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Ragettlis Comeback verzögert sich

Ragettlis Comeback verzögert sich

Einen Monat nach dem Prolog in Chur nimmt der Winter der Freeskier auf dem Stubaier Gletscher Fahrt auf. Doch noch sind nicht alle Topcracks wieder an Bord. Andri Ragettlis Comeback verzögert sich.

Agentur
sda
18.11.21 - 18:16 Uhr
Wintersport
Geduld ist gefragt: Andri Ragettli muss auf die Wettkämpfe auf dem Stubaier Gletscher verzichten.
Bild Lee Jin-man/Keystone

Wo steht Andri Ragettli? Vor dem Slopestyle-Auftakt mit der Qualifikation am Freitag und dem Final am Samstag lässt der grösste Schweizer Freeski-Trumpf für Peking die Öffentlichkeit im Dunkeln tappen. Ragettli gebe derzeit keine Interviews und auch keine Auskünfte zum Stand seiner Genesung, liess seine Medienbetreuerin ausrichten.

Befindet sich der 23-Jährige mit Blick auf die Olympischen Spiele im Februar im Wettlauf gegen die Zeit oder will er einfach nichts überstürzen? Klar ist: Das Comeback nach dem Kreuzbandriss und weiteren Bänderverletzungen im linken Knie im Frühjahr zieht sich hin. Der Wettkampf in Stubai findet ohne Ragettli statt.

Grosse Zuversicht im Oktober

Als Ragettli im Oktober sein Forfait für Chur erklärte, versprühte er Zuversicht. Der Heim-Wettkampf komme zu früh, aber die Vorbereitung auf Peking sei nicht beeinträchtigt, erklärte er. Gewohnt zielstrebig hatte sich der amtierende Slopestyle-Weltmeister und Social-Media-Künstler durch die Reha gekämpft, wie er auf seinen Social-Media-Kanälen von Zeit zu Zeit zeigte. Zum Auftakt der neuen Staffel seiner TV-Serie auf dem Sender «Blue» ist zu sehen, wie er den niederländischen Extremsportler Wim Hof besucht, mit diesem Kraftübungen absolviert und ein Eisbad nimmt. Auch die Rückkehr in den Schnee und auf die Schanzen ist dokumentiert.

Ungeachtet der Verletzungsgeschichte steigt Ragettli mit maximalen Ansprüchen in den Olympia-Winter. An seinen zweiten Winterspielen will er mit Gold schaffen, was ihm vor vier Jahren in Pyeongchang als Siebter noch misslungen ist.

Strategisches Geschick

Acht Monate nach der schweren Verletzung ist Ragettli noch nicht bei 100 Prozent, doch der Weg stimmt. Die Feinheiten, an denen Ragettli in den letzten Jahren abseits der Kameras gefeilt hat, um frühere Defizite auszubügeln, blieben zwar in seinen Videos verborgen, nicht aber den Konkurrenten und Jugdes. Vorbei sind die Zeiten, als die Style-Punkte unter seinen schwierigen Tricks litten. Insider verweisen inzwischen auf Ragettlis strategisches Geschick, etwa im Vergleich zu Teamkollege Fabian Bösch, der zwar Höchstschwierigkeiten springt, dafür von den Punktrichtern aber öfter schlecht belohnt wird.

Viel ausrechnen darf sich im Olympia-Winter trotzdem auch Bösch. Der Slopestyle- und Big-Air-Weltmeister von 2015 respektive 2019 mischt ebenfalls ganz vorne mit, und mit Kim Gubser ist ein dritter Swiss-Ski-Athlet in Tuchfühlung mit der Elite. In Sachen Flughöhe und Weite macht dem 21-jährigen Bündner schon lange keiner etwas vor.

Drei Trümpfe bei den Frauen

Bei den Frauen gehören die Olympiasiegerin von 2018, Sarah Höfflin, die Olympiazweite Mathilde Gremaud und die zweifache Weltcupsiegerin Giulia Tanno geschlossen zur Weltspitze. Alle drei verfügen über die Fähigkeiten, um im Februar um olympisches Edelmetall zu springen. 2018 hatten Höfflin und Gremaud einen sensationellen Doppelsieg gefeiert.

Im Weltcup errang Höfflin, die 30-jährige Neurowissenschaftlerin, die ihre sportlichen Anfänge in einer Skihalle in Manchester machte, bislang drei Siege, allesamt im Slopestyle. Die neun Jahre jüngere Gremaud gewann schon sechsmal, davon fünfmal im Big Air. Die Disziplin ist in Peking zum ersten Mal auch olympisch.

Tanno hinkt den Teamkolleginnen der Nationalmannschaft in der Statistik primär deshalb etwas hinterher, weil sie oft verletzt war. Zuletzt hat sich die Bündnerin Anfang des Jahres einen Armbruch zugezogen, und wegen einer ähnlichen Verletzung hatte sie vor vier Jahren auch in Südkorea gefehlt. Als Vierte meldete sie sich vor einem Monat beim Prolog in Chur zurück, zwei Ränge hinter Höfflin.

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SO schreibt:
Ragettli gebe derzeit keine Interviews und auch keine Auskünfte zum Stand seiner Genesung, liess seine Medienbetreuerin ausrichten. Als Ragettli im Oktober sein Forfait für Chur erklärte, versprühte er Zuversicht.
Ich schreibe:
Meine Diagnose: "Schneller, höher, weiter", die Krankheit man-made, an der die Welt offenbar zugrunde geht.
1) Richtig finde ich häufige aber niedrigdosierte Körperaktivität (Symbolisch: Schrittzähler).
Hingegen ungesund/destruktiv finde ich:
2) Inaktivität, Zuschauer/Couchpotatoes (SO titelte zu BigAir: Gimma: «Unfassbar viel Bier getrunken worden» und
3) Hyperaktivität, Spitzensport (SO 20.10.2021 titelt: Andri Ragettli muss passen: Der Bündner Freeskier und Slopestyle-Weltmeister, Andri Ragettli, wird am Big Air in Chur nicht an den Start gehen. Der Grossanlass am kommenden Wochenende muss ohne Botschafter Andri Ragettli auskommen. – Zurzeit erholt sich Ragettli von einer schweren Knieverletzung mit mehreren Bänderrissen und einer Schädigung des Meniskus).
Andri Ragettli finde ich das völlig falsche Vorbild für die Jugend und Welt.
Meine Diagnose: Audi-Werbespot:
https://www.youtube.com/watch?v=BNi3XT1CnBo
Merke: Die Dislikes werden bei diesem Video NICHT angezeigt – very "sportlich", isn’t it?