. Und es ist wirklich so: Bei jedem Gespräch, das man macht, hallt irgendetwas nach – positiv oder negativ. Nach dem Talk ist immer auch eine Zeit, in der man reflektiert und sich weitere Gedanken zu den einzelnen Personen macht.

Einmal dachte ich, mein Gast läuft mir davon.

Gab es einmal einen Talk, der so richtig in die Hose ging?

Zum Glück nicht so richtig, aber ich kann mich an eine Situation erinnern, wo ich dachte, mein Gast läuft mir davon. Das war bei einem Talk mit dem Rapper Stress. Wir verstehen und wirklich gut aber bei diesem Gespräch war er gerade in einer schwierigen Phase. Es war kurz nach der Trennung von Melanie Winiger und ich war ein wenig unsensibel und bohrte einen Tick zu lange in diesem Thema. Das ganze Team spürte, jetzt geht es nicht mehr lange und er steht auf. Als ich das merkte, konnte ich das Gespräch doch noch kippen und er blieb dann auch – bis zum Schluss.

Je «grösser» die Stars sind, um so einfacher zu behandeln sind sie.

Du warst jahrelang so nahe an den Promis dran, wie wahrscheinlich nur die wenigsten. Was nimmst Du daraus für Erkenntnisse mit?

Das Bild aus den Medien, das man von einem Künstler hat, entspricht oft nicht der Wahrheit. Es gab einige, von denen ich nicht viel erwartete und sich dann herausstellte, dass das eigentlich ganz sympathische und angenehme Menschen sind. Mühsam waren eigentlich eher die Manager, quasi die Bösen, während die Promis selbst die Guten waren. Eine Tendenz, die ich so erlebte, ist auch: Je «grösser» die Stars sind, um so einfacher zu behandeln sind sie. Jene, die gerade erst an Bekanntheit gewinnen, sind da schon etwas anstrengender.

Campino sagte mir: 'Du hast meinen Tag gerettet.'

Was war dein persönliches Highlight in 15 Jahren «Talk mit Strauch»?

Es gäbe unzählige Highlights, die ich aufzählen könnte. Der berühmteste Künstler – wenn es um verkaufte Platten geht – war wahrscheinlich Thomas Anders von Modern Talking. Für mich ein ganz schönes Erlebnis war auch der Talk mit Herbert Grönemeyer, ebenfalls ein Grosser aus Deutschland. Da ich ein grosser Fan der Ärzte und Toten Hosen bin, bleiben natürlich auch die Talks mit Bela B. und Campino unvergessen. Campino erzählte ich übrigens, dass mein erstes Album eines der Toten Hosen war, was ihn zum Schmunzeln brachte und sehr freute. «Du hast meinen Tag gerettet», meinte er. Und wenn wir gerade in Deutschland sind: Einmal sprach ich mit Thomas D von der Gruppe Die Fantastischen Vier, von dem ich eine bis damals unbekannte Geschichte erfuhr. Das war im Jahr 2004 als er mir erzählte, dass er bei der Tsunami-Katastrophe in Indonesien selbst vor Ort war und nur mit viel Glück überlebte. Genau solche Gespräche sind es, die den Talk für mich zu etwas ganz Speziellem machen.

Ich fühle mich nicht als Promi.

Nach 15 Jahren Fernsehpräsenz bist auch Du selbst zu einem lokalen Promi geworden. Gefällt Dir das?

Also zuerst einmal Danke, dass du mich als Promi bezeichnest. So fühle ich mich nämlich nicht (lacht). «Das ist doch der vom Talk», höre ich schon ab und an. Man wird vor allem viel beobachtet, sei das beim Einkaufen oder auf der Strasse. An schönsten finde ich es, wenn ich direkt angesprochen werde. So kann man sich kennenlernen und ein wenig austauschen. Das andere finde ich eher schwierig, da man nicht wirklich reagieren kann. Aber ja, grundsätzlich ist es auch ein schönes Gefühl.

Die letzte Sendung «Talk mit Strauch» wird am Donnerstag, 27. Dezember, ab 18:30 Uhr ausgestrahlt. Zu Gast: der Gastgeber selbst, Chris Strauch.

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