×

Roy Sjögren hält zur Schweiz – aber auch zu Schweden

Roy Sjögren, der eine Tennisschule in Kaltbrunn betreibt, ist schweizerisch-schwedischer Doppelbürger. Beim WM-Spiel heute hält er vor allem zur Schweiz, aber auch ein bisschen zu Schweden. Welcher Nation er die Daumen drückt, variiert.

Christine
Schibschid
Dienstag, 03. Juli 2018, 04:30 Uhr Porträt eines Fans aus jedem Gegnerland
Schweiz und Schweden: Die Sjögrens posieren mit Wimpeln beider Länder.
CHRISTINE SCHIBSCHID

Auf die Frage, zu wem er beim WM-Achtelfinal der Schweiz gegen Schweden heute Abend hält, muss der schweizerisch-schwedische Doppelbürger Roy Sjögren lange überlegen. Die Antwort fällt ihm nicht leicht. Er tendiert zur Schweiz, irgendwie hat er verständlicherweise aber auch etwas für Schweden übrig. Seine Frau Michèle Sjögren-Strebel, selbst Schweizerin, schaltet sich ein: «Ich denke, er ist zu 60 Prozent für die Schweiz und zu 40 für Schweden. Dass er zu 100 Prozent zur Schweiz hält, wäre gelogen», sagt sie. Ihr Mann ist einverstanden: «Du musst es wissen, du kennst mich am besten.»

So einfach ist es dann aber doch nicht. Sjögren legt nach: Im Tennis-Davis-Cup sei er dieses Jahr für die Schweizer. Im Eishockey dagegen habe er immer zu Schweden gehalten. «Ausser zuletzt im WM-Endspiel, da hätte ich der Schweiz den Sieg gegen Schweden gegönnt.» Es sei «sehr, sehr schwierig», die Frage eindeutig zu beantworten, fasst Sjögren zusammen. Prinzipiell würde er es auch immer dem besseren Team gönnen, wenn es gewinne.

Ähnlich hin- und hergerissen wie Sjögren werden sich heute noch andere fühlen: Laut Zahlen des Bundesamtes für Statistik leben aktuell 7865 Schweden in der Schweiz.

Auf die Frage, ob der Tennislehrer etwas an seinem Heimatland vermisst, spricht er zunächst von der Weite der Landschaft und der Natur im relativ grossen Schweden. «Auch hier kann man in der Natur aber gut alleine sein», sagt er. Es fällt ihm nicht so recht etwas ein. Witzig sei, dass Schweden und die Schweiz in den USA immer wieder verwechselt würden. «Du sagst, dass du in der Schweiz lebst, und dann heisst es: ‘Oh, I know Björn Borg’.» Borg ist ein ehemaliger schwedischer Tennisspieler.

Training statt Fernsehen

Sjögren ist schon im Alter von 20 Jahren als Tennistrainer in die Schweiz gekommen. Er war Nationaltrainer und begleitete zum Beispiel die junge Martina Hingis oder den jungen Roger Federer an internationale Turniere. Heute betreibt er mit seiner Frau, einst selbst Profispielerin, die Sjögren’s Tennisschule in Kaltbrunn.

Während des Fussballspiels am Nachmittag steht Roy Sjögren auf dem Platz. «Ich kann leider nicht gucken, ich gebe Training.» Sjögren klingt aber ganz und gar nicht wie ein Fussball-Muffel. Für die WM findet er euphorische Worte: «Es ist toll, wie die Leute zusammen die Spiele gucken, wie überall die Fahnen hängen, wie die WM verbindet. Das bringt so viel für die Menschen.» Was das Sportliche angehe, sei das Erreichte für die Schweiz und Schweden bereits jetzt fantastisch, findet Sjögren.

Einen speziellen Schlachtruf, wie etwa die Isländer, hätten die schwedischen Fans nicht. Die rufen einfach «Heja Sverige, heja Sverige, heja Sverige», sagt Sjögren.

Fussball hat ähnlichen Stellenwert

Welches Land fussballbegeisterter ist, Schweden oder die Schweiz, kann er nicht sagen. Die Sportart sei in beiden Ländern etwa gleich beliebt. «Einen höheren Stellenwert als Fussball hat in Schweden sicher Eishockey. Die Nationalmannschaft ‘Drei Kronen’ ist unser grosser Stolz», sagt Sjögren. Es würden in Schweden aber sicher mehr Jugendliche Fussball spielen als Eishockey. «Man braucht dafür nicht so viel Ausrüstung. Jeder, der Schuhe hat, kann mitspielen», sagt er.

Die Atmosphäre beim gemeinsamen Zuschauen sei in der Schweiz und in Schweden ähnlich. Ein Bier und eine Wurst vom Grill wüssten auch die Schweden beim Fussballgucken zu schätzen.

So manch einer sieht sie vor seinem geistigen Auge vielleicht mit Knäckebrot vor dem Fernseher sitzen. Natürlich auf einer Ikea-Couch, durchs Fenster schaut am besten noch ein Elch. Muss man sich als Schwede in der Schweiz eigentlich viele Witze anhören, die auf diese Klischees anspielen? «Eigentlich nicht», sagt Sjögren. «Ich glaube, die Schweden haben einen ganz guten Ruf», fügt seine Frau hinzu.

Heisshunger auf Knäckebrot hätte ihr Mann aber schon ab und an. «Dazu gehört allerdings Kalles Kaviar», sagt Roy Sjögren. Das ist ein Brotaufstrich aus geräuchertem Rogen von Dorsch und Seelachs. Typisch für Schweden sei auch Surströmming, eine Fischspeise aus der Dose, die durch Säuerung konserviert wird. «Das ist speziell. Wenn man es öffnet, stinkt es. Da habe ich sogar manchmal Probleme», sagt Sjögren. «Ein Klassiker sind natürlich auch noch Köttbullar.»

Porträt eines Fans aus jedem Gegnerland
Die Schweizer Fussball-Nati kämpft heute in Russland um den Einzug ins Viertelfinale der WM. Dazu gibt es immer ein feines Rezept für alle, die an diesem Tag in die kulinarische Welt des Kontrahenten eintauchen möchten.

Köttbullar an Preiselbeer-Sauce

Zutaten (für 4 Personen)

Köttbullar (Fleischbällchen)

1 Scheibe Weissbrot (ca. 50 g)

½ dl Milch, heiss

500 g Hackfleisch (Rind)

1 Zwiebel fein gehackt

½ Bund glattblättrige Petersilie, fein geschnitten

¾ TL Salz

wenig Pfeffer

Bratbutter zum Anbraten

 

Preiselbeer-Sauce

1 dl Weisswein

1 dl Fleischbouillon

200 g Crème fraîche

2 EL Preiselbeeren aus dem Glas

¼ TL Salz, Pfeffer nach Bedarf

1 EL Preiselbeeren zum Garnieren

 

Zubereitung

Köttbullar

Brot in der Milch einweichen, zerzupfen, mit Fleisch, Zwiebel und Petersilie in eine Schüssel geben, würzen. Alles zu einer kompakten Masse verkneten, die nicht mehr an den Händen klebt. Mit nassen Händen baumnussgrosse Kugeln formen. Zugedeckt ca. 10 Minuten kühl stellen. Die Bällchen portionenweise in wenig Bratbutter unter gelegentlichem Wenden bei mittlerer Hitze je ca. 8 Minuten braten. Herausnehmen.

Preiselbeer-Sauce

Bratbutter in der Bratpfanne auftupfen. Wein und Bouillon hineingiessen, aufkochen, auf die Hälfte einkochen. Crème fraîche und Preiselbeeren darunterrühren, aufkochen, Hitze reduzieren, würzen. Bällchen wieder beigeben, bei kleiner Hitze ca. 5 Minuten köcheln. Vor dem Servieren mit Preiselbeeren garnieren.

Dazu passen Salzkartoffeln oder Kartoffelstock.

Rezept: www.fooby.ch

Kommentar schreiben

Kommentar senden