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Die Premiere der talentierten Vielstarterin

Emma Aicher gewinnt erstmals ein Rennen im Weltcup. Die junge Deutsche siegt in der zweiten Abfahrt in Kvitfjell.

Agentur
sda
01.03.25 - 16:42 Uhr
Ski alpin
Emma Aicher - das Strahlen nach dem ersten Weltcup-Sieg
Emma Aicher - das Strahlen nach dem ersten Weltcup-Sieg
KEYSTONE/EPA/Geir Olsen

Ein Hauch von Zeit machte sie zur Siegerin im Weltcup - einen Tag, nachdem sie in der ersten Abfahrt gleichenorts Zweite geworden war. Drei Hundertstel gaben den Ausschlag zu ihren Gunsten in diesem Duell zweier aufstrebender Fahrerinnen. Emma Aicher, 21-jährig, tat das, was Lauren Macuga, 22-jährig, schon gelungen war. Die Amerikanerin war bereits sieben Wochen zuvor im Super-G in St. Anton am Arlberg ein erstes Mal im Weltcup Erste geworden.

Und nun also auch Emma Aicher. Sie, die seit geraumer Zeit als grösstes alpines Talent im Deutschen Skiverband (DSV) gehandelt wird, der seit langem zugetraut wird, dereinst in die Fussstapfen einer Maria Höfl-Riesch zu treten. Schon oft hat sie ihr Talent angedeutet, zuletzt etwa als Sechste in der WM-Abfahrt in Saalbach. Oft schon hat sie sich auch im Weltcup auf gutem Weg befunden, die gute Ausgangslage aber nicht nutzen können. Noch gelingt ihr der Wechsel zwischen den einzelnen Disziplinen nicht immer wunschgemäss.

Emma Aicher geht in allen vier Disziplinen an den Start, als Einzige im derzeitigen Feld der Weltcup-Fahrerinnen. Alle 24 bisherigen Rennen des Winters hat sie bestritten. Das Leben als sogenannte Allrounderin ist kein einfaches. Gleichwohl sind die Athletin und die Verantwortlichen im DSV von der eingeschlagenen Richtung überzeugt. Die Frage nach möglicher Verzettelung stellt sich im Falle der Vielstarterin nicht. Die sportliche Entwicklung durch die schrittweise Annäherung an Abfahrt, Super-G, Riesenslalom und Slalom gezielter voranzutreiben, ist für alle Beteiligten keine Option. Wolfgang Maier, der Alpin-Direktor, und Andi Puelacher, der Cheftrainer des Frauen-Teams, glauben, den richtigen Entscheid gefällt zu haben.

Schweden, Engelberg, Deutschland

Emma Aicher ist im doppelten Sinne ein Glücksfall für den deutschen Skirennsport. Die Hochbegabte hätte sich auch für einen Verbleib im schwedischen Team entscheiden können. Für das Land, in dem sie zur Welt kam und aus dem ihre Mutter Viktoria stammt, trat sie bis vor fünf Jahren an, entschloss sich dann aber für den Wechsel zum DSV. Die Rochade begründete ihr Vater Andreas mit den besseren Trainingsmöglichkeiten in den Alpen. Eine Rolle in Emma Aichers Sportler-Leben spielte auch die Schweiz. Längere Zeit wohnte sie mit ihrer Familie in Engelberg, wo sie auch Mitglied des örtlichen Skiklubs war.

Emma Aicher ist eine Fahrerin der ruhigeren Sorte. Fast scheu wirkt sie - kein Vergleich zu Lauren Macuga, die das Laute und Schrille mag. Die Doppelbürgerin fühlt sich auf der Rennpiste wohler als abseits im Scheinwerferlicht. Ihrem Naturell entsprechend weiss sie ihren Status als Spitzensportlerin richtig einzuschätzen. Sie weiss um den Wert, sich selber nicht allzu wichtig zu nehmen. Auch deshalb mag sie sich nicht in den Vordergrund drängen.

Am Samstag konnte sich Emma Aicher dem Rummel um ihre Person selbstredend nicht entziehen. Sie war der Mittelpunkt, um den sich alles drehte nach einem Rennen, in dem sie als erste Deutsche seit fünf Jahren und dem Sieg von Viktoria Rebensburg in Garmisch wieder eine Weltcup-Abfahrt gewann. Hinter Lauren Macuga reihte sich die Österreicherin Cornelia Hütter ein, die Gewinnerin vom Vortag.

Die unerfüllten Erwartungen

Die Schweizerinnen vermochten den Erwartungen wiederum nicht gerecht zu werden. Lara Gut-Behrami und Corinne Suter wurden als beste Fahrerinnen von Swiss-Ski Achte und Neunte. Dass dies nicht die gewünschte Steigerung im Vergleich zur ersten Abfahrt war, verstand sich von selbst. Lara Gut-Behrami war bis zur letzten Zwischenzeit vielversprechend unterwegs, handelte sich im untersten Streckenteil aber einen Rückstand von einer halben Sekunde ein - etwas zu viel in einem Rennen mit knappen zeitlichen Abständen an der Spitze. In einer Abfahrt, in der im Kampf um den Sieg ein Hauch von Zeit entscheidend war.

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