Sieg für Weltmeister Foss-Solevaag - Platz 6 für Meillard
Der Weltmeister Sebastian Foss-Solevaag aus Norwegen gewinnt nach dem Pech von Clément Noël den Nacht-Slalom in Madonna di Campiglio. Der Norweger feiert seinen zweiten Weltcup-Sieg.
Der Weltmeister Sebastian Foss-Solevaag aus Norwegen gewinnt nach dem Pech von Clément Noël den Nacht-Slalom in Madonna di Campiglio. Der Norweger feiert seinen zweiten Weltcup-Sieg.
Noch ein Tor, dann schien es Noël wieder geschafft zu haben. Wie vor anderthalb Wochen bei seinem Sieg in Val d'Isère war er erneut auf dem Weg zu einem überlegenen Sieg. Doch dann das: Der Schlaks stürzte wenige Meter vor dem Ziel. Nichts wars mit dem zehnten Weltcup-Sieg. Statt Stolz und Freude über eine neuerliche Machtdemonstration blieb nur der grosse Frust.
Foss-Solevaag kam so unverhofft zu seinem zweiten Weltcup-Sieg nach jenem im Januar im zweiten Slalom in Flachau im Salzburgerland. Der Norweger riss im Zielraum die Hände in die Höhe. Das musste genügen in diesem Glücksmoment - wohl auch aus Respekt vor Pechvogel Noël, aber auch deshalb, weil die ganz grossen Gefühlsregungen nicht zu seinem Naturell passen.
Die bevorzugte Ruhe
Foss-Solevaag zieht die Ruhe dem grossen Rummel vor. Ihm ist ganz recht, dass er stets im Schatten von Teamkollegen gestanden hat, von Henrik Kristoffersen, von Kjetil Jansrud, Aksel Svindal oder nunmehr auch Aleksander Kilde. Daran hat sich auch als Slalom-Weltmeister nichts geändert. «Ich halte mich auch nach dem Gewinn der Goldmedaille in Cortina d'Ampezzo für nichts Besonderes. Ich bin immer noch der Gleiche.»
Das Ruhige passt zu ihm, der aus einer bodenständigen Familie stammt, der in Alesund aufgewachsen ist, einer Stadt an der Westküste Norwegens. Die nächstgelegene Skipiste ist in rund anderthalb Stunden mit Auto und Fähre zu erreichen. Einmal pro Woche hat Foss-Solevaag als Jugendlicher dort trainiert.
Aufmerksamkeit mit seinem Talent hatte Foss-Solevaag erstmals im Alter von zwölf Jahren erheischt. Der Umzug nach Oslo ins Ski-Gymnasium stand zur Debatte, war für den Jüngling aber keine Option. Das Heimweh war damals noch stärker als der unbedingte Wille, im internationalen Skirennsport Fuss zu fassen. Der Kompromiss, die Schule je zur Hälfte in Alesund und in Oslo zu besuchen, war für ihn eine akzeptable Lösung.
Seinem Status gewinnt Foss-Solevaag vorab Positives ab. «Ich verspürte nie wirklich Druck. Das war wertvoll für mich.» Er konnte abseits der grossen Scheinwerfer seine Karriere vorantreiben. Im Weltcup sorgte er vor knapp sieben Jahren, schon gut zwei Jahre nach seinem Debüt auf diesem Level, mit dem 3. Rang im Slalom in Zagreb ein erstes Mal für Furore.
Yules verpasste Qualifikation
Aus der hochgelobten, an diesem Abend aber von argen Rückschlägen geplagten Schweizer Slalom-Truppe hatte einzig Meillard Grund zur Zufriedenheit. Der Romand steigerte sich im zweiten Lauf gleich um 23 Ränge und zeigte mit dem 6. Platz einen ersten Ansatz von Besserung in einem bisher nicht wunschgemäss verlaufenen Winter.
Den umgekehrten Weg gingen Luca Aerni und Ramon Zenhäusern. Aerni fiel vom 8. auf den 17. Platz zurück, Zenhäusern rutschte vom 13. in den 18. Rang ab. Zur mentalen Blockade, herrührend von einer bei einem Trainingssturz Anfang November erlittenen Schulterverletzung, gesellten sich beim Doppelmeter in den letzten Tagen gravierende Rückenschmerzen.
Eine Erfahrung der anderen schlimmen Art musste Daniel Yule machen. Der Unterwalliser, der mit dem 4. Rang in Val d'Isère nach dem unbefriedigend verlaufenen letzten Winter wieder in die Spur zurückgefunden hatte, verpasste die Qualifikation für den zweiten Lauf - auf seiner Lieblingspiste, auf der er vor drei und vor knapp zwei Jahren den Slalom gewonnen hatte. Gleiches war ihm vor bald acht Jahren das letzte Mal passiert, im Nacht-Slalom in Schladming.
Yule führte die interne Gilde der Enttäuschten an. Marc Rochat, Sandro Simonet, Reto Schmidiger und Noël von Grünigen zählten ebenfalls nicht zu den besten 30 Fahrern, Tanguy Nef gehörte im ersten Durchgang zu den Ausgeschiedenen.