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Jonerin tanzt auf der Erfolgswelle

Jonerin tanzt auf der Erfolgswelle

Debora Rusch verwirklicht ihren Traum. Dabei mischt die Jonerin die Schweizer Tanzszene auf und sorgt auch 
im Ausland für Furore. Mit ihrer eigenen Company «Rus H our» bietet sie jungen Tänzern eine Plattform.

Milena
Caderas
04.11.17 - 04:30 Uhr
Stars & Sternli

Schon als kleines Mädchen sang und tanzte Debora Rusch in ihrem Kinderzimmer in Jona. Sie stellte sich dann vor, im Scheinwerferlicht der grossen Bühnen dieser Welt aufzutreten. Ihr erstes, begeistertes Publikum waren ihre Eltern und ihr älterer Bruder, die bis heute ihr «wichtigstes Publikum» bilden, wie sie sagt.
Im Alter von sechs Jahren begann Rusch mit Rhythmischer Sportgymnastik. Rund ein Jahrzehnt lang betrieb sie den Sport ambitioniert, nahm an mehreren nationalen Wettkämpfen teil. Spätestens jedoch bei einem Besuch als Zuschauerin im Theater 11 in Oerlikon wurde ihr klar: «Die Bühne ist ein Ort, der mich erfüllt, wie kaum ein anderer.»
Zwar wirkte die Show nach – trotzdem absolvierte die aufgestellte Blondine zunächst eine kaufmännische Ausbildung an der Business School in Zürich, die sie mit der Berufsmatura abschloss. Einen Bürojob zu machen, kann sich Rusch aber schlecht vorstellen.

Leidenschaft für den grossen Auftritt: Debora Rusch tanzt und singt, seit sie ein kleines Mädchen ist.

 

Auch kerzengerade und fliegend macht Rusch eine gute Figur.
LADIES OF HIP HOP UND CHRISTOPH DILL

Das Tanzwerk gelernt

An der Höheren Fachschule für Zeitgenössischen und Urbanen Bühnentanz in Zürich holte sich Rusch das nötige Rüstzeug als Profi-Tänzerin. Es handelte sich um eine dreijährige Vollzeit-Ausbildung. Hier habe sie das Tanztheater und zeitgenössischen Tanz erst so richtig kennengelernt – ihr tänzerischer Horizont erweiterte sich entscheidend. Die Liste der Tanzstile, in denen sie sich zu Hause fühlt, ist genauso lang, wie das Verschmelzen einzelner Stilrichtungen bei der gegebenen Vielfalt naheliegend: Hip Hop, House, Popping, Breaking und viele andere mehr. Hinzu kommen Elemente der Rhythmischen Sportgymnastik, von Contemporary, Ballett oder Jazz.
Wenn Rusch tanzt, taucht sie in ihre ganz eigene Welt ab – jenseits der Worte. Eigentlich sei sie ein ziemlicher Tollpatsch, sagt sie und lacht . «Aber auf der Bühne bin ich noch nie auch nur gestolpert.» Richtig erklären kann sie sich das nicht. Das braucht sie auch nicht, denn ihre Bewegungen beim Tanzen zeugen von totaler Körperbeherrschung. Scheinbar mühelos schafft sie die schwierigsten Schrittfolgen – sie lächelt, als sei es ein Kinderspiel, wenn sie hoch konzentriert ihren topfitten Körper durch den Raum wirbelt.

Aller Anfang muss nicht unbedingt schwer sein, wie Rusch in einem Bewerbungsvideo aus dem Jahr 2013 beweist:

Japan, New York und Hallenstadion

Seit gut einem Jahr ist Rusch nun freischaffend. In Wollerau, Wetzikon und Jona unterrichtet sie regelmässig Kinder und Erwachsene – von Hobby- bis zu Profitänzern. «Einfach ist es nicht, als Freiberuflerin Fuss zu fassen», erzählt die Künstlerin. So langsam habe sie ein wertvolles Netzwerk beisammen. Aus finanzieller Sicht bleibe die ökonomische und künstlerische Unabhängigkeit eine Herausforderung. «Ich lebe noch bei meiner Mutter», sagt Rusch, aber nicht ohne zu betonen, dass sie wohl auch zu Hause wohnen würde, wenn es aus Geldgründen nicht nötig wäre. «Meine Mutter und ich verstehen uns sehr gut.»
Obschon Rusch erst 24 Lenze zählt, kann sie bereits auf zahlreiche erfolgreiche Auftritte zurückschauen. Im Rahmen einer internationalen Frisuren-Modeschau ist sie beispielsweise in Japan aufgetreten. In China stand sie schon auf der Bühne, genauso wie in vielen weiteren Ländern in und ausserhalb Europas. In der Schweiz erreichte sie wohl das grösste Publikum mit dem Auftritt an den Swiss Music Awards im Hallenstadion.
Ihre Neugier geht weit über die regionale und nationale Tanzszene hinaus. Im vergangenen Juli trainierte Rusch vier Wochen lang in New York. «Es war noch besser, als es klingt.» Intensiv sei es gewesen. Rusch besuchte verschiedene Workshops und nahm an sogenannten Battles, Tänzerwettkämpfen, teil. «Alle Teilnehmer wollten wirklich», freut sie sich. Für Sightseeing oder Shopping blieb da keine Zeit mehr. «Ich habe mir höchstens ein paar oversize T-shirts gekauft, wie ich schon viele besitze.»
Die nächsten grossen Auftritte, die heute schon feststehen, wird Rusch im Oktober nächsten Jahres im Deutschen Lörrach und Saint Louis in Frankreich absolvieren.

Rusch posiert für ein Shooting in Zürich und verrenkt sich dabei ganz schön.
SANDOR NAGY

Ein ganzes Team im Hintergrund

Ihre Tanz-Leidenschaft soll Wurzeln schlagen und nachhaltig wachsen. Rusch ist daran, eine eigene Dance Company aufzubauen. «Das braucht Zeit,» weiss sie. Derzeit besteht das Kernteam aus vier Tänzerinnen. Je nach Choreografie kommen aber noch weitere dazu. Die Gruppe nennt sich «Rus H our». In der Schweiz gebe es geniale Tänzerinnen und Tänzer, weiss die Company-Gründerin.
Rusch möchte Talenten die Möglichkeit bieten, ihr volles Potenzial auf die grossen Bühnen zu bringen – und nicht bloss das schönste Lächeln oder das knappste Kostüm. Sie sollen eine persönliche Note entwickeln und neue Standards setzen. In der hiesigen Tanzszene sei vieles entweder sehr künstlerisch abstrakt oder sehr kommerziell. Sie suche einen Mittelweg, ohne sich allzu sehr auf das eine oder andere festzulegen. Ausserdem soll der Individualität der einzelnen Mitwirkenden Rechnung getragen werden.
Die eigene Stimme entdecken
Aber nicht nur dem Tanzen, auch dem Singen ist Rusch seit früher Kindheit verbunden. Gesangsunterricht habe sie nie gehabt, sagt die Jonerin. Ihrer Begeisterung für Musik tut das keinen Abbruch. Seit vielen Jahren ist sie Sängerin in der Band ihres Vaters Mathias Rusch. In letzter Zeit hat sie sogar eigene Songs geschrieben. Der Musik und ihrer Stimme will die Entertainerin künftig gerne mehr Platz einräumen. Bislang trennte sie Tanz und Gesang stets klar.
Rusch träumt von einer eigenen Show. «Ich könnte mir vorstellen, zu singen, während meine Company dazu tanzt», sagt sie. Dann hätte sie ihre beiden grossen Leidenschaften in einem einzigen Auftritt vereint. «Realistisch ist das im Moment nicht.» Aber die grössten Bühnenshows haben schliesslich noch nie in der Realität begonnen. Mit ihrer ganz persönlichen Geschichte möchte sie das Publikum verzaubern – wie damals im Kinderzimmer.

Weitere Videos von Rusch gibt es hier und auf Ruschs Youtube-Kanal:

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