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«Habe immer noch nicht alles realisiert»

Alpin-Snowboarderin Xenia von Siebenthal schwebt immer noch auf Wolke sieben: Im Interview erzählt die 15-Jährige, wie sie die Junioren-WM und ihren Sieg im Parallelslalom erlebte.

Pascal
Spalinger
12.04.23 - 18:00 Uhr
Schneesport
Xenia von Siebenthal wurde in Bansko Junioren-Weltmeisterin.
Xenia von Siebenthal wurde in Bansko Junioren-Weltmeisterin.
Start Photo (Ivaylo Donchev)

DZ: Xenia von Siebenthal, wie haben Sie Ihre erste Junioren-Weltmeisterschaft erlebt?

Xenia von Siebenthal: Es war zunächst schon einmal cool, dass ich für die WM selektioniert worden war und mitgehen konnte. Der Aufenthalt in Bansko hat mir nicht nur der Goldmedaille wegen sehr gut gefallen. Wir waren nicht nur auf der Piste, sondern auch im Ort selber unterwegs und konnten ein wenig shoppen. Wir flogen von Kloten via Wien nach Sofia. Von dort fuhren wir mit Athletinnen und Athleten anderer Nationen mit dem Bus nach Bansko. Ich kannte viele bereits von anderen Rennen her. Zwei Tage ­haben wir trainiert und konnten uns an den bulgarischen Schnee gewöhnen. Am Freitag stand der WM-Parallel-Riesen­slalom auf dem Programm, in dem ich den zwölften Platz erreichte. Am Samstag fuhren wir den Parallelslalom, in dem ich die Goldmedaille holte. 

Wie haben Sie den Samstag denn so erlebt?

Ich fuhr in der Qualifikation die fünftschnellste Zeit, dachte mir aber noch nicht viel dabei. Zuvor war ich noch nie in einem internationalen Rennen weiter als in den Achtelfinal gekommen. Als ich dann im Viertelfinal Tsubaki Miki – Vize-Weltmeisterin bei den Aktiven aus Japan – besiegen konnte, fühlte sich ­alles unwirklich an. Cool war, dass ich jeweils mit dem Schneemobil vom Ziel zum Start hochgefahren wurde – das wollte ich auch sonst schon immer mal. Ich siegte auch im Halbfinal und Final gegen Weltcup-Fahrerinnen und konnte so den Weltmeistertitel erringen. Die Siegerehrung habe ich wie in Trance ­erlebt, und ich habe jetzt noch nicht alles total realisiert. Auch was danach folgte, war für mich neu: Etwa die Dopingkontrolle oder mein erstes Interview auf Englisch.

Welche Reaktionen haben Sie nach dem unerwarteten Sieg erhalten?

Ich erhielt viele Gratulationen, persönlich und über die sozialen Medien. Wir wurden in Kloten abgeholt, und danach stieg in Davos eine kleine Überraschungsparty mit Eltern, Verwandten und Kollegen. Das war cool. 

Sie besuchen die dritte Klasse der ­Talentschule Davos. Wie viele Stunden pro Woche trainieren Sie?

Ich kann mehrmals pro Woche trainieren und entweder an der Technik feilen oder im Kraftraum Muskeln aufbauen. Zudem haben wir an der Talentschule neun Stunden Sportunterricht. Auch dort kann ich viel profitieren.

Wie sind Sie mit Ihrer Saison zufrieden?

Für mein erstes FIS-Jahr bin ich sehr zufrieden. Ich bin Mitglied des nationalen B-Kaders sowie die Nummer 20 im Europacup. Und ich darf mich jüngste Junioren-Weltmeisterin aller Zeiten nennen.

Zurück zu den Anfängen: Wie sind Sie überhaupt zum Snowboarden gekommen?

Ich bin mit fünf Jahren erstmals auf einem Snowboard gestanden. Zuvor war ich auf den Skis unterwegs, aber das hat mir nie wirklich gefallen. Wir wohnen gleich neben der Piste. Es ist einfach ein cooles Gefühl, mit einem Snowboard die Berge hinunter zu sausen. Als ich zur Schule ging, schloss ich mich der JO ­Rinerhorn an und stieg dann in die Renngruppe von Trainer Peter Baetschi auf. Ich war auch dort immer eine der Jüngsten. In der Renngruppe des SC Rinerhorn konnte ich die Grundlagen des alpinen Snowboard-Sports lernen, wofür ich sehr dankbar bin. Ich bin aber auch den Verantwortlichen der Talentschule sehr dankbar, denn dank deren Flexibilität kann ich viel trainieren und die internationalen Rennen bestreiten. Und nicht zuletzt geht ein grosser Dank an meine Eltern, die mich bei allem unterstützen, was ich mache.

Wie geht es für Sie nun weiter?

Wir werden nun noch ein wenig Material testen, und danach werde ich schon bald mit dem Sommertraining starten, das zunächst einmal aus Krafttrainings-Einheiten bestehen wird. Im Juni werde ich trainingshalber ein Surfcamp in Portugal besuchen, und danach geht es im August mit den ersten Gletschertrainings weiter. 

Welche Ziele möchten Sie im nächsten Winter erreichen?

Ich möchte im Europacup gut dabei sein und nach Möglichkeit meinen ersten Podestplatz herausfahren. Später wird es sicher mein Ziel sein, Weltcup-Rennen bestreiten zu können. Vor allem aber ­hoffe ich, gesund und verletzungsfrei zu bleiben.

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