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Marco Odermatt: «Eine solche Pause sollte es immer geben»

Marco Odermatt: «Eine solche Pause sollte es immer geben»

Der sportliche Alltag hat sie wieder. Beat Feuz und Marco Odermatt bestreiten in Kvitfjell in Norwegen nach ihren Olympiasiegen und längerer Pause ihre ersten Weltcup-Rennen.

Agentur
sda
04.03.22 - 09:00 Uhr
Ski alpin
Nach fast dreiwöchiger Pause sind die Olympiasieger Marco Odermatt und Beat Feuz im Weltcup zurück
Nach fast dreiwöchiger Pause sind die Olympiasieger Marco Odermatt und Beat Feuz im Weltcup zurück
KEYSTONE/EPA/CHRISTIAN BRUNA

Beat Feuz hatte mit Abfahrts-Gold die erfolgreiche Mission der Alpinen von Swiss-Ski bei den Spielen in Peking lanciert, Marco Odermatt zog sechs Tage später im Riesenslalom nach. Vor der Speed-Trilogie in Kvitfjell mit zwei Abfahrten und einem Super-G erzählen sie in einem gemeinsamen Interview von der Zeit nach ihrer Heimkehr aus China und über ihre Rückkehr in den Rennmodus. Der Berner und der Nidwaldner schauen auch voraus auf den Rest der Saison, in der Odermatt unter normalen Umständen den Gesamtweltcup gewinnen wird.

Es sind rund drei Wochen vergangen seit Ihren letzten Renneinsätzen. Kam Ihnen die Pause gerade recht oder war für Sie der Unterbruch zu lang?

Beat Feuz: «Für mich war es eine schöne Zeit. Die Möglichkeit, während des Winters so lange zuhause zu sein, haben wir selten. Das habe ich natürlich genossen mit meiner Familie. Mir kam es deshalb kurz vor, obwohl es ja eine lange Zeit war.»

Marco Odermatt: «Bei mir waren es ja nicht drei Wochen. Deshalb kam es mir noch kürzer vor als Beat. Es war die einzige richtige Pause im ganzen Winter. Mir hat das sehr gut getan. Man sollte eigentlich beibehalten, dass man mal zwei Wochen Pause machen kann. Jetzt kehrte ich sehr motiviert für die letzten drei Wochen zurück. Das war vor einem Jahr ganz anders. Da ging es nach der WM direkt weiter. Da dachte ich: 'Nochmals drei Wochen'. Jetzt aber freue ich mich auf diese letzten Wochen.»

War die Zeit auch wichtig, um die Emotionen nach den Spielen in Peking zu verarbeiten?

Feuz: «Auf die eine Seite schon. Aber ich habe doch schon einiges erlebt in meiner Karriere. Bei mir waren die Emotionen vor allem an dem Tag am grössten, an dem ich Gold gewonnen hatte. Ich selber brauche nicht mehr drei Wochen, um solche Moment zu verarbeiten.»

Odermatt: «Ich habe natürlich noch einiges weniger erlebt als Beat. Aber ich durfte ja auch schon viele schöne Erfolge feiern. Wenn ich es jetzt nochmals mit Adelboden vergleiche: Da reiste ich am Montag danach nach Wengen und hatte so keine 48 Stunden, um das ganze Drumherum nach meinem Sieg im Riesenslalom setzen zu lassen. Von dem her war dafür mehr als Zeit genug.»

Wann wurde Ihnen zum ersten Mal richtig bewusst, dass Sie Olympiasieger sind?

Feuz: «Eigentlich schon im Zielraum. Als die Startnummer 30 im Ziel war, hatte ich das Ganze schon realisiert. Trotzdem war es unmittelbar danach bei den Interviews schwierig zu sagen, dass ich Olympiasieger bin. Aber innerlich nahm ich es schon wahr. Ich spürte dann auch, was das Ganze auslöste, auch wenn es in China von der Stimmung her natürlich nicht mit Adelboden, Wengen oder Kitzbühel zu vergleichen war. Trotzdem: Der Olympiasieg ist für mich vermutlich etwas Einmaliges und noch einmal ein Meilenstein in meiner Karriere.»

Odermatt: «Wir sind auch als Olympiasieger immer noch die gleichen Menschen. Für mich ist es vielleicht anders als bei Beat, für den es womöglich die letzte Chance war. Die Erleichterung war bei mir aber genau so gross. Alle um mich herum hatten es ja doch irgendwie erwartet. Dass es bei mir gleich bei der ersten Teilnahme geklappt hat, hilft mir mit Blick auf die nächsten Grossanlässe sicher.»

Wie war es mit Feiern nach der Rückkehr aus China?

Feuz: «Wir haben kurz mit ein paar Kollegen angestossen. Mit Feiern müssen wir weiterhin zurückhaltend sein. Wir müssen uns ja immer noch auf Corona testen lassen, um im Weltcup teilnehmen zu können.»

Wie lange dauerte die Pause effektiv, bis Sie wieder auf den Ski standen?

Feuz: «Bis hier in Kvitfjell. Ich reiste am Samstag nach Norwegen, bin am Sonntag frei gefahren und habe am Montag ein paar Läufe Super-G absolviert.»

Odermatt: «Ich war seither nur für eine Skitour auf den Ski. Trainiert habe ich ebenfalls nicht.»

Wie schwierig war es nach so langer Zeit, die Spannung wieder aufzubauen?

Feuz: «Das braucht sicher einen, zwei Tage. Im ersten Training hier hat das schon ganz gut funktioniert. Heute (Donnerstag) ist mir dies weniger gut gelungen. Aber für die Rennen sollte das schon wieder funktionieren.»

Odermatt: «Ich habe noch nicht die Erfahrung wie Beat. Aber den Schalter mit 'on und off' kann ich auch relativ gut umlegen. Ich bin mich das gewohnt, dass das wegen den vielen Rennen in kurzer Zeit passieren muss. In der zweiten Woche habe ich noch einmal ein gutes Konditionstraining absolviert, so dass ich fit bin für den Schlussspurt.»

Sie sprechen den Endspurt an. Es war vermutlich auch wichtig, in den letzten Wochen noch einmal Kraft zu tanken.

Odermatt: «Die erste Woche habe ich vollends pausiert, in der zweiten jeweils den halben Tag trainiert.»

Sie müssen fit sein, denn es kommt noch einiges auf Sie zu. In den nächsten 15 Tagen fahren Sie acht Rennen plus zwei Abfahrtstrainings beim Finale in Courchevel.

Feuz fährt dazwischen (und lacht): «Das ist ja das halbe Saisonprogramm von mir.»

Odermatt: «Ja, das wird noch einmal richtig intensiv. Aber wenn es gut läuft, mit dem Olympiasieg und den guten Zwischen-Standings im Weltcup, geht man die letzten Rennen auch etwas lockerer an.»

Feuz: «Die knapp drei Wochen haben Körper und Geist gutgetan. Die Woche vor Kvitfjell habe ich das Konditionstraining wie Marco nochmals hochgefahren.»

Die Piste hier in Kvitfjell heisst Olympiabakken. Das könnte ein gutes Zeichen sein für Sie als Olympiasieger.

Feuz: «Ich habe auf keiner anderen Strecke mehr Podestplätze erreicht und bin nirgends mehr Rennen gefahren als hier. Ich mag die Strecke. Es ist aber eine Piste, die keine Fehler verzeiht.»

Die Strecke ist ohnehin etwas Spezielles für Sie. Sie haben hier Ihren ersten Weltcup-Sieg errungen.

Feuz: «Sicher ja. Der Sieg vor elf Jahren war auch mein erster Podestplatz im Weltcup. Und einen Tag später in der zweiten Abfahrt wurde ich Dritter. Ich bin nicht nur gerne hier in Kvitfjell, sondern generell im Norden. Ich war auch schon privat hier oben.»

Wenn Beat Feuz sagt, er sei hier so oft heruntergefahren: Ist es für Sie noch wichtiger, dass Sie mit ihm die Strecke besichtigen?

Odermatt: «Bei mir ist ja das Gegenteil der Fall. Ich kenne die Strecke hier fast am schlechtesten. Sie ist ja auch nicht so auf mich zugeschnitten. Es gibt keine Kurve, die du enger oder anders als die anderen fahren und Zeit gewinnen kannst. Es geht darum, das Tempo hochzuhalten. Deshalb werden die Abfahrten für mich sicher eine besondere Herausforderung.»

Sie sind gute Kollegen, im Kampf um den Abfahrts-Weltcup aber auch Rivalen. Eine besondere Konstellation.

Odermatt: «Für mich ist vor allem schön, dass ich noch bis zum Schluss im Spiel bin. Aber für mich ist der Abfahrts-Weltcup nach wie vor weit weg von einem realistischen Ziel. Hier finden zwei Abfahrten statt, in denen ich nicht unbedingt um den Sieg mitfahren werde. Es braucht aber Siege, um am Ende in der Wertung vorne zu sein. Deshalb glaube ich, dass mich Beat nicht als härtesten Konkurrenten im Kampf um die Kugel sieht.»

Feuz: «Odi muss man immer auf der Rechnung haben. Das Gleiche gilt aber für die anderen Fahrer, die für die Kugel noch in Frage kommen. Es sind neben ihm alles Routiniers. Ein (Matthias) Mayer, ein Vince (Vincent Kriechmayr), ein Domme (Dominik Paris) oder ein (Aleksander) Kilde. Für mich ist das eine völlig offene Partie.»

Wie oft sind die Weltcup-Kugeln bei Ihnen beiden ein Thema?

Feuz: «Ich kann ja nur eine gewinnen. Für mich ist deshalb nur diese Kugel ein Thema, aber ehrlich gesagt nicht ein ganz grosses. Ich bin neben (Kjetil) Jansrud der einzige der aktuellen Fahrer, der die Kugel schon gewonnen hat. Wenn einer nicht auf sie schauen muss, dann ich.»

Odermatt: «Wie gesagt ist es für mich keine realistische Sache. Deshalb haben wir miteinander auch noch nie darüber gesprochen. Ich habe meine Chancen ja schon oft heruntergespielt, aber ich glaube nicht, dass ich im Abfahrts-Weltcup noch ein Wort mitreden kann. Ich habe in anderen Wertungen sicher die grösseren Chancen.»

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