«Meine innere Ruhe? Da steckt viel Arbeit dahinter»
Die Slalom-Weltmeisterin Camille Rast spricht Im Interview über Lockerheit, innere Ruhe und über den Fakt, als erste Schweizerin seit 34 Jahren und Vreni Schneider diesen Titel gewonnen zu haben.
Die Slalom-Weltmeisterin Camille Rast spricht Im Interview über Lockerheit, innere Ruhe und über den Fakt, als erste Schweizerin seit 34 Jahren und Vreni Schneider diesen Titel gewonnen zu haben.
«Weltmeisterin Camille Rast». Wie tönt das?
«Unglaublich. Ich habe noch nicht richtig realisiert, was da abgelaufen ist.»
Sie wirkten heute völlig ruhig, als ob Sie keinen Druck verspürt hätten. Stimmt dieser Eindruck?
«Ist so, ja. Es ist ein einziges Rennen, in dem alles entschieden wird. Wenns passt, dann passts - und wenn nicht, dann ists halt so.»
Wie sind Sie diesen Slalom angegangen? Wie ein normales Rennen?
«Ich habe vor allem versucht, locker zu bleiben. Das ist mir gelungen.»
Das tönt so einfach. Es war der WM-Slalom, das wichtigste Rennen des Winters. Da fällt es doch nicht leicht, Lockerheit an den Tag zu legen.
«Ich habe darüber schon in der Woche vor der WM mit den Trainern gesprochen. Vermutlich können Sie das nicht glauben, aber wir waren nicht so sehr auf dieses Rennen hier fokussiert. Da war schon viel Lockerheit mit dabei. Bei einer WM geht es nur um die Medaillen. Ich wusste, dass es möglich ist, eine Medaille zu gewinnen. Aber ich habe mir keinen Druck gemacht, denn die Saison ist für mich bisher ja schon super verlaufen.»
Sie waren im ersten Lauf klar die Schnellste, hatten einen grossen Vorsprung. Wie gingen Sie damit um?
«Ich versuchte, meine Lockerheit zu behalten. Ich war schon heute Morgen sehr ruhig. Ich wollte den heutigen Tag (Samstag, Red.) mit diesem grossartigen Publikum ganz einfach geniessen. An einer WM wird wie schon gesagt alles in einem Rennen entschieden. Es gibt keine Weltcup-Punkte zu gewinnen, es geht nur um die Medaillen. Ich wollte einfach mein bestes Skifahren zeigen - und es ist aufgegangen.»
Woher nehmen Sie diese innere Ruhe?
«Da steckt sehr viel Arbeit dahinter. All die guten Trainings bringen auch Vertrauen für die Rennen.»
In einem Interview haben Sie kürzlich gesagt, dass eine WM-Medaille nicht zu Ihren Saisonzielen gehört habe.
«Im vergangenen Sommer habe ich daran gedacht, dass wir für die WM eine starke Slalom-Gruppe haben werden. Trotzdem habe ich nicht so grosse Erwartungen gehabt - auch deshalb, weil ich im vergangenen März beim Weltcup-Finale hier in Saalbach im Slalom nicht gut gefahren bin (Rang 8, Red.). Das war vielleicht auch besser so.»
Sie sind auch im Weltcup die Nummer eins im Slalom. Sie haben bisher eine grossartige Saison hinter sich. Es gab aber auch Zeiten, in denen es nicht so gut lief. Was gab Ihnen die Energie oder den Glauben daran, dass es irgendwann gut kommt?
«Ich bin froh, dass ich immer weitergekämpft habe. Das zeigt, dass man nie aufgeben soll, dass immer alles möglich ist, man auch Geduld haben muss. Ich bin stolz, dass ich es doch noch geschafft habe. Ich hatte aber auch immer ein gutes Umfeld mit meinen Trainern, meiner Familie und meinen Freunden. Ihnen danke ich allen. Sie haben mich immer wieder von unten nach oben gebracht. Ohne dieses Umfeld wäre es nicht möglich, solche Leistungen zu bringen.»
Zu diesem Umfeld gehört auch Trainer Denis Wicki. Ein Wort zu ihm.
«Er ist natürlich eine sehr wichtige Bezugsperson für mich. Wir kennen uns ja schon sehr lange, und er hat mich immer unterstützt. Es ist schön, das nun zusammen mit Denis erleben zu dürfen. Ich hoffe, es kommen weitere schöne Moment dazu.»
Sie sind die erste Schweizer Weltmeisterin im Slalom seit 34 Jahren und Vreni Schneider. Interessieren Sie sich für solche historischen Fakten?
«Vrenis Sieg ist schon ziemlich weit weg für mich. Da war ich ja noch nicht einmal geboren. Aber natürlich ist es schön, etwas zur Geschichte beitragen zu können.»