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Peier überstrahlt solides Schweizer Team

Die Schweizer Delegation verlässt die WM in Seefeld nicht - wie befürchtet worden war - ohne Medaille. Mit Killian Peier führt ein neuer Name die Schweiz in den Medaillenspiegel.

Agentur
sda
Montag, 04. März 2019, 04:00 Uhr Ski nordisch
Sorgte an der Nordisch-WM in Seefeld für den Höhepunkt aus Schweizer Sicht: Skispringer Killian Peier mit seiner Bronzemedaille von der Grossschanze
Sorgte an der Nordisch-WM in Seefeld für den Höhepunkt aus Schweizer Sicht: Skispringer Killian Peier mit seiner Bronzemedaille von der Grossschanze
KEYSTONE/EPA/SRDJAN SUKI

Der Waadtländer Peier, im Weltcup noch nie besser als Siebenter, fand zur Hochform. Auf der Grossschanze in Innsbruck avancierte der 23-Jährige in den Sprüngen vor dem Wettkampf zum Mitfavoriten und hielt im entscheidenden Moment dem Druck stand. Als die Nummer 3 für Bronze aufleuchtete, gab es kein Halten mehr. Die Bilder, auf denen Peier und seine Teamkollegen ihren Emotionen freien Lauf lassen, werden in der Schweizer Öffentlichkeit von Seefeld 2019 prägend in Erinnerung bleiben.

Peier war nicht der einzige Aufsteiger im Schweizer Team. Nadine Fähndrich lief über 10 km im klassischen Stil mit Einzelstart auf den tollen 5. Platz. Die 23-Jährige aus dem Luzernischen bewies eindrücklich ihren Wandel zur Allrounderin. Ihr Name dürfte in den nächsten Jahren den Schweizer Frauenlanglauf prägen, zumal Nathalie von Siebenthal derzeit nicht bereit ist, ihre Karriere mit letzter Konsequenz voranzutreiben. Laurien van der Graaff zählt bereits über 30 Lenze. Vergangenen Winter war die Bündnerin mit zwei Weltcupsiegen noch im Hoch gewesen, in dieser Saison passte inklusive Weltmeisterschaften nicht viel zusammen.

Die Tenöre Cologna und Ammann - vor Peier waren in diesem Jahrzehnt an Grossanlässen ausschliesslich die beiden Vierfach-Olympiasieger in nordischen Disziplinen für die Medaillen zuständig - , traten nicht in Bestform an, die Resultate im Vorfeld hatten kaum Zuversicht geschürt. Der Bündner zeigte Licht und Schatten. Der Skiathlon missriet, über 15 km klassisch resultierte ein unerwartet starker 6. Rang mit bloss 12 Sekunden Rückstand aufs Podest und im Fünfziger folgte ein solider Platz 7. Gemessen an seinem Potenzial und den Resultaten aus dem Vorjahr muss Cologna gleichwohl zu den Verlierern gezählt werden. Auch Ammann gehört in diesen Kreis. Dem Routinier öffnete sich auf der Normalschanze sogar die Türe zum Coup. Die im Schneeregen immer langsamer werdende Anlaufspur machte zahlreiche Athleten - unter ihnen Peier - zum Vorneherein chancenlos. Der Toggenburger hingegen zählte mit seiner Startnummer zu den Begünstigten. Mit einem starken Sprung hätte er die Überraschung schaffen können. Doch dem 37-Jährigen fehlt für einen möglichen Exploit das Top-Ten-Grundniveau. Der Toggenburger kommt seit zwei, drei Jahren nicht mehr richtig vom Fleck. Ob es für Ammann, der vor 20 Jahren in der Ramsau seine ersten Weltmeisterschaften bestritten hatte, 2019 in Seefeld die letzten waren, darüber herrscht keine Gewissheit.

Kobayashi, der grosse Verlierer

In der Sportart Skispringen ist aus internationaler Sicht der Verlierer dieser Weltmeisterschaften zu finden. Ryoyu Kobayashi, der Seriensieger und Grand-Slam-Triumphator der Vierschanzentournee, hatte am Freitag auf der Normalschanze im ersten Umgang mit seinem womöglich besten Sprung an den Weltmeisterschaften allen Widerwärtigkeiten getrotzt. Der scheinbare Lohn als Halbzeit-Führender mutierte aber im Finale zur Höchststrafe. Im klebrigen Nassschnee erreichte der Japaner am Tisch 2,7 km/h weniger Speed als der Sieger. Obwohl er nicht viel falsch gemacht hatte - auf der Grossschanze wurde er Vierter -, musste sich der junge Japaner im Tirol mit Team-Bronze begnügen. Sein Gegenpol ist der Kombinierer Eric Frenzel. Der Deutsche war im Weltcup nicht auf Touren gekommen, räumte aber mit zweimal Gold und einmal Silber gross ab.

Die Königin von Seefeld heisst Therese Johaug, obwohl Markus Eisenbichler schöner jubeln kann und die Norwegerin im Rennen mit der grössten Überraschung auf der Verliererseite stand. Die Schwedinnen mit ihrem Shooting-Star Frida Karlsson fügten Norwegens Frauen in der Staffel unerwartet eine Niederlage zu. Johaug, mit drei Einzel-Goldmedaillen überaus erfolgreich, konnte den Einbruch einer Teamkollegin nicht mehr wettmachen. Die erst 19-jährige Karlsson ist die Entdeckung dieser Titelkämpfe. Vielleicht wird die junge Schwedin in der kommenden Dekade den Langlauf dominieren. Dann wird von Seefeld ihr fulminantes Debüt auf der Weltbühne und weniger Johaugs Goldläufe in Erinnerung bleiben.

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