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Die Bobfahrer stehen vor einer komplizierten Saison

Der Bob-Weltcup startet am Wochenende in Lettland ganz im Zeichen des Coronavirus. Vieles ist unsicher, die Starterfelder etwas ausgedünnt, die vier Schweizer Teams aber zuversichtlich.

Agentur
sda
Samstag, 21. November 2020, 05:00 Uhr Bob

Auch die Schweizer haben in diesem Herbst schon ausgiebig Bekanntschaft mit dem Coronavirus gemacht. So können in Sigulda zumindest am ersten Wochenende die Anschieber Cyril Bieri und Adrian Fässler nicht starten. Bieri vom Team von Michael Vogt wurde am Montag positiv auf das Coronavirus getestet, Fässler vom Team von Simon Friedli musste in Quarantäne, weil er mit Bieri das Zimmer teilte. «In diesem Winter kann man nichts planen», weiss Friedli.

Er selber war kurz vor den ersten Trainingsfahrten in Deutschland im Oktober positiv getestet worden, was sich aber kurz darauf als falsch erwies, aber dennoch drei Trainingstage kostete. In Königssee erwischte es dann aus seinem Team Marco Leimgruber. Bei den Frauen musste Martina Fontanive zwischenzeitlich auf ihre stärkste Anschieberin Nadja Marie Pasternack verzichten, nachdem es im Team ihres französischen Partners Covid-19-Fälle gegeben hatte. Alles in allem sind die Schweizer aber glimpflich davon gekommen. So mussten sämtliche russischen Teams sowie die beiden österreichischen Männerteams nach positiven Tests unverrichteter Dinge aus Sigulda abreisen.

Die Rennen werden in diesem Winter unter besonderen Umständen stattfinden. Um die Reiserei und das Risiko im Schlitten zu verringern, finden vor Weihnachten je vier Rennen in Sigulda und in Innsbruck statt - jeweils mit dem Zweierbob. Die Teams aus Übersee wollen frühestens im Januar nach Europa reisen. In Nordamerika gibt es heuer keine Weltcuprennen, die Weltmeisterschaften im Februar wurden von Lake Placid nach Altenberg verlegt, wo schon in diesem Jahr um WM-Medaillen gefahren worden war. Weitere Höhepunkte sind die EM Anfang Januar in Winterberg, der Heim-Weltcup am 16./17. Januar in St. Moritz sowie die Junioren-WM eine Woche später am gleichen Ort.

Gute Chancen auf Spitzenplätze

Angesichts der vielen Unwägbarkeiten und ausgedünnten Teilnehmerfelder - in Sigulda werden voraussichtlich nur zehn Frauen- und dreizehn Männerteams am Start sein - sind Rangziele schwierig. «Konstant in die Top 6 fahren», sagt Michael Vogt, der in den Selektionsrennen mit dem kleinen Schlitten klar der schnellste Schweizer gewesen ist. Der erst 22-jährige Schwyzer wird am Wochenende einmal mit Sandro Ferrari und einmal mit Alain Knuser starten. Das fast permanente Tragen einer Maske sei schon gewöhnungsbedürftig, «vor allem, wenn man ausser Atem ist», stellt er fest. Aber: «Es ist nicht selbstverständlich, dass wir Rennen bestreiten können.»

Mit sehr guten Erinnerungen kehrte Simon Friedli nach Sigulda zurück. Im vergangenen Februar war der 29-jährige Solothurner dort in seinem erst vierten Weltcuprennen auf Platz 2 gefahren, womit er EM-Silber holte. «Ich bin in den Trainings gleich wieder gut reingekommen», zeigt sich der ehemalige Anschieber zuversichtlich. Er nimmt seine erste volle Weltcupsaison als Pilot in Angriff und stapelt mit dem Ziel «Top-10-Klassierungen» eher tief. Die härtesten Konkurrenten sind wie meist die Deutschen und die Letten.

Einiges erwarten darf man auch von Martina Fontanive und ihrem Team. Im letzten Winter zeigte sich die 34-jährige Zürcherin so konstant wie noch nie und verpasste nur einmal, in Innsbruck, die Top 10. Höhepunkt war der 4. Rang in St. Moritz. Zu ihrem erst zweiten Weltcup-Einsatz kommt in Sigulda die zwölf Jahre jüngere Melanie Hasler.

Erst gilt es aber - wie für alle anderen - am Freitag den dritten Corona-Test innert einer Woche zu überstehen.

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