Marco Odermatt kann es auch auf einfachen Pisten
Nach Platz 2 in der Abfahrt der Sieg im Super-G: Marco Odermatt nimmt 180 Punkte aus dem Wochenende in Crans-Montana mit und muss daran erinnern, dass dies nicht normal ist.
Nach Platz 2 in der Abfahrt der Sieg im Super-G: Marco Odermatt nimmt 180 Punkte aus dem Wochenende in Crans-Montana mit und muss daran erinnern, dass dies nicht normal ist.
Für viele alpine Skifahrer ist es ein Exploit, auf dem Podest zu stehen. Bei Marco Odermatt wird es erwartet. Und nicht nur das: Wenn er das Podest auch nur knapp verpasst, wie in der WM-Abfahrt (5.) oder im WM-Riesenslalom (4.), dann gilt das allgemein schon fast als ungenügende Leistung. Zumindest in den österreichischen Medien wurde Odermatts Auftritt in Saalbach trotz WM-Gold im Super-G als «bescheiden», in einer Zeitung sogar als Flop bezeichnet. Wenn «Odi» ohne Medaille bleibt, ist das die Schlagzeile.
Kein Wunder also, dass Odermatt an diesem Wochenende in Crans-Montana mehrmals dazu aufrief, auf den Boden der Realität zurückzukehren: «Wir müssen aufpassen, dass unsere Leistungen nicht als selbstverständlich hingenommen werden.» Das gelte teamintern mit den Coaches, aber vor allem auch nach aussen, zu den Fans und den Medien. Die aktuelle Schweizer Erfolgsserie, die sich in Crans-Montana mit einem Dreifacherfolg am Samstag und einem Doppelerfolg am Sonntag fortsetzte, sei alles andere als normal.
Odermatt beseitigt alle Zweifel
Dabei müssen auch die besonderen Umstände vor Crans-Montana in Betracht gezogen werden. Odermatt und seine Teamkollegen hatten kaum Zeit, die Weltmeisterschaft mit all ihren Emotionen zu verarbeiten. Neben den verdienten ausgiebigen Feiern mussten die erfolgreichen Schweizer zahlreiche Pflichttermine mit Medien und Sponsoren wahrnehmen und hatten kaum eine ruhige Minute. Für Odermatt waren es gerade mal vier Tage, die er zu Hause verschnaufen konnte.
So räumte Odermatt am Donnerstagabend ein, dass bei ihm die «innere Spannung» noch überhaupt nicht da sei. Die Trainingsresultate mit den Plätzen 36 und 19 waren bei Odermatt kein Alarmsignal, er geht die Probefahrten meist gelassen an. Mehr zu denken gab seine Aussage, die Piste Nationale in Crans-Montana sei die einfachste Weltcup-Abfahrt, die er je gefahren sei. Das spielt dem Techniker normalerweise nicht in die Karten. Und so blieb eine Restunsicherheit, ob Odermatt auf der für ihn nicht optimalen Piste rechtzeitig zur Rennform zurückfinden würde. Diese Frage beantwortete der 27-jährige Nidwaldner eindrücklich.
Mit Crans-Montana angefreundet
Als Odermatt am Samstagabend die Startnummer 15 für den Super-G zugelost bekam, war er skeptisch und befürchtete sulzige Verhältnisse. Doch die Sonne zeigte sich am Sonntag in Crans-Montana nur kurz, Odermatt war sogar einer der wenigen Fahrer, die von etwas besseren Sichtverhältnissen profitierten. Zudem, so hielt Odermatt mit einem Kompliment an die Organisatoren fest, sei die Piste sehr gut präpariert gewesen. Selbst mit höheren Nummern waren noch schnelle Fahrten möglich. So konnte der mittlerweile 45-fache Weltcupsieger nach anfänglich verhaltener Begeisterung ein schönes Fazit seines Auftritts in Crans-Montana ziehen. Die WM 2027 scheint für ihn unter einem guten Stern zu stehen.
Das Gleiche gilt für den Rest der Saison 2024/25. Odermatt könnte zum zweiten Mal in Folge das Kugel-Quartett aus Gesamtwertung, Abfahrt, Super-G und Riesenslalom gewinnen. «Die Kugeln bedeuten mir noch mehr als die WM-Medaillen, weil sie zeigen, dass man über eine ganze Saison der Beste war», sagt Odermatt. In der Gesamtwertung und im Super-G hat er den Sieg so gut wie sicher, in der Abfahrt und im Riesenslalom führt Odermatt mit 73 respektive 71 Punkten Vorsprung. Eine Bilanz, die auch für den besten Skirennfahrer der Gegenwart alles andere als selbstverständlich ist.